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Hans Harrer

Was mich gerade beschäftigt

14.04.2019

Hans Harrer ist Präsident des Senats der Wirtschaft und als Unternehmer im Gesundheitsbereich sowie in Gastronomie und Hotellerie tätig. Warum er gerade die Idee smarter Regionen forciert, erklärt er im Kurzinterview.

Sie setzen sich analog zu Smart Citys für Smarte Regionen ein. Worin liegt die Herausforderung?
Wir beobachten eine rapide Abwanderung von den ländlichen Regionen in die Städte, die als smart verkauft werden. Wenn dieser Trend anhält, wird die Jugend als Kraft komplett abgezogen. Damit fehlen nicht nur Arbeitskräfte in den Unternehmen. Dadurch verlieren Regionen auch ihre kulturelle Identität.

Wie lässt sich die Abwanderung aufhalten?
Die Bevölkerung muss aufwachen und darf nicht mehr zuschauen, wie ihre Region ausblutet. Die Menschen in den Regionen müssen selbst aktiv werden und Initiativen setzen. Es gibt tolle Beispiele, wie junge Entrepreneure alte Bauernhöfe revitalisieren, wie Ausbildungsmöglichkeiten und auch Jobs geschaffen werden können. Dafür braucht es ein Zusammenstehen für die Region. Die Politik muss entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. Sie sollte attraktive Betriebsansiedlungen in den Regionen fördern, anstatt den Bau des tausendsten Supermarkts. Ohne Infrastruktur wird es nicht klappen.

Kann die Digitalisierung dabei helfen, Menschen und Unternehmen im ruralen Bereich zu halten?
Durchaus. Seine Arbeit von überall mittels Highspeed-Leitungen erledigen zu können, ist ein großer Vorteil. Doch der digitale Wandel ersetzt auch viele Jobs ersatzlos. Darüber hinaus sollten wir uns nicht immer auf die Technik ausreden, wenn wir zu unkreativ sind, um Lösungen zu entwickeln.

Wie sieht Ihre Wunschvorstellung von Stadt und Land aus?
Österreich ist ein kleines Land und sollte ganzheitlich betrachtet werden. Entwicklungen, die eine Seite benachteiligen, müssen verhindert werden. Wenn die Regionen aufgewertet werden, profitieren der gesamte Standort und die Unternehmen enorm. Denn sie finden vor Ort die besten Leute, die dort verankert sind und kein Jobhopping machen. Diese Potenziale werden aber noch viel zu wenig gehoben. Dafür gibt es nämlich politisch keine Agenda.

Woran liegt das?
Es ist leichter, sich in Wien hinzustellen, als durchs Waldviertel oder die Salzburger Gaue zu fahren. Der Herausforderung müssen sich aber auch die Unternehmer selber stellen und Verantwortung übernehmen. Sie müssen Gestalter und Leistungsträger für die Zukunft ihres Landes werden. Wie das geht, beweisen viele Weltmarktführer, die am Land sitzen. Die Großbetriebe müssen Pate und Coach sein und Innovationsprojekte mit kleineren Unternehmen vorantreiben. Das kommt ihnen zugute, denn die Innovation findet nicht im Konzern, sondern in den KMU und den Startups statt. Deswegen braucht es den Schulterschluss mit regionalen Partnern und der Gemeinde.

Wer steht dem entgegen?
Die Verhinderer. Regionen und kleine Gemeinden, die keine Steuerberater und Rechtsanwälte haben, werden niederreguliert. Die Politik schiebt die Verantwortung auf Brüssel und macht selber Gold Plating. Kammern und Bünde leben davon, ihre Pfründe zu verteidigen. Und dabei vergessen alle, dass Österreich mehr ist als nur die Hauptstädte. Österreich ist zu klein, um das Potenzial liegen zu lassen.

Warum ist Ihnen das persönlich so wichtig?
Weil ich der Überzeugung bin, dass meine Generation die Verantwortung dafür trägt, dass das passieren konnte. Weil wir nicht aufgeschrien haben. Demokratie bedeutet, sich in die eigene Sache einzumischen. Dass haben wir über Jahrzehnte nicht gemacht. Wir haben nicht Wertepolitik, sondern Farbenpolitik betrieben. Die meisten Abgeordneten dienen nicht den Bürgern und der Gesellschaft, sondern denen, die sie hingesetzt haben. Darüber hinaus bekomme ich selber auch keine Leute.

Was wünschen Sie sich von anderen Unternehmern?
Sie sollen auch ein bisschen vor die Türen ihrer Unternehmen schauen. Sie brauchen einen ganzheitlichen Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung drum herum. Das ist ein Sicherheitsgurt, um ihre Region zukunftsfähig zu gestalten.

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