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Verschlechterung der Zahlungsmoral

29.11.2012

Laut einer aktuellen Creditreform-Umfrage lässt die Zahlungsmoral bei den KMU nach. Am schlechtesten fällt das Zahlungsverhalten im Verarbeitenden Gewerbe aus. Diese Entwicklung schlägt sich auch auf die Insolvenzen nieder.

Das sich verschlechternde Zahlungsverhalten im österreichischen Mittelstand trägt laut der aktuellen Creditreform-Umfrage unter KMU nicht gerade zu einer Entspannung der Insolvenzentwicklung bei. So lassen sich mittlerweile wieder mehr Unternehmen mehr als 30 Tage Zeit, ehe sie eine Rechnung begleichen (3,7 Prozent; Vorjahr: 2,7 Prozent). Gleichzeitig hat sich der Anteil der Unternehmen, die ihre Rechnungen pünktlich innerhalb eines Monats bezahlen, von 67,5 Prozent im Herbst 2011 auf 65,8 Prozent verringert.

 

Zahlungsmoral sinkt

Bei einem Vergleich der vier Hauptwirtschaftsbereiche fällt das Zahlungsverhalten im Verarbeitenden Gewerbe am schlechtesten aus. Hier hat sich der Anteil der Unternehmen, die ihre Rechnungen pünktlich innerhalb eines Monats bezahlen von 70,5 Prozent auf 59,7 um mehr als zehn Zähler verringert. Auch der Anteil der Unternehmen, bei denen die Begleichung der Forderungen drei Monate und länger dauert, ist von 4,1 Prozent im Vorjahr auf 2,8 Prozent gesunken. Am besten fällt das Zahlungsverhalten im Dienstleistungssektor aus. 71,3 Prozent der befragten Unternehmen erhalten ihren finanziellen Rechnungsausgleich bereits nach einem Monat. 90 Tage und länger lassen sich 4,5 Prozent der Kunden der befragten Dienstleistungsunternehmen mit dem Ausgleich der Rechnungen Zeit.

 

Forderungsverluste im Bauwesen am höchsten

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Höhe der durchschnittlichen Forderungsverluste im Verhältnis zum Umsatz wieder. Mittlerweile beklagt bereits jeder zehnte Mittelständler Forderungsverluste in Höhe von über ein Prozent. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 8,1 Prozent. Über Forderungsverluste in Höhe von bis ein Prozent im Verhältnis zum Umsatz berichten mittlerweile 16,7 Prozent der Unternehmen, nachdem dies im Vorjahr noch bei 11,8 Prozent der Unternehmen der Fall war. Gleichzeitig hat sich aber auch der Anteil der Unternehmen, die keine Forderungsverluste zu verzeichnen hatten, von 13,7 auf 17,3 Prozent erhöht. Im Bauwesen befindet sich mit 17,1 Prozent die höchste Zahl an Unternehmen, die über hohe Forderungsverluste von über einem Prozent im Verhältnis zum Umsatz klagen.

 

Insolvenzen steigen an

Am geringsten vertreten in dieser Gruppe ist der Handel (5,8 Prozent). Der Anteil der Unternehmen, die keine Forderungsverluste zu verzeichnen haben, ist im Dienstleistungssektor mit 24,7 Prozent am höchsten. 2012 werden an die 80.000 Gläubiger von Insolvenzverlusten betroffen sein. Der potentielle Schaden (Insolvenzverbindlichkeiten) wird auf über drei Milliarden Euro geschätzt. Aufgrund der steigenden Insolvenzen ist somit mehr denn je buchhalterisches Denken und Risikomanagement bei den Unternehmen gefragt. Rechtzeitiges Ausstellen der Rechnungen und professionelles Mahnen ist die beste Garantie dafür, dass die Rechnungen bezahlt werden. Je schneller man zu seinem Geld kommt, desto besser für die eigene Liquidität und Bonität.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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