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Unternehmenspleiten steigen wieder an

07.09.2012

Die Eurozone fällt zurück in die Rezession, während sich der Rest der Welt besser entwickelt. Die Abkühlung der Wirtschaft führt zu einem weiteren Anstieg der weltweiten Unternehmensinsolvenzen. Eine kurzfristige Verbesserung wird es nicht geben, jedoch lässt der Ausblick für 2013 hoffen.

Die Eurozone befand sich im ersten Quartal 2012 mit einem Nullwachstum am Rande einer Rezession. Die Studien von Euler Hermes und Prisma Kreditversicherung halten fest, dass die wirtschaftliche Lage in Südeuropa, besonders in Griechenland, Italien und Spanien, Auslöser dieser Misere ist. Deutschland gelang es, mit einem Plus von 0,5 Prozent im ersten die Situation zu retten. Auch die Länder in seinem Einflussbereich (Niederlande, Österreich und Belgien) profitierten mit 0,3 Prozent vom wirtschaftsstarken Nachbarn. Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht es kaum besser aus: die US-Wirtschaft schleppt sich weiterhin im Schneckentempo vorwärts. Anders ist die Lage in

Japan: Hier wuchs die Wirtschaft aufgrund des Wiederaufbaues um 1,2 Prozent. Eine Abkühlung der Konjunktur verzeichneten auch die BRIC-Staaten. Mit Ausnahme von Russland hatten sie 2012 das geringste Wachstum in den letzten neun Jahren. Insgesamt ergibt sich damit für die Weltwirtschaft 2012 ein Wachstum von 2,5 Prozent. Der Ausblick für 2013 ist etwas positiver und liegt bei 2,9 Prozent.

 

Deutschland

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal 2012 um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Diese Entwicklung wirkte sich auf den Rest der Eurozone aus und führte insgesamt zu einem Nullwachstum. Die Ausfuhren waren der wichtigste Wachstumsmotor, gefolgt vom privaten Konsum. Nach der kräftigen Expansion um 3,1 Prozent von 2011 ist für 2012 eine deutliche Verlangsamung des Wachstumstempos auf ein Prozent zu erwarten, gefolgt von einem Plus von 1,7 Prozent in 2013. Die Unternehmenspleiten werden auf Vorjahresniveau liegen.

 

Italien

Die Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal neuerlich um -0,8 Prozent, die Inlandsnachfrage brach weiter ein (sinkende Investitionen, rückläufiger privater Konsum). Einzig der Außenhandel lieferte einen positiven Wachstumsbeitrag. Die italienische Wirtschaft dürfte sich erst Mitte 2013 wieder erholen. Diese Entwicklungen führen zu weiterhin steigenden Unternehmenspleiten.

 

Spanien

Die spanische Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal 2012 um 0,3 Prozent. Der private Konsum stagnierte, die Inlandsnachfrage sank und die öffentlichen Ausgaben hielten sich gering. Der Außenhandel wirkt als eine Art Stoßdämpfer, da Einfuhren stärker abnahmen als die Ausfuhren. Die Wirtschaft dürfte 2012 um 1,8 Prozent und 2013 um 0,5 Prozent oder noch stärker schrumpfen. Mit einer Steigerung der Insolvenzen (19,9 Prozent) ist zu rechnen.

 

Portugal

Nach -1,4 Prozent in Q4 2011 ging das Bruttoinlandsprodukt auch im ersten Quartal 2012 um -0,1 Prozent zurück. Die Wirtschaft dürfte 2012 um weitere 3 Prozent schrumpfen. Ende des Jahres ist mit einer Erholung der Wirtschaft möglich. Das Geschäftsklima wird sich 2012 weiterhin eintrüben, was zu einer Zunahme von 50 Prozent der Unternehmensinsolvenzen führen wird.

 

Griechenland

Der Schrumpfungsprozess in der griechischen Wirtschaft wird weiterhin anhalten (-5,9 Prozent 2012 und -1 Prozent 2013). Immerhin lieferte der Importrückgang einen positiven Außenbeitrag. Die Insolvenzen steigen 2012 um 30 Prozent an.

 

Österreich

Anfang 2012 gelang es, die Stagnation zu überwinden. Das Bruttoinlandsprodukt stieg gegenüber dem 4. Quartal 2011 im ersten Quartal 2012 um 0,3 Prozent. Wachstumsimpulse lieferten die zunehmenden Ausfuhren und die Inlandsnachfrage. Das weitere Wachstum wird sich 2012 auf +0,7 Prozent verlangsamen. 2013 ist ein allmählicher Aufschwung im Außenhandel zu erwarten, der das Wachstum auf 1,6 Prozent beschleunigt.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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