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Vontobel Bank: Indien ist besser als China

27.02.2006

Andreas Feller, First Vice President und Head of Investment Consulting & Services bei der Bank Vontobel AG, sieht sein Institut gut aufgestellt im internationalen Privatbanken-Wettbewerb. Vermögende Kunden investieren vermehrt in Hedge Funds, strukturierte Produkte und auch Private Equity. Interview Harald Hornacek
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Nahezu jede vierte auf Privatkunden spezialisierte Bank wird einer Studie von Deloitte zufolge in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden. Wie lange gibt es die Vontobel Bank noch als eigenständiges Institut?

Wir gehen zwar auch davon aus, dass sich der Privatbankenmarkt weiter konsolidieren wird, vor allem weil die Regulierungs- und IT-Kosten weiter steigen werden. Die Bank Vontobel hat jedoch eine sehr gute, weil eigenständige Positionierung: wir sind heute die einzige unabhängige, börsennotierte Schweizer Familienbank mit einem starken Kernaktionariat, das bis mindestens Ende 2012 eingebunden ist. Von unserer Konkurrenz unterscheidet uns zudem unser geschäftsfeldübergreifender Ansatz mit den Bereichen Private Banking, Asset Management und Investment Banking, wodurch wir Synergien nutzen und für unsere Kunden Mehrwert schaffen können. Außerdem kann die Bank Vontobel ihre Stückkosten tief halten, weil sie von anderen Banken die Abwicklung von Wertschrifttransaktionen und weitere administrative Aufgaben übernimmt, wodurch sie ihre Systeme gut auslastet. Im Zentrum stehen bei uns natürlich weiterhin die Vermögensbildung und Beratung unserer Kunden. Wir wollen für sie Kapital schaffen und dieses vermehrt zum Wachsen bringen.

Wie ist die Anlagestrategie der Bank Vontobel?

Bezüglich der Anlagestrategie fokussiert sich die Bank Vontobel einerseits auf die traditionellen Märkten, erschliesst jedoch auch neue Märkte, sofern sich diese als nachhaltig erweisen. So haben wir z.B. Anfang 2006 die Mehrheit am Hedge-Fund-Spezialisten Harcourt übernommen, um die Kompetenz in diesem wichtigen Bereich langfristig zu stärken und auszubauen.

Welche Anlagenstrategie bevorzugt Ihre Klientel?

Hier ist sicherlich klar zwischen Vermögensverwaltungsmandaten sowie der Anlageberatung zu unterscheiden. In der Vermögensverwaltung, die deutlich mehr als die Hälfte der Kundenvermögen ausmacht, ist die Mehrheit der Anleger so ausgerichtet, dass in turbulenten Zeiten an den Finanzmärkten das Portfolio nur kleineren bis mittleren Schwankungen ausgesetzt wird.
Die langfristige Kapitalerhaltung sowie Kapitalzuwachs stehen klar im Vordergrund. Wir stellen jedoch gerade im Private Banking fest, dass die Bedürfnisse aufgrund der individuellen Wünsche, Charaktere sowie Lebenszyklen der Kunden stark heterogene Ansätze aufweisen, weshalb grundsätzlich das individuelle Risikobudget in der Kundenanalyse - Vermögens- sowie Verpflichtungsanalyse - im Vordergrund steht und das zentrale Element in der langfristig orientierten Vermögensverwaltung darstellt. Wie wichtig diese Risikosteuerung ist, haben uns die Jahre 2000 bis 2003 gezeigt. Grundsätzlich stellen wir jedoch fest, dass unabhängig des Typs die Privatkunden direkt und oder indirekt in Immobilien aber auch vermehrt in Hedge Funds wie auch strukturierte Produkte investiert sind, teils sogar Private Equity.

Lehnen Sie auch Kunden ab? Und wie gehen Sie dabei vor?

Grundsätzliche Voraussetzung für die Aufnahme einer Kundenbeziehung ist primär die Erfüllung sämtlicher regulatorischer sowie aufsichtsrechtlicher Auflagen. Ist dies der Fall, sehen wir keine Veranlassung, einen Kunden abzulehnen. Vielmehr versuchen wir, durch die sorgfältige Kundenanalyse rasch zu erkennen, ob wir die richtige Bank für den Kunden und seine Bedürfnisse sind. Wir legen sehr großen Wert darauf, den Kunden nicht mit irgendwelchen Ertragsversprechungen für uns zu gewinnen, sondern vielmehr mit einer ehrlichen und transparenten Darstellung der Chancen und Risiken das nachhaltige Vertrauen des Kunden zu erhalten.

Wie informiert sind die Kunden?

Die Medien tragen viel dazu bei, dass der Kunde über das aktuelle Tagesgeschehen informiert ist bzw. sich jederzeit und überall informieren kann. Die heutige Problemstellung des Kunden ist somit nicht mehr die Beschaffung, sondern viel mehr die Strukturierung und Umsetzung der Informationen. Die Kunst darin liegt, nachhaltige Trends vorzeitig zu antizipieren und darin zu investieren. Ist der Trend bereits Tagesaktualität, wird es schwierig, einen wirklichen Mehrwert zu erzielen.
Als Beispiel haben wir bereits vor drei Jahren in den Trend der Rohstoffe investiert. Wir sind ihnen auch heute noch moderat positiv eingestellt, nutzen jedoch stärkere Avancen für die Realisierung aufgelaufener Gewinne.

Wie legen die österreichischen Kunden an?

Eine Pauschalierung ist hier sehr schwierig. Als Tor zum Osten stellen wir jedoch fest, dass die Kunden aufgeschlossen hinsichtlich Anlagen in den Bereichen osteuropäischen Aktien, Anleihen aber auch Immobilien sind.
Nicht zuletzt profitiert der österreichische Anleger aufgrund seiner ATX-Orientierung zusätzlich von dieser Entwicklung.

Wie viele Privatbanken leisten sich die Reichen im Schnitt?

Unsere Kunden verfügen in der Regel über eine zweite Bankverbindung. Dies hängt sicherlich auch sehr stark davon ab, wie umfassend der Kunde sich privat mit seinen eigenen Anlagen beschäftigt. Eine Vergabe von mehreren Mandaten macht nur dann Sinn, wenn sichergestellt ist, dass sich die Anlagestile ergänzen und nicht übermässig korrelieren bzw. sich ähnlich sind.

Welche Anlagestrategie empfehlen Sie in der gegenwärtigen Situation?

An einer relativen Übergewichtung der Aktien gegenüber Obligationen halten wir nach wie vor fest. Im weiteren mischen wir dem Portfolio vermehrt Anlageklassen bei, welche sich unabhängig der Entwicklung der klassischen Finanzmärkte positiv entfalten (z.B. Hedge Funds, strukturierte Produkte etc.). Auf regionaler Ebene sehen wir in Zentral- und Osteuropa sowie Asien inkl. Japan weiterhin das höchste Potenzial. Innerhalb Asien favorisieren wir seit über zwei Jahren Indien gegenüber China, was sich als sehr erfolgreich erwiesen hat.

Wie hoch ist das verwaltete Kundenkapital bei Vontobel?

Ende Juni 2005 lag es gruppenweit bei 53 Milliarden Franken.

Sie lancieren mit Dynamic Asset Class Rotation (DACR) ein neues Anlagemodell. Worum geht es dabei?

Bei diesem Anlagemodell stehen die höchsten risikoadjustierten Ertragsaussichten im Mittelpunkt. Im Unterschied zur klassischen Vermögensverwaltung können einzelne Anlagekategorien je nach Markteinschätzung ganz ausgeschlossen werden. Wir managen das Vermögen aktiv innerhalb der gewählten Strategien und der überdurchschnittlich großen Bandbreiten, wobei die Gewichtung der Anlagekategorien jeweils der aktuellen Marktanlage angepasst werden. Dabei achten wir auf ein optimales Verhältnis zwischen Ertrag und Risiko, indem die eingesetzten Vermögensklassen eine möglichst tiefe Korrelation zueinander aufweisen.
Während der Laufzeit des Mandates wird die Entwicklung laufend überwacht, die Performance analysiert und dem Anleger in periodischen Abständen mitgeteilt.

Wie vollzieht sich diese Anlagestrategie konkret?

Die Titelauswahl erfolgt auf Grund quantitativer - Bewertung, Gewinnwachstum usw. -, qualitativer - Trends, Management usw. - und charttechnischer Faktoren. Im Aktienbereich werden Anlagen in Einzeltitel, Anlagefonds und Indexzertifikate getätigt, um eine möglichst große Diversifikation und ein möglichst tiefes Risiko zu erhalten. Die festverzinslichen Anlagen werden in Obligationen - bei einer Schuldnerbonität von mindestens A - oder Obligationenfonds getätigt, und Kreditrisiko sowie Duration werden aktiv gemanaged. Die Hochverzinslichen Anleihen stellten aufgrund der eigenen Ertrags- und Risikoeigenschaften eine separate Anlageklasse dar und werden aktiv gesteuert. Im Bereich der Alternativen Anlagen werden Opportunitäten von fallenden und steigenden Märkten ausgenutzt und dank tiefer Korrelation zu herkömmlichen Anlagen die Depotvolatilität reduziert. Der Einsatz von Strukturierten Produkten erfolgt mit dem Ziel der Depot-Volatilitätsreduktion.

Und die Kosten für die häufigen Depotumschichtungen?

Bei einem aktivem Vermögensmanagement-Ansatz können die Kosten etwas höher sein. Entscheidend ist aber die Netto-Performance, das heißt nach Kosten, und hier haben wir einen sehr guten Track record.
(3/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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