Direkt zum Inhalt

Vom Klimaschutz zur Nachhaltigkeit

13.10.2017

2007 wurde die Raiffeisen Klimaschutz-Initiative gegründet. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums haben wir bei Geschäftsführerin Andrea Sihn-Weber nach den großen Meilensteinen und nach den Zielen für die Zukunft gefragt.

Interview: Stephan Strzyzowski

Vor zehn Jahren hat sich Raiffeisen dazu entschieden, alle Klimaschutzmaßnahmen in einer Initiative zusammenzufassen. Was war der Hintergrund dieser Bemühung?

Der Klimawandel wurde und wird von den Raiffeisen-Organisationen aus Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt sehr ernst genommen. Daher wurde 2007 die Raiffeisen Klimaschutz-Initiative (RKI) gegründet. Ziel war es, mit gebündelter Kraft Maßnahmen gegen den Klimawandel zu setzen. Hatte die RKI zu Beginn zwölf Gründungsmitglieder, ist die Anzahl zehn Jahre später bereits auf erfreuliche 23 Raiffeisen Mitgliedsorganisationen angewachsen. Wichtig war von Anfang an – unter dem Vorsitz von Dr. Franz Fischler – die Mitarbeiter der Mitgliedsorganisationen und die Kunden für klimarelevante Aktivitäten zu begeistern und konkrete Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen. Von besonderer Bedeutung bei allen Bemühungen um den Klimaschutz ist auch die Hebelwirkung der Banken, mit der klimagerechtes Verhalten bei Investitionsentscheidungen unterstützt werden kann. Darüber hinaus galt es stets, durch Information und Bewusstseinsbildung die Sensibilisierung für die Themen Klimaschutz, Ressourceneffizienz und erneuerbare Energien zu stärken.

In den letzten zehn Jahren haben sich viele Zugänge zu ökologischen Themen gewandelt. Welchen Stellenwert hat das Thema heute für die Bankengruppe?

Dieses Thema wird – auch vor dem Hintergrund internationaler Entwicklungen – zunehmend relevanter. So wird beispielsweise in der im Herbst 2015 von der Staatengemeinschaft verabschiedeten „Agenda 2030“ für nachhaltige Entwicklung der Klimawandel als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit beschrieben. Bei der UN-Klimakonferenz in Paris wurde beschlossen, die globale Erwärmung auf unter 2°C zu begrenzen. Dies wird aber nur gelingen, wenn unsere Energiesysteme bis Mitte des Jahrhunderts von fossilen auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden. Der Klimawandel, die Anpassung daran und die notwendige Verminderung der Treibhausgas-Emissionen führen zu einer Reihe von Konsequenzen für alle wirtschaftlichen Akteure. Die zahlreichen direkten und indirekten Risiken des Klimawandels können in der Finanzbranche beispielsweise über Projektfinanzierungen und Kredite schlagend werden, gegenüber denen die Kunden exponiert sind. Die Entwicklung hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft und Gesellschaft bietet aber auch neue Geschäftschancen, die es zu erkennen gilt. Nur wer klimafreundlich agiert, wird langfristig erfolgreich sein. Dies gilt in zunehmendem Maße auch für den Finanzsektor.

Auf welche Ergebnisse der Initiative sind Sie besonders stolz?

Zu den Highlights zählen etwa die Publikation einer Ökobilanzierung zur Darstellung des ökologischen Fußabdrucks der Raiffeisen Bankengruppe, die 2015 publiziert wurde. Um den Carbon Footprint zu reduzieren, werden seit Gründung der Initiative jährlich die CO2-Emissionen der Fuhrparks der Mitgliedsorganisationen ausgewertet und entsprechende Maßnahmen gesetzt. Ebenso erfreulich ist die langjährige Kooperation mit dem Schüler-Ideenwettbewerb „Jugend Innovativ“, wo wir jährlich den „Sustainability“ Preis verleihen. Ein voller Erfolg, wie über 450 bisherige Einreichungen in unserer Sonderkategorie belegen. Für die Mitarbeiter der RKI-Mitgliedsunternehmen wurden darüber hinaus mehrfach Ideen-Wettbewerbe organisiert, die regen Zuspruch fanden. Ziel war es dabei, innovative und praxisrelevante Ideen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu sammeln und in den Unternehmen umzusetzen. Klar war auch, dass der Schlüssel zu mehr Bewusstsein für den Klimaschutz in Aufklärung und Kommunikation liegt. Darum wurde – neben Experten-Vorträgen und Podiumsdiskussionen – auch Best Practice Sharing ermöglicht. Zusätzlich zur Homepage und zum Newsletter werden alle Interessierten laufend über einen Ökoenergieblog mit relevanten Informationen versorgt.

Was soll in den kommenden zehn Jahren erreicht werden?

Künftig werden – zusätzlich zu Umwelt- und Klimaschutzthemen – auch die Handlungsfelder Kerngeschäft und soziale Verantwortung sowie deren Wechselwirkungen im Fokus unserer Überlegungen stehen. Aus der Raiffeisen Klimaschutz-Initiative wird somit eine umfassende und zeitgemäße Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative. Aktuell beschäftigen wir uns sehr intensiv mit einer Klimastrategie, welche unsere Mitgliedsorganisationen gemeinsam mit dem Umweltbundesamt als Orientierungs- und Handlungsrahmen erarbeitet haben. Diese Klimastrategie soll künftig als Masterplan für klimarelevante Aktivitäten dienen, wobei die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen in der Verantwortung der einzelnen Mitgliedsunternehmen liegt. Die dafür bis 2030 definierten mittelfristigen Klimaziele sollen als Meilensteine auf dem Weg zur Dekarbonisierung bis 2050 dienen. Über all unseren geplanten Maßnahmen steht die Vision, auch in den kommenden Jahren Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft zu übernehmen.

Zum Jubiläums-Clip 

Werbung

Weiterführende Themen

Bis 2030 will Magenta die CO2-Emissionen gegenüber 2017 um 90 Prozent senken
Unternehmen
10.08.2020

Mit der Präsentation des Nachhaltigkeitsberichts 2019 unterstreicht das österreichische Telekommunikationsunternehmen seine ambitionierten Klimaziele und seine neue Nachhaltigkeitsstrategie.

Bis 2021 wird das gesamte PET-Sortiment auf 100 % rePET umgestellt sein.
Unternehmen
06.08.2020

Der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht der Vöslauer Mineralwasser GmbH gibt einen guten Überblick über die Aktivitäten in den Jahren 2018 und 2019 – zwei Jahre, die von Vöslauer als Wendepunkt in ...

Meldungen
05.08.2020

156 Unternehmen, die beim Nachhaltigkeitspreis Trigos eingereicht haben, wurden zu ihrer Erfahrung mit Corona befragt. Die ...

Unternehmen
30.07.2020

Der Trigos Österreich 2020 geht in die nächste Runde: Die Jury hat ihre Beurteilung beendet und 18 Unternehmen in sechs Bereichen nominiert.

Bei der Pressekonferenz: (v. l.) Alfred Berger, Werner Knausz und Christoph Scharff
Unternehmen
25.06.2020

Angesicht der wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Krise warnt die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) vor langfristigen Strukturschäden für die österreichische Recyclingbranche.

Werbung