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Verhaltener Konjunkturaufschwung nach Wachstumsdelle 2012

23.01.2012

Das Wirtschaftswachstum wird in Österreich in den nächsten fünf Jahren weitgehend durch den dynamischen Außenhandel bestimmt sein. Während der private Konsum stetig wächst, dämpfen die Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand den öffentlichen Konsum.

Übersicht 1: Hauptergebnisse der mittelfristigen Prognose für Österreich

Positive Exporterwartungen begünstigen die Ausrüstungsinvestitionen, aber auch die Bauinvestitionen werden sich besser entwickeln als zuletzt. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt trotz steigender Beschäftigung angespannt, weil zugleich das Arbeitskräfteangebot ausgeweitet wird. Die Inflationsrate wird knapp über dem Referenzwert der EZB von knapp 2% liegen.

Im Prognosezeitraum 2012/2016 wird die Dynamik schwächer ausfallen als zuletzt (Übersicht 1). Durchschnittlich dürfte das BIP jährlich real um 1,6% zunehmen. Damit expandiert die österreichische Wirtschaft deutlich langsamer als im Durchschnitt der zehn Jahre vor der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise. Die Konjunkturabschwächung zeichnete sich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2011 ab und wird sich 2012 fortsetzen. Erst ab 2014 dürfte sich die Expansion wieder beschleunigen und die Outputlücke langsam geschlossen werden. Der Trend-Output der österreichischen Wirtschaft wird zwischen 2011 und 2016 mit +1,6% um ½ Prozentpunkt schwächer wachsen als in den fünf Jahren vor der Finanzmarktkrise.

Im Durchschnitt 2012/2016 wird die Ausfuhr jährlich um 5,5% expandieren. Die Importe nach Österreich steigen jährlich um 5,1%. Weiterhin wird die österreichische Wirtschaft von der günstigen Entwicklung des internationalen Handels profitieren. Der Außenbeitrag als Saldo zwischen Exporten und Importen wird positiv bleiben, nimmt aber langsamer zu als in den vergangenen fünf Jahren. Die Ausrüstungsinvestitionen reagieren üblicherweise am stärksten auf die Konjunkturaussichten. Ihr Wachstum beschleunigt sich erst ab 2014 merklich und erreicht 2012/2016 durchschnittlich 3,3%. Die Zunahme der Bauinvestitionen bleibt hingegen verhalten. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte expandieren im Prognosezeitraum nur wenig. Zugleich steigt die Sparquote wieder merklich und nähert sich ihrem langfristigen Durchschnitt.

Der Verbraucherpreisindex wird sich im Durchschnitt der Jahre 2012/2016 jährlich um 2,1% erhöhen. Somit bleibt der nflationsdruck im gesamten Prognosezeitraum gering. Die Entwicklung der Lohnstückkosten, üblicherweise der am stärksten im nland determinierte Faktor für den Preisauftrieb, wird verhalten sein. Hingegen steigen die Importpreise aufgrund der Energieverteuerung merklich und heben - verstärkt durch die Abwertung des Euro - die heimische Inflationsrate.

 

Trotz des verhaltenen Konjunkturaufschwunges wird die Beschäftigung ausgeweitet. Gleichzeitig wächst jedoch das Arbeitskräfteangebot merklich, da die Erwerbsbeteiligung wegen der Steigerung der Arbeitskräftenachfrage und einer Verringerung der Zahl vorzeitiger Alterspensionen zunimmt. Teilweise durch Legalisierung und zum anderen Teil durch vermehrten Zustrom erhöht sich darüber hinaus die Zahl usländischer Arbeitskräfte deutlich - in erster Linie aufgrund der Öffnung des Arbeitsmarktes für Personen aus Bulgarien und Rumänien. Die Arbeitslosenquote wird daher mit 7,3% im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2016 merklich höher sein als zuvor.

Die laufenden Staatseinnahmen erhöhen sich im Zeitraum 2011/2016 um 3,3% p. a.; dies entspricht dem Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2011. Hingegen wird sich das Wachstum der laufenden Ausgaben gegenüber 2006/2011 (+4,0% p. a.) auf +2,8% p. a. (2011/2016) verlangsamen.

Das gesamtstaatliche Defizit wird 2013 erstmals seit 2008 wieder unter 3% des BIP liegen und in den Folgejahren bis auf 1,9% (2016) sinken. Die Staatsausgabenquote sinkt dadurch bis 2016 wieder unter 50% des BIP.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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