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Das Vertrauen in den chinesischen Finanzplatz wird nach der Einschätzung von Jasmine Kang dieses Jahr verbessern.

Was Anlegern das Jahr der Ratte bringt

29.01.2020

In China ist das Jahr der Ratte angebrochen. Was Anleger von ihm erwarten dürfen und welche Entwicklungen das Land vollzieht, erklärt Jasmine Kang, Fondsmanagerin des Comgest Growth China.

Der Handelskonflikt mit den USA hat gezeigt, dass China sich zu einer modernen Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft gewandelt hat. Zudem ist das Wachstumsmodell Chinas nachhaltiger geworden. Die Öffnung der Börsen von Shenzhen und Shanghai geht rasant voran. Das Potenzial für den Finanzplatz China ist langfristig enorm. Doch als bottom-up Investor darf man sich vom starken Wachstum und den verbesserten Rahmenbedingungen nicht blenden lassen. Ausdauer, Geduld und eine vernünftige Governance sind in China besonders wichtig, um langfristig im richtigen Boot zu sitzen. Denn gerade nach dem hervorragenden Börsenjahr 2019 ist es fahrlässig, den breiten Markt zu kaufen. Starke Selektion ist im Jahr der Ratte mehr denn je gefragt.

Am 15. Jänner haben die USA und China, nach Monaten des Schlagabtausches im Handelskonflikt, ihren im Dezember 2019 vereinbarten „Phase-1-Deal“ unterzeichnet. Zudem beginnt nach dem chinesischen Horoskop, das aus zwölf Tierkreiszeichen besteht, mit dem Jahr der Ratte ein neuer Zyklus. 2020 steht für Chinesen daher für einen neuen Beginn und ein ganz besonders gewinnbringendes, starkes und erfolgversprechendes Jahr. Die Ratte ist zwar in unserem Sprachgebrauch ein hinterlistiges und weniger beliebtes Tier, doch in China steht sie für Fleiß, Klugheit, Energie, Entschlossenheit und Zielerreichung.

Obwohl mit dem nun geschlossenen „Phase-1-Deal“ der zwischenstaatliche Konflikt zwischen den USA und China zunächst entschärft werden konnte, ist der Handelskonflikt noch längst nicht beigelegt. Solange China weiter wächst und seine wirtschaftliche sowie politische Bedeutung in der Welt zunimmt, bleibt das Land eine Bedrohung für die Hegemonie der USA. Für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre wird jede amerikanische Regierung China politisch und wirtschaftlich unter die Lupe nehmen. China wird daher in Zukunft faire Handelspraktiken und Marktzugänge gewähren müssen.

Ein Land im Wandel

Der Wandel der chinesischen Wirtschaft vom kredit- und infrastrukturgetriebenen hin zum innovations-, dienstleistungs- und konsumorientierten Wachstum ist größtenteils vollzogen. Die Realeinkommen sowie die Mittelklasse wachsen stetig. Der großzügige wirtschaftliche Stimulus der vergangenen Jahre ist dem Kampf gegen die zu hohe Verschuldung sowie der Öffnung der Kapitalbilanz gewichen. Auch die Reformen der rigiden Haushaltsregistrierungen sowie des Gesundheitsmarktes sorgen für ein qualitativ besseres, wenn auch absolut gesehen niedrigeres Wachstum. Das Wachstumsmodell Chinas ist nachhaltiger geworden.

„Der Anteil ausländischer Investoren bei chinesischen A-Aktien, also im Inland gehandelten Papieren, betrug 2014 noch 3%, jetzt sind es mehr als 7%. Das ist immer noch wenig. In Indien liegt der Anteil ausländischer Anleger bei 17% und in Südkorea bei 33%. Da hat China noch einiges vor sich“, meint Jasmine Kang, Fondsmanagerin des Comgest Growth China. „Der Zugang ausländischer institutioneller Investoren zu den Börsen von Shenzhen und Shanghai wird sich in den kommenden Jahren weiter verbessern, den Kapitalzufluss fördern und den Kapitalmarkt professionalisieren. Die Verbesserung der Transparenz und der Umgang mit Environmental-, Social- und Governance-Fragen, kurz ESG, steckt zwar noch in den Kinderschuhen, wird sich aber durch die Marktöffnung stetig verbessern. Immer mehr Unternehmen bilanzieren bereits nach internationalen Standards und Corporate Social Responsibility Reporting wird zum Thema. Chinesische Behörden machen da Druck. Das Vertrauen in den chinesischen Finanzplatz wird sich unserer Einschätzung nach verbessern und seine Attraktivität weiter erhöhen. Internationale Investoren, die noch nicht in China investiert sind, tun also gut daran, ihre Vorbereitungen heute zu beginnen.“

Trotz der positiven Veränderungen der Rahmenbedingungen bleibt China ein anspruchsvolles Pflaster für Stock Picking. Zwar ist das Wachstum attraktiv, jedoch ist Qualität auf der Unternehmensebene trotz der stark abnehmenden Bedeutung von Staatsunternehmen immer noch rar gesät. „Es ist in China daher ganz besonders wichtig, dass man als Minderheitsaktionär mit den Entscheidern und Managern des Unternehmens in einem Boot sitzt“, so Kang. „Governance-Strukturen sind unserer Erfahrung nach von herausragender Bedeutung für den Erfolg langfristig orientierter Qualitätswachstumsinvestoren.“

Ein Paradebeispiel für das Zusammenspiel von Reformdruck und Verbesserungen der Governance zugunsten von Minderheitsaktionären ist Shandong Weigao. Das Unternehmen ist seit langer Zeit eine starke Marke im Markt für medizintechnische Verbrauchsartikel wie beispielsweise Einmalspritzen und profitiert vom dynamisch wachsenden Gesundheitsmarkt. Lange entwickelte sich das Wachstum des Unternehmens unterdurchschnittlich. Aktienbeteiligungen waren nur dem Top-Management vorbehalten und nicht handelbar. Durch die Reform des chinesischen Kapitalmarktes änderte sich das. Über Mitarbeiterbeteiligungsprogramme sowie als M&A Währung wurden die Aktien zu einem wichtigen Instrument der langfristigen Unternehmenssteuerung und einem Katalysator der Wachstumsbeschleunigung und Dividendensteigerungen des Unternehmens. Der Gewinn pro Aktie und der Aktienkurs des Unternehmens haben sich in der Folge über die vergangenen drei Jahre verdoppelt.

Langfristig sind die Aussichten für den chinesischen Aktienmarkt durchweg positiv. Jedoch ist er weiterhin für seine hohe Volatilität bekannt. Über die vergangenen 12 Monate gehörte der IT- und Healthcare-lastige China Shenzhen Index mit 36% US-Dollar Wertzuwachs zu den besten Börsen der Welt und konnte sogar den US-amerikanischen Nasdaq hinter sich lassen. Es gilt also Augenmaß zu bewahren und im Jahr der Ratte nicht einfach den steigenden Kursen hinterher zu rennen. Ebenso wenig sollte man sich von Ereignissen wie dem Ausbruch des Coronavirus beeinflussen lassen. Langfristig in Qualität zu investieren und auch einmal Geduld zu beweisen, um ein optimales Risiko-Rendite-Profil für das eigene China-Investment zu erreichen, könnte sich dagegen auszahlen. Denn das ist genau der Weg, den Comgest bei der Zusammenstellung des Comgest Growth China seit 2001 konsequent gegangen ist.

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