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Was mich gerade beschäftigt

17.03.2019

Andreas Zakostelsky ist Generaldirektor der VBV-Gruppe. Warum er ohne Wenn und Aber auf Nachhaltigkeit setzt und wieso das manchmal wehtun kann, erklärt er im Kurzinterview.

Andreas Zakostelsky, Generaldirektor der VBV-Gruppe
VBV-Gruppe

Anbieter von nachhaltiger ­betrieblicher Altersvorsorge 

Veranlagtes Kapital: Mehr als 10 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 50
Kunden: Mehr als 3,2 Millionen Österreicher

Was ist aktuell Ihre größte Herausforderung?
Ich möchte das Thema Nachhaltigkeit in voller Breite in die Köpfe der Menschen hineinbekommen. Dabei geht es für mich um mehr als nur um Klima und Umwelt. Was für mich immer mitschwingt, ist der Umgang mit den Menschen.

Bei wem müssen Sie Überzeugungsarbeit leisten?
Im Betrieb kommt es auf den persönlichen Einsatz der Mitarbeiter an. Es ist wichtig, dass sie gerne arbeiten und sich einbringen. Dazu kann Nachhaltigkeit viel beitragen. Bei der Altersvorsorge selbst darf es nicht um den schnellen Abschluss und nur um den Ertrag gehen. Ein Geschäft, das auf Jahrzehnte abzielt, lebt von Transparenz und Vertrauen. In diesem Sinne möchte ich Nachhaltigkeit auch bei unseren Kunden positionieren und die Vorteile aufzeigen. Und auch die eigenen Gesellschafter und Aktionäre müssen hinter der Strategie stehen und sie mittragen. Als Marktführer haben wir die Verantwortung, Treiber zu sein, das Geschäftsfeld weiterzuentwickeln und zu sehen, was wir bewirken können.

Was können Sie denn bewirken?
Wir verwalten ein Anlegevolumen von mehr als zehn Milliarden Euro. Wo wir das Kapital investieren, macht einen zentralen Unterschied. Wir sind deshalb dem Montreal Carbon Pledge Abkommen beigetreten und haben uns dazu verpflichtet, unseren Co2-Footprint zu messen, auszuweisen und zu kommunizieren, wohin er sich entwickelt. Diese Zahlen weisen wir auch im Geschäftsbericht aus. Damit zeigt sich, wie viele Tonnen Co2 wir pro verwalteter Million bewegen. Wir haben uns deshalb zum Beispiel ganz bewusst aus Industrien zurückgezogen, die 5 % oder mehr ihres Umsatzes mit dem Abbau von Kohle machen. Das ist ein großer Hebel, den wir haben. Hier wollen wir ansetzen und uns einbringen.

Welche Bedeutung hat für Sie der Begriff Verantwortung?
Er ist sehr zentral in meinem gesellschaftlichen Idealbild verankert. Ich möchte, dass wir Verantwortung für die Umwelt, für die Mitarbeiter und unsere Kunden übernehmen. Alle Entscheidungen werden nach drei Gesichtspunkten getroffen: nach ethischen, ökologischen und ökonomischen. Daran muss man festhalten. Man darf sich nicht durchschwindeln – auch wenn es wehtut, wenn man spannende Investments ausschließen muss. Doch es braucht Konsequenz.

Sehen Sie entsprechenden gesellschaftlichen Rückhalt für diese Vorgehensweise?
Ich glaube, es bedarf noch viel mehr Verständnis in Gesellschaft und Wirtschaft. Wir hören oft, dass man dies und jenes nicht machen kann, weil es der Wirtschaft schaden würde. Doch wenn erst alles kaputt ist, gibt es auch keine Wirtschaft mehr. Ich würde mir beim Klimaschutz auch wünschen, dass sich die Jugend intensiver einbringt. Dass demonstriert wird. Es bräuchte insgesamt mehr Engagement von Gesellschaft, Universität und von Eliten.

Nachhaltigkeit ist auch das Bohren dicker Bretter. Woraus schöpfen Sie Kraft, immer wieder durchzustarten?
Ich schöpfe Kraft daraus, dass ich Optimist und Aktivist bin. Nur wenn man etwas angeht, kann man auch etwas bewegen. Mit unseren bescheidenen Möglichkeiten stoßen wir viel an. Vielleicht gelingt es uns, etwas Großes in Gang zu bringen.

Wie bringen Sie diesen Mindset ins Unternehmen?
Über die Beteiligung der Mitarbeiter. Das klappt gut. Wir haben zum Beispiel 2017 alle Mitarbeiter dazu eingeladen, darüber nachzudenken, wie wir als Unternehmen etwas zum Umweltschutz beitragen können. Herausgekommen ist ein Umweltmanagementsystem. Wir erheben etwa, wie viele Fahrkilometer die Mitarbeiter zur Arbeit haben und kompensieren den Co2-Austoß mit Zertifikaten. Seit 2018 sind wir klimaneutral. Das ist kein riesen Hebel. Aber die Mitarbeiter nehmen viel mit und tragen den Gedanken weiter.

 

Interview: Stephan Strzyzowski
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