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Vom Maier zum Chef Maier

31.05.2006

Im Alter von 46 Jahren seinen Arbeitsplatz durch Betriebsschließung zu verlieren, ist bitter. Doch man kann diese Situation durch Eigeninitiative ins Positive kehren kann, beweist Firmengründer Christian Deglmann. Von Andrea Deutsch
a.deutsch@wirtschaftsverlag.at

Foto Richard Tanzer

Christian Deglmann, 46 Jahre, absolvierte die HTL für Elektrotechnik, arbeitete danach kurz bei Siemens und kam dann, vor 20 Jahren, in das Unternehmen, in dem er heute noch arbeitet, das aber morgen schon schließt. Nicht, weil das Geschäft so schlecht läuft, sondern weil der Besitzer, selbst bereits Nachfolger des eingesessenen Handelsunternehmens Heinisch Mess- und Regeltechnik, Ende Juni in den Ruhestand wechselt. Deglmanns Arbeitsrefugium war von Beginn an die Abwicklung des Ein- und Verkaufs dieses mittelständigen Handelsunternehmens. Als Mann vom Fach überließ ihm der Firmeninhaber, kein Mann vom Fach, auch gerne sämtliche Tätigkeiten und Verhandlungen, die er völlig selbständig erledigte. Eine schwierige Ausgangslage für einen neuen Job. "Für mich war klar, dass ich nach so langer Zeit des selbstständigen und selbstverantwortlichen Arbeitens kaum mehr eine adäquaten Anstellung finde - und wenn, dass ich nicht mehr teamfähig bin", erklärt Deglmann seine aktuelle Situation.

Geldmangel
Erstmals 1998 erwähnte der Firmeninhaber im Scherz, dass Deglmann doch die Firma nach seiner Pensionierung übernehmen könne. Ein absurder Gedanke vorerst, hatte dieser doch keinerlei Geldmittel, das Unternehmen zu kaufen. Viele Geschäftsleute lassen sich gut gehende Firmen um teures Geld abkaufen, eine durchaus übliche Vorgehensweise. Nicht so üblich war der darauf folgende Vorschlag des Firmenchefs, er werde eine Tochtergesellschaft gründen, welche Deglmann dann übernehmen könne. Gesagt, getan - die Möglichkeit wurde überprüft und gleich wieder gestrichen. Zum einen hätte der Firmenname, da das Unternehmen bereits einmal übernommen worden war, dann: "Dipl.-Ing. Hans H. Heinisch & Co KG Nfg. GmbH & Co GmbH, Inh. Christian Deglmann", gelautet und zum Zweiten hätte mit der Pensionierung des jetzigen Firmeneigentümers nicht zwingend seine GmbH aufgegeben werden müssen. Der Frust war groß, die Nachfolgefrage zerschmettert.

Geschäftsführer
Als nächsten Gedanken fasste Deglmann, nunmehr fest entschlossen, sein Schicksal in die Hand zu nehmen, die Gründung einer eigenen, neuen Firma ins Auge. Der Firmenname wäre dabei allerdings ein neuer geworden, denn mindestens ein Gesellschafter mit Namen Heinisch müsste sich in der GmbH befinden, um ihn weiter verwenden zu dürfen. Den altbewährten, gut eingeführten Namen aufzugeben und dadurch eventuell etliche Generalvertretungen internationaler Hersteller für Österreich zu verlieren, stellte aber keine echte Alternative dar. Die Not macht bekanntlich erfinderisch und so erinnerte er sich an die Witwe Heinisch, Gattin des Firmengründers Heinisch. Da ihr verstorbener Mann Deglmanns Förderer und Mentor war, also viel von ihm gehalten hatte, willigte diese vor kurzem in die Gründung einer gemeinsamen, neuen GmbH mit dem Namen "Heinisch" ein, in der sie mit ein Prozent mitbeteiligt ist. Das heißt: Deglmann ist jetzt Geschäftsführer der Heinisch GmbH - kurz und bündig.

Chef Maier
"Bisher wusste ich über die rechtlichen Abläufe, wie Gesellschaftsvertrag, Firmenbucheinträge, Haftungsverträge usw. nicht wirklich Bescheid. Dieses Wissen habe ich mir in der Praxis jetzt selbst erarbeitet und es war nicht einfach", erzählt Deglmann leicht entnervt. Eine engagierte, junge Steuerberaterin griff ihm bei der Abwicklung der notwendigen Schritte hilfreich unter die Arme. Mit Stichtag 30. Juni dieses Jahres verlässt er, mitsamt dem Lagerbestand, den er mit einem Zahlungsziel von 12 Monaten übernommen hat, die alte Firma und übersiedelt in seine eigene Location. Büromöbel, EDV, Telefonnummern und die Kunden- und Lieferantendatei nimmt er mit, die bisherigen Kollegen aber nicht. "Zum einen benötige ich nicht so viele Angestellte und zum Anderen ist es sicher nicht leicht, bei den Kollegen vom Maier plötzlich zum Chef Maier zu avancieren. Neue Mitarbeiter kennen mich nur als Vorgesetzten", begründet Deglmann seine Entscheidung. Nach der Firmenbucheintragung sind noch Lieferanten und Kunden zu informieren, dass alles wie gewohnt weiterläuft, die neuen Verträge auszuarbeiten - und los geht`s als Unternehmer. Seine Zukunftsvision ist es, in den nächsten 2 bis 3 Jahren das Unternehmen wieder in den Urzustand zu führen: größer, präsenter und umsatzträchtiger.
(6/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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