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Warum der mächtigste Mann der Welt alleine dasteht

29.03.2018

Donald Trump weigert sich hartnäckig, den Klimawandel anzuerkennen. Mit dieser Haltung isoliert sich der US-Präsident zunehmend vom Rest der Welt. Eine Analyse der Auswirkungen.

„America first“ – dieser Slogan begleitet den US-Präsidenten Donald Trump, wo immer er auftritt. Auch bei seiner Rede am Weltwirtschaftsforum in Davos ging es vor allem um Investitionen in den USA. Mit seiner Ankündigung, aus dem Klimaschutzabkommen von Paris aussteigen zu wollen, stand Trump in Davos jedoch alleine da. Auch beim G7-Gipfel auf Sizilien positionierten sich beim Klimaschutz sechs Staaten offen gegen die USA, ein bis dahin nicht da gewesener Vorgang.

RÜCKSTÄNDIGE KLIMAPOLITIK MADE IN USA

„ Donald Trump ist offensichtlich ein Instrument der Ölund Gaslobby in den USA“, meint der Ökonom Jeffrey Sachs. „Sie kontrolliert die entscheidenden Behörden seiner Regierung und die wichtigsten Stimmen im Kongress.“ Egal ob dieser Vorwurf tatsächlich zutrifft oder nicht: Der US-Präsident stellt in Interviews und Tweets regelmäßig seine Unwissenheit über den Klimawandel selbstbewusst zur Schau. So twitterte Trump etwa folgenden Satz, der tief blicken lässt: „Das Konzept der Erderwärmung wurde von und für Chinesen geschaffen, um die amerikanische Produktion wettbewerbsunfähig zu machen.“ Und weil seiner Ansicht nach der Klimwandel insgesamt „Unsinn“ ist und alle Versuche, den Temperaturanstieg zu verringern, „die Existenz unserer großartigen Kohle-Bergmänner bedroht“, macht er Schritt für Schritt die Klimapolitik seines Vorgängers Barack Obama zunichte, zuletzt mit der Rücknahme des „Plans für saubere Energie“ (Clean Power Plan). Dieser schrieb den amerikanischen Stromerzeugern vor, ihre CO₂-Emissionen zu reduzieren. Ins Bild passt auch die Eröffnung der umstrittenen Dakota Access Pipeline im Juni 2017, die vom erdölreichen US-Bundesstaat zum Pipelineknotenpunkt Patoka, Illinois führt. Da Klagen der Sioux-Indianer aus der Standing Rock Reservation vor mehreren Bundesgerichten gegen die Pipeline laufen, ist sie noch nicht in Betrieb. Erst im Dezember 2016 hatte US-Präsident Barack Obama einen Baustopp für das Projekt verfügt.

BREITE FRONT FÜR DEN KLIMASCHUTZ

So vehement sich Trump auch für seine Sicht der Dinge stark macht – selbst in den USA steht er mit seiner Klimapolitik ziemlich alleine da. Frühere Berater wie der Tesla-Chef Elon Musk zogen sich aus Protest aus Beratergremien der US-Regierung zurück. Gegenwind kommt nun auch von einzelnen Gouverneuren und Bürgermeistern sowie von großen Unternehmen wie General Electric, Apple oder Facebook. Wenig verwunderlich, denn die Branche der erneuerbaren Energien beschäftigt in den USA mehr Menschen als die der fossilen, und gerade Technologie-Unternehmen wie Facebook oder Google fordern von den Energieversorgern Strom aus erneuerbaren Energien. Selbst Unternehmen wie die Ölkonzerne Chevron und ExxonMobil, die vermeintlich von Trumps Entscheidung profitieren könnten, bekräftigten ihre Unterstützung für das Pariser Klimaabkommen.

Die Front gegen Trumps Politik wird also breiter. Bereits sechs große US-Städte haben ein Abkommen unterzeichnet, in dem sie sich zu den Pariser Klimazielen bekennen – 21 Millionen Menschen leben dort. Unterzeichnet haben unter anderen die Bürgermeister von New York, Chicago, Orlando und Los Angeles. Ihr Dekret haben sie als offenen Brief 71 Bürgermeistern zur Unterschrift vorgelegt. New York hat eine Vorreiterrolle im Klimaschutz übernommen: Bereits 2007 legte der damalige Bürgermeister Michael Bloomberg einen ehrgeizigen Umweltplan vor, sein Nachfolger Bill de Blasio hat die Ziele noch erweitert: Die Treibhausgase in New York sollen bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent gesenkt werden. Und auch Kalifornien zeigt vor, wie es geht: 2016 verabschiedete der Bundesstaat ein Gesetz mit den USAweit strengsten Treibhausgasauflagen.

WETTERKAPRIOLEN UND NATURKATASTROPHEN

Wenige Tage vor Beginn der Klimakonferenz 2017 in Bonn veröffentlichten 13 US-Behörden einen Klimareport, der in weiten Teilen den Positionen der Trump-Regierung zum Klimawandel widerspricht. Darin wird deutlich, dass die globale Erwärmung zum weitaus größten Teil von Menschenhand verursacht wird. Die US-Regierung versuchte trotz des offensichtlichen Gegensatzes zu ihren eigenen Standpunkten allerdings nicht, die per Gesetz alle vier Jahre vorgeschriebene Veröffentlichung zu blockieren. Viele Forscher hatten eine solche Einflussnahme im Vorfeld befürchtet.

„Im vergangenen Jahr gab es in der Karibik vier Hurricans der Kategorie 5, zwei davon betrafen die USA“, sagt der Klimaexperte Saleem Huq vom International Centre for Climate Change and Development. „Diese Dichte an zerstörerischen Hurricans hat es nie zuvor gegeben.“ Huq erlebte auf der Klimakonferenz in Bonn, wie sich inoffizielle Vertreter der USA, wie NGOs, Gouverneure oder Bürgermeister, aber auch prominente Klimaschützer wie Al Gore oder Arnold Schwarzenegger, zum Klimaabkommen bekannten. Huqs Heimat Bangladesh gehört zu den Staaten, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind. „In den Gebieten entlang der Küste steigt der Salzgehalt im Wasser, wodurch die Trinkwasserversorgung gefährdet ist.“ Darüber hinaus gab es 2017 eine große Flut, die 2000 Todesopfer forderte. Die Regierung von Bangladesh stellt Gelder zur Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung – im Gegensatz zum US-Präsidenten: „Nach den großen Hurricans in Texas und Florida ließ Trump die Menschen dort im Stich“, so Huq. „Seine Haltung gegenüber dem Klimawandel schadet seinen eigenen Leuten – der Rest der Welt hat den Ernst der Lage längst erkannt.“

1,5-GRAD-ZIEL IN WEITER FERNE

Mit der Drohung der USA, aus dem Klimaabkommen auszusteigen, übernahm China die Führungsrolle in der weltweiten Klimapolitik. Der weltgrößte CO₂-Emittent treibt die Energiewende mit großem Tempo voran und investiert in großem Stil in erneuerbare Energien. Selbst Indien, das sich lange gegen eine verbindliche Klimapolitik wehrte, setzt nun zunehmend auf erneuerbare Energien. Dennoch bleibt viel zu tun: „Um das 1,5-Grad-Limit (das Eindämmen des weltweiten Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad, Anm.) einzuhalten, müssen die Emissionen in ausnahmslos allen Sektoren schneller und stärker sinken als jemals zuvor“, konstatiert ein Entwurf des neuen Sonderberichts des Weltklimarates IPCC. Schreitet die Erderwärmung voran wie bisher, so der Bericht, wird die Welt das 1,5-Grad-Limit in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts überschreiten. Das hätte zur Folge, dass die Eisschilde auf Grönland und in der Antarktis kollabieren und damit der Meeresspiegel in den kommenden Jahrhunderten unwiderruflich um mehrere Meter steigt. Um das 1,5-Grad-Ziel zu schaffen, darf die Welt, gerechnet ab 2016, nur noch zwölf bis 16 Jahre Treibhausgase im heutigen Umfang in die Atmosphäre ausstoßen; danach müssten die Emissionen komplett auf null sinken.

„Donald Trump ist offensichtlich ein Instrument der Öl- und Gaslobby in den USA.“ Jeffrey Sachs, Ökonom

Lassen sich all diese Umstände auf Dauer von Trump ignorieren? Womöglich nicht. Anfang dieses Jahres erklärte der US-Präsident bei einer Pressekonferenz in Washington halbherzig, einen Verbleib im Klimaabkommen von Paris nicht mehr auszuschließen. Offen bleibt, ob er tatsächlich den Ausstieg der USA beabsichtigt oder lediglich abgeschwächte Emissionsziele für sein Land erreichen will. Ein formeller Ausstieg wäre ohnehin frühestens Ende 2020 möglich.

Autor/in:
Susanne Wolf
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