Wachstumsmarkt Heimtierbedarf: Das Kleinvieh und der Mist

23.03.2006

"Dahindümpeln oder expandieren" - lautete die Frage für drei junge Zoofachhändler in Wien. Daraus ergab sich der Startschuss für eine OEG und eine Kleinsupermarktkette für Zoofachartikel. Von Andrea Deutsch
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Foto Christina Häusler

Dem Österreicher ist sein Haustier lieb und teuer. Alleine 2,5 Millionen Katzen leben in Österreichs Haushalten, nur ein kleiner Teil davon sind "Freigänger", der Rest lebt ausschließlich indoor - und benötigt Toiletten, Futter und Spielsachen. Auch Hunde, Nager, Zierfische und Reptilien haben Ansprüche, die der Zoofachhandel abdeckt. Obwohl die Konsumbereitschaft der Tierhalter ungebrochen ist, gibt es kaum Anlass zur Freude. In den letzten Jahren mussten 25 Prozent der Zoofachgeschäfte in Wien wegen Umsatzrückgangs schließen, über den 160 verbliebenen schwebt das Damoklesschwert. Grund dafür sind zu hohe Preise durch zu kleine Absatzmengen.

Traditionsbruch
Christian Sänger, Gesellschafter der "Klein, Wittmann & Sänger OEG", sattelt das Pferd von der anderen Seite auf: "Der traditionelle Zoofachhandel hat ausgedient, zukunftsträchtig ist die Variante Kleinsupermarktkette im urbanen Bereich und mit den Öffis gut erreichbar. Vor allem alte Menschen und Kinder verzichten trotz wirtschaftlicher Engpässe nicht auf ihre Haustiere."
Großmärkte wie Tomy`s Zoo, Fressnapf oder Heimwerkermärkte mit Zoofachabteilungen siedelten sich aufgrund der erheblichen Verkaufsfläche an der Peripherie der Städte an. Nahversorger mit guten Preisen fehlen am Markt. In dieser Marktnische will sich Sänger durch den "tier & wir Markt" mit 10 Niederlassungen in den nächsten drei Jahren positionieren.

Winzlingskonzept
Das Konzept lautet: Weniger Beratung - sprich weniger Personalkosten, dafür mehr Ruhe für die Kunden zum Gustieren, niedrige Preise durch Großabnehmerrabatte, laufende Preiszuckerl, Dauertiefstpreise und kostengünstige Lokalitäten. Der Break Even lag beim zweiten Geschäftslokal, das Ende Februar in Wien 14 eröffnet wurde, bei 50.000 Euro für Renovierung und Ausstattung. "Wir konzentrieren uns auf ablösefreie Geschäftslokale in dichtbesiedelten Gebieten, so genannte B+ - Lagen, self made-Ausstattung und vollen persönlichen Einsatz", erklärt Sänger das Konzept für die geplante Marktkette, "außerdem übernehmen wir von den Lieferanten Kommissionsware, was bisher unüblich war. Auch der Großhandel hat zu kämpfen und ist zu Kompromissen bereit." Die Warenregale etwa wurden bereits ausnahmslos "erschnorrt" - "das haben wir uns von den Großen abgeschaut", so Sänger.

Mundpropaganda
Zur Zeit stehen etwa vier Lieferanten für jedes Produkt Schlange bei Sänger. Ein gut sortiertes Zoofachgeschäft führt an die 6000 Artikel, wobei sich 50 Prozent des Umsatzes auf 200 Produkte beschränken. Das traditionell große Angebot an lebenden Tieren zum Verkauf wird drastisch gekürzt - "es ist nur kosten- und arbeitsintensiv", meint Sänger. Auf Werbung kann die OEG weitgehend verzichten: in Tierhalterkreisen sprechen sich gute Preise von selbst um. Ein bezeichnendes Beispiel: Chipsy Nagereinstreu wird im tier + wir Markt konstant um 1,99 Euro, statt wie zumeist üblich um 2,59 Euro, angepriesen - die ersten Kunden nach der Geschäftseröffnung beäugten den Preis zuerst vorsichtig, freuten sich darüber und stöberten sogleich in den restlichen Regalen weiter.

Außer Spesen
Der weitere Ausbau der Zoofachhandelskette ist im Pyramidensystem gedacht - ein Geschäft erwirtschaftet das nächste. "Natürlich wird es dadurch eine Durststrecke für uns geben, denn alle Erträge fließen in das Neugeschäft ein", sieht Sänger die Lage, "das ist die einzige Möglichkeit für uns, die geplanten 10 Geschäfte im vorgesehenen Zeitrahmen zu realisieren". Und wenn das Konzept mit der OEG schief geht, verliert jeder der drei Gesellschafter "nur" seine Ersparnisse - denn die ursprünglichen drei Einzelgeschäfte eines jeden werden nicht in die Kette involviert.
(4/06)