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Viel Lärm um nichts?

17.03.2019

Große Aufmerksamkeit, geringer Verkauf: Reine Elektroautos haben sich im Alltag bislang nicht durchgesetzt. Auch ihr ökologischer Fußabdruck birgt Überraschungen.

Tesla hier, Tesla da. Kaum eine Woche vergeht, ohne neue Meldung über den Star unter den Elektroautos. Die deutsche Bundesregierung überlegt, die staatliche Prämie für den Kauf von E-Autos länger als bisher geplant anzubieten. Kanzlerin Angela Merkel will bis zum Jahr 2022 eine Million der vermeintlich umweltfreundlicheren Autos auf den deutschen Straßen sehen. Die Hersteller pushen EAutos regelrecht. Der Hintergrund: Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich darauf geeinigt, dass der CO2-Flottenausstoß im Jahr 2030 um 37,5 Prozent niedriger liegen soll als 2021. Außerdem sieht diese neue Regelung vor, dass die Autohersteller ab 2021 überwacht werden sollen, ob sie die Grenzwerte auch tatsächlich erreichen. Ist die grüne Mobilität damit auch in Österreich in der Mitte der Gesellschaft angekommen? Und werden E-Autos gar eine ideale Option für KMU-Flotten?

PORSCHE ÜBERHOLT E-AUTOS

Die nackten Zahlen sprechen derzeit noch eine andere Sprache. Gerade einmal knapp 20.000 Elektrofahrzeuge wurden im Vorjahr laut Statistik Austria in Österreich zugelassen – der Anteil bei den Personenkraftwagen liegt dabei bei nur 0,4 Prozent. Ein wenig besser sieht es bei der Benzin-Elektro-Hybridvariante aus: Hier kamen über 34.000 neue Modelle auf Österreichs Straßen dazu. Kurioses Detail: Im abgelaufenen Jahr wurden 26.302 Porsche zugelassen – und damit deutlich mehr als Elektrofahrzeuge. Günther Kerle, Vorsitzender der österreichischen Automobilimporteure, kennt die Ursachen dafür: „Die Alltagstauglichkeit ist nicht gegeben.“ Ein Knackpunkt bleibt weiterhin die Reichweite. Beim e-Golf, Spitzenreiter unter den Neuzulassungen, wirbt Hersteller VW beispielsweise mit einer Reichweite von 231 Kilometern. „Im Winter muss man diese Angaben nahezu halbieren“, spielt Kerle auf den gesteigerten Stromverbrauch durch die Heizung an. Auch die mangelnde Versorgung mit Ladestationen wird vom Sprecher der Automobilimporteure bekrittelt.

UMWELT IST KAUFMOTIV

Der Preis der reinen batterieelektrischen Fahrzeuge ist ebenfalls kein Anreiz, um auf die grüne Mobilität umzusteigen. „Die Batterie ist teuer und macht bis zu 40 Prozent des Gesamtpreises aus“, weiß Bernhard Geringer, Vorstand des Instituts für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien. Sein Resümee ist daher klar: „Auf wirtschaftlicher Seite haben die Endkunden derzeit keinen Vorteil. E-Autos sind immer teurer als Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Der Umweltgedanke ist der Hauptgrund, ein Elektroauto zu kaufen.“ Doch dieses Argument überzeugt nur vordergründig. Unumstritten ist, dass E-Autos emissionsfrei fahren. „Es stimmt, beim Auspuff kommt nichts heraus“, bringt es Kerle auf den Punkt. Betrachtet man hingegen den gesamten ökologischen Fußabdruck – von der Produktion bis zur Entsorgung – wird das Ergebnis einige überraschen. „Für die weltweite CO2-Bilanz bringen Elektroautos gar nichts“, sagt Kerle.

DIE FRAGE DER KLIMABILANZ

Das bestätigt auch der ADAC, der erstmals die umfassende CO2-Bilanz aller Antriebsarten von Pkw verglichen hat. Das Fazit: Es gibt keinen Antrieb, der generell die beste Klimabilanz aufweist. Die hohen CO2-Emissionen bei der Batterieproduktion und der Strombereitstellung tragen dazu bei, dass das Elektroauto hier nicht wesentlich besser abschneidet. Es gilt die Faustregel: Je größer die Batterie und der Verbrauch, desto ungünstiger ist die CO2- Bilanz der Modelle. Zur Veranschaulichung vergleicht Geringer einen benzinbetriebenen Golf mit seinem elektrischen Pendant. Während der Benziner 150 Gramm CO2 pro Kilome- Große Aufmerksamkeit, geringer Verkauf: Reine Elektroautos haben sich im Alltag bislang nicht durchgesetzt. Auch ihr ökologischer Fußabdruck birgt Überraschungen. T TEXT MARKUS MITTERMÜLLER Viel Lärm um nichts? die wirtschaft Nr. 6 | 16 3 Start Electric – so elektrifizieren Sie Ihren Fuhrpark E-Autos decken in vielen Fällen bereits heute den Mobilitätsbedarf von Unternehmen ebenso gut ab, wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. LeasePlan bietet eine umfassende „End-to-End“ Lösung, um E-Mobilität sinnvoll und gewinnbringend zu integrieren. Als eines der Gründungsmitglieder der EV100 Initiative ist LeasePlan der Pionier bei der Integration von E-Mobilität in bestehende Flotten. Beginnend bei der Analyse, über die Fahrzeugbeschaffung und das Flottenmanagement, bis hin zur Implementierung der nötigen Ladeinfrastruktur. Die umfassende End-to-End Lösung von LeasePlan macht Unternehmen den Umstieg auf „E“ besonders leicht. „FlexiPlan“ goes Electric Mit „FlexiPlan“ hat LeasePlan eine Mobilitätslösung im Portfolio, die dem steigenden Bedarf nach kurz- und mittelfristigen Leasing-Optionen entgegenkommt. Denn vor allem KMU und EPU möchten ihr Fuhrparkmanagement flexibel, modern und nachhaltig gestalten. Die Fahrzeuge sind sofort verfügbar und jetzt auch elektrisch. So können Kunden E-Modelle wie den neuen e-Golf flexibel testen, bevor sie den Schritt in Richtung E-Mobilität gehen. leaseplan.com flexi.leaseplan.at carnext.com Werbung ter ausstößt, sind es beim E-Golf zwischen 50 und 250 Gramm – verglichen über die gesamte Lebenswegbilanz des Fahrzeugs. „Der Wert variiert je nachdem, ob das Auto mit Ökostrom oder beispielsweise mit Kohlestrom betrieben wird“, so der TU-Professor.

IDEAL FÜR KURZSTRECKEN

Was spricht aber dennoch für Elektromobilität? ÖAMTC-Techniker Thomas Stix erklärt: „Das eigene Fahrprofil muss mit dem Auto vereinbar sein. Das gilt für Privatpersonen gleichermaßen wie für KMU.“ Die Frage, die sich hierbei stellt: Ist es möglich, die täglichen Fahrtstrecken mit dem E-Auto abzudecken? „Für Zustelldienste mit Kurzstrecken ist es eine günstige Alternative“, meint Kerle. Die Unternehmen ersparen sich die Normverbrauchsabgabe, die Autos sind vorsteuerabzugsberechtigt und auch die laufenden Kosten sind laut dem Experten günstiger. Stix fügt hinzu: „Speziell für den Stop-and-Go-Verkehr sind die E-Autos gut geeignet. Die Post setzt diese beispielsweise jetzt schon ein.“ Der ÖAMTCExperte empfiehlt Unternehmen, für Schnelllademöglichkeiten zu sorgen, um die Ladezeiten kurz zu halten. Denn: „Ein Auto, das nur steht, kostet Geld.“

Günther Kerle, Österreichische AutomobilimporteureFür Zustelldienste mit Kurzstrecken ist es eine günstige Alternative

WASSERSTOFF WEITER IM KOMMEN

Nach dem VW e- Golf wurden im Vorjahr auch der Renault Zoe und der BMW i3 gut verkauft, gefolgt von Nissan Leaf und Hyundai Ioniq. Für heuer erwartet Stix, dass der KIA E-Niro und der Hyundai Kona Elektro eine große Rolle spielen werden. Batteriebetriebene Fotos: Getty Images Fahrzeuge sind laut den Experten aber lediglich eine „Übergangslösung“, wie auch Kerle betont: „Jedes Kilo, das ich bewegen muss, verbraucht Energie.“ Er schätzt, dass sich das E-Auto in den kommenden zehn Jahren durchsetzen wird – aber nicht mit Batterie, sondern mit Wasserstoff. Der TU-Experte ergänzt, dass Wasserstoff besonders für weite Strecken zu einer guten Option wird – zum Beispiel für Lkw, aber auch Pkw im Fernverkehr. Bis zum Jahr 2030 werden laut Geringer bis zu 30 Prozent der neu gekauften Autos als E-Fahrzeuge – also Plugin-Hybride, Brennstoffzellen und reine Batteriefahrzeuge auf den heimischen Straßen unterwegs sein. Hybridvarianten wie der Toyota Prius werden auf bis zu 70 Prozent ansteigen.

 

Autor/in: 
Markus Mittermüller

Original erschienen am 17.03.2019: Die Wirtschaft.
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