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Vorsorge für Nachfolge

02.05.2019

Das Thema Nachfolge ist bei vielen UnternehmerInnen noch nicht angekommen. Eine Erhebung im deutschsprachigen Raum weist eine Schieflage zwischen notwendiger Planung und einer laissez-faire-Einstellung vieler KMU auf. Woran das liegt, analysiert Christian Köhler von The Alternative Board (TAB).

"Nur für circa jeden Dritten war das Thema Nachfolge schon der Auseinandersetzung wert", meint  Christian Köhler von The Alternative Board.

Auch wenn Franz von Assisi meint „Der Tod ist das Tor zum Licht am Ende eines mühsam gewordenen Weges“ könnte sich der Weg für die Angehörigen eines Unternehmers nach dessen Ableben auch weiterhin sehr mühsam gestalten. Vor allem wenn keine oder zu wenige Vorkehrungen getroffen wurden, wer das Unternehmen weiter führen soll. So weitsichtig Unternehmer in vielen Bereichen ihrer Planungen sind, so kurzfristig sind doch offenbar sehr viele, wenn es um das eigene Ableben und ihre Nachfolger geht, so das Ergebnis der TAB-Befragung unter 165 Firmenchefs von KMU aus dem Herbst 2018. Hier gaben 81% an, über keinen Notfallplan zu verfügen, sollten sie längere Zeit dem Unternehmen nicht zur Verfügung stehen können oder im schlimmsten Fall, nie wieder zurückzukehren. Der Rückschluss, dass mit dieser fehlenden Vorschau der Unternehmensfortbestand extrem gefährdet wird, liegt auf der Hand.

Dass das Nachfolgethema, trotz vieler Berichte darüber für die meisten Selbständigen kein heißes Eisen ist, zeigen laut dieser Erhebung magere 13,9 %, die sich bereits ausführlich damit auseinandersetzten. Dem gegenüber steht fast die Hälfte der Befragten, die sich bis her gar nicht oder nur kaum dafür interessierten bzw. nichts dazu sagen können. Immerhin etwas weniger als ein Drittel hat sich zumindest in groben Zügen damit beschäftigt. Umfassende und auf aktuellem Stand gebrachte Testamentsregelungen zur Todesfall-Nachfolge sind bei fast zwei Dritteln der befragten Unternehmer nicht vorhanden. Nur für ca. jeden Dritten war das schon der Auseinandersetzung wert, für ca. jeden Zehnten war das Thema noch nie am Radar.

Erbstreitigkeiten rechtzeitig vorgreifen 

Offenbar glauben wir an unsere eigene Unsterblichkeit, was natürlich fatale rechtliche Auswirkungen auf ein Unternehmen haben kann. Da Unternehmensziele nicht unbedingt mit den Interessen einer Familie im Gleichklang stehen, sollte der Unternehmer rechtzeitig die Nachfolge seiner Firma für die Zeit nach seinem Tod planen. Erbstreitigkeiten können den Fortbestand seines Unternehmens ernsthaft gefährden. Besser wäre es zu Lebzeiten danach zu trachten, dass eine Übernahme durch Familienmitglieder ohne Streit und unter Berücksichtigung der Pflichtanteile für eheliche und uneheliche Kinder und Ehepartner stattfindet. Das sollte natürlich im Einklang mit dem Testament stehen. Ein anderer Grund für die fehlende Auseinandersetzung kann natürlich auch darin bestehen, dass eine Betriebsübergabe als Art „Berufsbilanz ziehen“ gesehen wird, der sich nicht jede/r stellen möchte. Was wurde bisher mit welchen Mitteln erreicht? Immerhin geht es bei vielen UnternehmerInnen um ihr Lebenswerk und in Folge auch um die Auseinandersetzung mit der Veränderung des Privatlebens bis hin zur Reflexion mit dem eigenen Tod. Da die Leitung einer Firma oft die Hauptbeschäftigung von Unternehmern ist, bleibt für andere Interessen wenig Zeit. Wenn nun diese Aufgabe wegfällt, fällt auch ein großer Teil der eigenen, bisherigen Identität weg, ein Thema, über das selten gesprochen wird.

Ein weiterer Grund kann natürlich auch darin liegen, dass das zu übergebene Unternehmen selbst nicht mehr sehr lebendig ist. Bei einer Betriebsnachfolge werden Werte materieller Art (z. B. Maschinen, Warenlager) und immaterieller Art (z. B. Kundenstock, bestimmte Rechte, wie Lizenzrechte, längerfristige Aufträge und Arbeitsverträge) übernommen. Hat es der Eigentümer verabsäumt, notwendige Investitionen noch rechtzeitig durchzuführen, kann der Blick in den Spiegel womöglich traurig ausfallen. Darum sollte man rechtzeitig vor Übergabe „die Braut schmücken“. Interessant ist, dass die Firmeninhaber eine sehr genaue Vorstellung davon haben, wann sie in Pension gehen möchten. So meinen fast 40%, das für sie zwischen 60 bis 65 der optimale Zeitpunkt wäre, immerhin ein Viertel will sich zwischen 55-60 Jahren zur Ruhe setzen. Nur 6% haben noch gar keine Vorstellung dazu. Am liebsten wäre es den Unternehmern/innen, wenn der eigene Nachwuchs in ihre Fußstapfen treten würde. So meint fast die Hälfte der Befragten, das wäre ihr favorisiertes Szenario, davon meinen jedoch nur 30,7% dass es wahrscheinlich ist, dass die Sprösslinge dies auch tun.

Aktuell sind in der WKO-Nachfolgebörse, der größten Plattform zu diesem Thema in Österreich derzeit 1.167 Inserate online zu sehen. Potentielle Übergeber können dort anonym und kostenlos ihren Betrieb inserieren und bei Interesse auch mit potentiellen Nachfolgern in Kontakt treten. Übergeben werden jährlich etwas mehr als 6.000 Firmen. Das heißt, die in der Nachfolgebörse gelisteten Unternehmen sind Teil der überschaubaren Gruppe, die sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Dabei ist mittlerweile hinlänglich bekannt, dass das Scheitern von Unternehmensnachfolgen vor allem mangelhafter Planung und Nichtinanspruchnahme externer Berater geschuldet ist.

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