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Gebrauchtes Holz für die Innen­einrichtung ist heiß begehrt und wird immer seltener.

Upcycling: Warum Gebrauchsspuren erwünscht sind

29.03.2018

Die Firma Altholz aus Oberösterreich verkauft Holz, das mindestens 100 Jahre alt ist und noch per Hand gehackt wurde. Der gebrauchte Look kommt in der Gastronomie und noblen Hotels gut an.

Die Oberflächen des alten Holzes bleiben, wie sie sind. Nur Metallteile müssen raus.

Es ist mittlerweile mehr als zwanzig Jahre her, dass ein Freund von Hubert Baumgartner eine alte Holzhütte abreißen wollte. Baumgartner fand sie schön und versuchte, den Freund zu überreden, sie stehen zu lassen. Doch jeder Widerstand war zwecklos – die Hütte wurde zerlegt. Allerdings durfte Baumgartner das Material behalten und fand für das alte Holz Käufer. Mit Freunden riss er daraufhin immer öfter alte Gebäude aus Holz ab und legte damit den Grundstein für sein Unternehmen Altholz im oberösterreichischen Schlierbach, das heute 33 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Unternehmen handelt mittlerweile höchst professionell mit gebrauchtem Holz, das wieder verbaut wird, etwa in Inneneinrichtungen als Bodenbelag, Wand- oder Deckenverkleidung, in Tischen und Bänken. Altholz verkauft sowohl Weichholz wie Fichte, Tanne und Kiefer als auch die harte Eiche. Eiche ist wesentlich teurer, nicht zuletzt, weil sie in Österreich viel seltener vorkommt als das schnell wachsende Weichholz und auch, weil sie aufgrund ihrer Optik und Festigkeit sehr beliebt ist. Mittlerweile kauft Altholz aber ohnehin in ganz Europa ein, genau genommen in den Ländern der ehemaligen K.u.K Donaumonarchie. Der Grund: Das Holz muss mindestens 100 Jahre alt und mit der Hand gehackt sein. Thomas Scharl, Gesellschafter bei Altholz und zuständig für Marketing, Controlling, Entwicklung und Service, erklärt: „Es ist wichtig für die Optik, dass das Holz handgehackt ist. Bis vor zirka 100 Jahren war das noch Standard.“ Danach ist die Sägeindustrie entstanden – und gesägtes Holz hat eben nicht die typischen Hackspuren, die dem Holz seinen Charme verleihen. Das Altholz kommt aus Bauernhäusern, Wirtschaftsgebäuden, Getreidespeichern, Fabriken und alten Schlössern.

HOLZLIEFERUNG MIT GESCHICHTE

Dass das Holz gebraucht ist und auch so aussieht, ist Geschäftsführer Hubert Baumgartner und nicht zuletzt seinen Kunden wichtig. Es kommt vor allem in neuen Hotels in Nobelskiorten und generell im Alpenraum und hier vor allem in der Inneneinrichtung zum Einsatz – eine tragende Funktion darf das alte Holz nämlich nicht mehr übernehmen. Wichtig ist, dass das Material gesund ist, was bedeutet, dass es nicht lange Zeit Nässe ausgesetzt war, weil es dabei faul wird. Es macht dagegen gar nichts, wenn das Holz sonnenverbrannt oder gar vom Holzwurm befallen ist: Der Wurm wird getötet und das Holz getrocknet – sowohl Wurmlöcher als auch dunkel verfärbtes Holz schauen gut aus. „Man kann altes Holz mittlerweile auch imitieren und bedrucken, aber das wollen wir nicht“, sagt Thomas Scharl. „Unser Holz schaut super aus und greift sich gut an – und es liefert eine Geschichte mit, weil es schon einmal im Einsatz war.“ Es ist dennoch nicht selbstverständlich, dass das Holz aus einem Abriss die nötige Qualität aufweist, um es weiterzuverkaufen. Daher sortieren die Mitarbeiter von Altholz viel Material schon auf der Baustelle aus – und weitere 30 bis 40 Prozent nach dem Transport ins Unternehmen. Geschenkt bekommt Altholz das Material übrigens schon lange nicht mehr. Scharl: „Am Anfang war das noch so. Aber die Bauern sind schlau und lassen sich das jetzt bezahlen.“ Für das Holz aus so manch einem Abriss legen sogar mehrere Altholzhändler ein Angebot.

ALTHOLZ-SENSATIONEN GESUCHT

Ungefähr alle zwei Jahre, schätzt Scharl, kann Altholz ein ganz besonderes Schmankerl ergattern. So bekommt das Unternehmen derzeit Material aus dem Parlament, wobei die Ausbeute geringer ist, als erhofft, weil jetzt doch mehr stehen bleibt, als gedacht. Vor etwa 15 Jahren konnte seine Firma einen schönen alten Parkettboden aus der Wiener Hofburg ausbauen, der dann als Ganzes weiterverkauft wurde. Sensationell sei auch ein altes Tabaklager in der Steiermark gewesen. Scharl war begeistert: „Die alten Fußböden waren ganz gelb durch den Tabak.“ Eine Zeit lang konnte Altholz auch Eichenböden aus alten Eisenbahnen erwerben. „Ab und zu kommen wir an alte Wein- oder Mostpressen heran, für die richtig dicke alte Eichenbalken verwendet wurden.“ Die Oberfläche belassen die Händler so, wie sie ist.

Sie reinigen das Holz lediglich und entfernen Metallteile. Weil die Holzbalken oft unregelmäßig dick sind, werden die Balken teilweise an der Rückseite mit einer Maschine abgehobelt, sodass sie glatt und gerade sind und der Balken überall gleich dick ist. Diese Arbeitsschritte sind nicht einfach: „Es ist eine technische Herausforderung für uns, dass nichts kaputtgeht.“

PATINA UND VINTAGE-LOOK

Vor allem Unternehmen aus Osteuropa machen Altholz Konkurrenz. Außerdem wird das hochwertige handgehackte Material immer weniger. Andererseits spielt aber der Vintage-Trend in die Hände der Altholz- Anbieter. So konnte das Unternehmen zusätzlich zum alpinen Markt auch im städtischen Bereich Holz verkaufen, wo sich Hotels und Gastronomiebetriebe mit dem Chic von gebrauchtem Holz schmücken. In letzter Zeit nimmt die Nachfrage vor allem auch in Norddeutschland, den Niederlanden und Dänemark zu. Und sogar nach Übersee gingen schon vereinzelte Lieferungen. Unter der Marke „Madame Patina“ verkauft Altholz auch leicht bearbeitetes Holz. Das Unternehmen kooperiert für die Kreativschiene mit dem Künstler und Designer Christian Loikits, der sowohl die Muster als auch ganze Möbel aus Altholz entwirft. So wird aus den Brettern eines ehemaligen Stadls schon mal ein Design- Möbelstück. Thomas Scharl fasst zusammen: „Unsere Grundphilosophie ist, das Holz nicht zu behandeln, aber bei Madame Patina nehmen wir uns die Freiheit heraus, etwas kreativer mit dem Holz umzugehen.“

Autor/in:
Alexandra Rotter
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