Direkt zum Inhalt

Was Weltmarktführer ausmacht

09.10.2018

Prof. Hermann Simon ist Gründer des Preisberatungs- Weltmarktführers Simon-Kucher & Partners. Seine Bücher über Hidden Champions wurden Weltbestseller. Wir haben den Experten gefragt, was Unternehmen an die globale Spitze bringt und ob sich das nachmachen lässt.

Prof. Hermann Simon

WAS WELTMARKTFÜHRER ANDERS MACHEN:

Sie haben erstens die Ambition, die Besten in der Welt zu werden. Man stolpert nicht per Zufall in die Weltmarktführerschaft, sondern muss mit diesem enormen Vorsatz antreten. Das heißt, die Wurzel liegt in den Unternehmern. Dann stellt sich die Frage, wie man das Ziel erreicht. Und hierauf gibt es zwei klare Antworten: durch Fokussierung und durch Globalisierung. Nur mit Fokussierung wird man Weltklasse. Aber Fokussierung macht einen Markt klein. Wenn Frequentis, Weltmarktführer von sicherer Voice-Communication, seine Systeme nur in Österreich oder im deutschsprachigen Raum vertriebe, wäre der Markt zum Überleben und zum Erreichen von Wachstum zu klein. Bedient man hingegen die ganze Welt, dann wird jeder Markt ausreichend groß. Die Globalisierung ist der wichtigste Wachstumstreiber der Hidden Champions.

VOM MITTELSTÄNDLER ZUM WELTMARKTFÜHRER:

Ich verspreche nicht, dass jedes durchschnittliche Unternehmen dies schafft. Aber ich weiß, wie man es nicht schafft, nämlich durch Diversifikation und Verzettelung. Nun kann man durchaus erfolgreich sein, ohne unbedingt Weltmarktführer zu werden. Es ist ja auch ein Erfolg, wenn man in seinem Land oder in Europa die Nummer eins wird. Das generelle Prinzip hinter der Kombination Fokussierung und Globalisierung lässt sich wie folgt umschreiben: Es ist besser, bei dem zu bleiben, was man wirklich beherrscht, und durch regionale Expansion zu wachsen, als auf andere Felder zu gehen, um in der eigenen, eingeschränkten Region zu wachsen. Ich kenne viele Unternehmer, die mit ihrem ersten Geschäft sehr erfolgreich waren. Die Region bot keine Gelegenheit, auf dem Stammgebiet weiterzuwachsen. Sie gingen dann in ihrer Region in andere Branchen, und fast nie waren sie mit dieser Strategie erfolgreich. Warum? Weil auf diesen fremden Gebieten eben andere besser sind. Hingegen waren viele Unternehmer, denen ich zu dem Motto „Schuster, bleib bei deinem Leisten und expandiere international“ riet, langfristig sehr erfolgreich. Vor allem haben sie wesentlich höhere Wachstumsraten erzielt als die in ihrer Region verhafteten.

EINE FRAGE DES AUSGANGSPUNKTS:

Die Pro-Kopf-Zahl der Hidden Champions ist in Österreich, der Schweiz und Deutschland sehr ähnlich und weitaus höher als in allen anderen Ländern. Daraus wage ich den Schluss zu ziehen, dass der deutschsprachige Raum gute Bedingungen für die Entwicklung dieser mittelständischen Weltmarktführer bieten muss. Das sind keineswegs nur technische oder rechtliche Bedingungen, sondern auch Aspekte wie günstige Erbschaftsteuerregelungen oder die Reputation des Mittelstands in der Gesellschaft. Daran hat sich wenig geändert. Ich sehe auch für die Zukunft gute Bedingungen, ein globales, anspruchsvolles Geschäft von Österreich aus zu betreiben. Allerdings müssen wir eine große Herausforderung bewältigen, nämlich die Migranten, die wir wegen der unvorteilhaften Demoskopie brauchen, zu integrieren und auf unser angestammtes Qualifikationsniveau zu bringen.

WO IN ZUKUNFT DIE MUSIK SPIELT:

China und Amerika, das sind die Märkte, in denen die globale Musik noch auf Jahre spielen wird. Hier muss man stark sein. Die Hidden Champions müssen „Chinesen werden“, das heißt, den Teil der Wertschöpfungskette, den man am besten in China erledigen kann, tatsächlich auch dort ansiedeln. Erstaunlich viele Hidden Champions haben das bereits getan. Und wenn man in bestimmten Branchen tätig ist, als Beispiel die Eisenbahn, muss man in China mitspielen. Sonst sieht es im Rest der Welt schlecht aus. Zum Thema Innovation sehe ich die USA auf viele Jahre an der Spitze, China holt allerdings auf. Und Europa ist nicht schlecht auf dem Industriegütersektor. Das gilt auch für die Digitalisierung. Zum Beispiel stammen 48 Prozent der seit 2010 weltweit registrierten Patente im Bereich autonomes Fahren aus Deutschland. Das weiß nur kein Mensch.

Werbung

Weiterführende Themen

3DSie haben keine kleinen Ziele: Klaus und Jakob Schmied wollen ihr Unternehmen zum besten 3DDruckunternehmen der Welt machen.
Stories
15.05.2019

Sie wird aus Kunststoff gemacht und sorgt dafür, dass kollaborative Roboter etwas fühlen: eine flexible Hülle namens Airskin. Produziert wird sie von einem Innovationsführer aus Oberösterreich, ...

Interviews
15.05.2019

Umwelt und Gesellschaft stehen großen Herausforderungen gegenüber. Einen wesentlichen Beitrag können Unternehmen mit Lösungen leisten, die gleichermaßen nachhaltig wie innovativ sind. Wie und ...

Stories
15.05.2019

Alle Welt macht sich für China schick, denn das Land positioniert sich als globale Wirtschaftsmacht. Besonders für Nischenplayer und Weltmarktführer ist der Markt ein Muss. Doch von China gehen ...

"Die nächste Rezession ist keineswegs vorgezeichnet“, stellt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer klar.
Meldungen
18.04.2019

Die Industriellenvereinigung hat die Ergebnisse ihrer Konjunkturerhebungen präsentiert und Generalsekretär Christoph Neumayer formuliert eine klare Botschaft an die Politik: Die ...

"Preise ­müssen ­erklärbar sein." - Othmar Schwarz, Simon, Kucher & Partners
Stories
11.04.2019

Der Preis eines Produktes entscheidet, wie es wahrgenommen wird und wie profitabel es ist. Den perfekten Preis zu finden, ist nicht gerade einfach. Worauf Unternehmen achten müssen: Dos and Don’ts ...

Werbung