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Vetropack Austria: Am heißen Ende

28.04.2006

Der größte in Österreich produzierende Verpackungsglas-Hersteller verzeichnet ein durchwachsenes Geschäft: Der Markt wächst zwar jährlich um gut zwei Prozent, steigende Energiekosten und Ansprüche der Getränkeabfüller treiben das Unternehmen aber rasch ostwärts. Von Maike Seidenberger
m.seidenberger@wirtschaftsverlag.at

Fotos Vetropack

2005 war hart für Rudolf Schraml, Generaldirektor der Vetropack Austria Holding, die für die zwei österreichischen Glashütten und für einen Großteil des Ostgeschäfts des schweizerischen Mutterkonzerns zuständig ist: Der Umsatz des führenden heimischen Glasverpackungsherstellers konnte zwar gesteigert werden, die Erträge stagnierten jedoch. Klar, wer Glasschmelzen auf 1.580 Grad Celsius aufheizen muss, dem fallen die stark gestiegenen Energiepreise auf den Kopf. Schraml rechnet vor: "Bei rund 121 Millionen Euro Jahresumsatz hatten wir letztes Jahr um fast 6 Millionen Euro höhere Energiekosten als 2004." Die Begeisterung der Kunden (vor allem Getränkeabfüller und Konservenhersteller), bei bestehenden Lieferverträgen (üblicherweise ein Jahr, aber auch drei Jahre sind "durchaus üblich") nachträglich Preiserhöhungen zu akzeptieren, hält sich in Grenzen.
Nicht glücklich ist Schraml auch über das, was er am anderen Ende des Schlots hinausschicken darf - die Zuteilungen für CO2-Emissionen für die beiden Vetropack-Werke in niederösterreichischen Pöchlarn und im oberösterreichischen Kremsmünster seien zu gering: "Wir müssen leider Zertifikate zukaufen." Beide Glashütten speisen Abwärme in die lokalen Fernwärmenetze ein.

Scherbenhaufen senkt Energiekosten
Ein anderes Kreislauf-Problem haben die Glasmacher weit besser im Griff: Die Altglasversorgung (mehr als die Hälfte des in der Produktion eingesetzten Rohstoffs sind Scherben) klappt nicht zuletzt dank des Sammeleifers der österreichischen Haushalte perfekt. 83 Prozent der verkauften Flaschen landen in den dafür vorgesehenen Containern. Leider auch noch manches andere (von ganzen Klomuscheln über das zerdepperte Gmundner Geschirr von Oma bis hin zu Steinen), das bei Vetropack in den werkseigenen Sortieranlagen zum Teil händisch aussortiert werden muss. Werkseigen deshalb, weil sich eigene Aufbereitungsunternehmen (wie etwa in Deutschland) nicht rechnen würden. Also richtet man sich das Recyclinggut nolens volens selbst her - Einkaufsersparnis bringe das keine, betont Schraml: "Das kostet gleich viel wie die Rohstoffe für die gleiche Menge Neuglas."
Unterm Strich bringt die Wiederverwertung aber doch etwas - obwohl vom Gesetzgeber (EU und österreichische Verpackungsverordnung) vorgeschrieben: Durch den hohen Glasanteil in der Schmelzwanne, wo Sand, Altglas und andere Zusatzstoffe zusammen geschmolzen werden, ist die Masse schneller homogen und damit rascher weiter verarbeitbar, als sie es bei der ausschließlichen Verwendung von Primärrohstoffen wäre. Das spart wiederum teure Heizenergie für die Öfen, die sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr laufen. "Auf je zehn Prozent Gewichtsanteile Altglas sparen wir zwei Prozent Energie, im Jahr sind das 200 Kilowattstunden Strom und fünf Millionen Kubikmeter Gas."
Mit der heimischen Umweltgesetzgebung steht der Vetropack Austria-Chef als Schwerindustrieller naturgemäß auf Kriegsfuß: "Wir haben im Jahr rund 2,5 Millionen Euro zusätzliche ‚Öko'-Kosten - außer den CO2-Zertifikaten sind das alles Österreich-Spezifika." Jetzt fürchtet Schraml im Gefolge der Feinstaub-Debatte auch, dass die Stickoxyd-Emissionen ähnlich rigide reguliert werden könnten wie die von Kohlendioxid. "Wir sind nur ein Miniemittent, fallen aber unter die Bestimmungen."
Trotz solcher Wettbewerbsnachteile läuft das Inlandsgeschäft gut, vor allem dank der Mengenzuwächse bei Bier- und Weinflaschen, zahlreicher neuer Produkte der Getränkeindustrie und der Tendenz, hochwertige Lebensmittel verstärkt in Glas zu verpacken (Gewürze, Essig, Öl, aber auch fertige Salatsaucen).

Ostgeschäft von Österreich aus
Doch hohe Kosten und Umweltauflagen treiben den Schweizer Familienkonzern immer weiter in den Osten. Jüngster Expansionsschritt war der Erwerb von drei Viertel der Aktien des ukrainischen Glaswerks Gostomel bei Kiew, das mit 20 Prozent Anteil in einem rasch wachsenden Markt (um 15 bis 20 Prozent jährlich) dort zu den größten Produzenten zählt. Strategisch gesteuert wird von Österreich aus - wie auch das Geschäft in Tschechien und der Slowakei. Ein Investitionsprogramm, das wie die Akquisition aus dem Cash-Flow finanziert wird ("Die Familie hat beschlossen, Mehrheitseigentümer zu bleiben, was die Kapitalbeschaffung über die Börse einschränkt", so Schraml), läuft noch mindestens bis Ende 2007. Um das ukrainische Personal zu schulen, werden vor allem tschechische und slowakische Linienmanager eingesetzt. Aus ganz pragmatischen Gründen, erklärt Schraml: "Wir beschäftigen in den Glaswerken vor allem angelernte Arbeiter. Die Tschechen und Slowaken können sich mit den Ukrainern weitgehend problemlos verständigen. Wir können nicht warten, bis ein Maschinist Englisch lernt - das können unsere in Pöchlarn und Kremsmünster auch nicht."
(5/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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