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Unternehmensinsolvenzen im 1. Halbjahr 2016 um fast 5 % gestiegen

19.07.2016

In den ersten sechs Monaten 2016 wurden insgesamt 2.652 Unternehmen insolvent. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015 ist das ein Zuwachs von 4,7 %.
Auffällig: Mit 1.625 Fällen (+ 6,9 %) sind deutlich mehr Verfahren eröffnet als abgewiesen wurden. 

Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz Kreditschutzverband von 1870
„Die Verdopplung der Insolvenzverbindlichkeiten lässt sich im Wesentlichen auf drei Fälle zurückführen und ist somit kein Massenphänomen innerhalb der Insolvenzlandschaft. Auch der 5 %ige Anstieg der Unternehmensinsolvenzen ist kein Alarmsignal, aber es bleibt der Befund, dass die Fälle nicht nur mehr, sondern tendenziell auch wieder größer geworden sind“, analysiert Dr. Hans-Georg Kantner, KSV1870 Leiter Insolvenz, und ergänzt: „Dieser Befund deckt sich weitgehend mit unserer Einschätzung, dass die Talsohle der rückläufigen Insolvenzentwicklung letztes Jahr durchschritten wurde und nun wieder mit steigenden Zahlen zu rechnen ist.“ Der Grund für die hohen Schulden könne unschwer in den ersten drei Fällen auf der Liste der Großinsolvenzen verortet werden: zwei der Unternehmen sind reine Holdinggesellschaften (Activ Solar und Slav) und den Brüdern Kliujev zuzurechnen. Der Fall CBA (vormals Concord Card Casino) sei im Wesentlichen durch steuerliche orderungen von deutlich über EUR 300 Mio. bestimmt, die sich aus der strittigen Einordnung der in den Casinos veranstalteten Spiele nach dem österreichischen Glückspielgesetz herleiten.

Zahl der Abweisungen nicht besorgniserregend

Aus Sicht des KSV1870 ist der Komplex der mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren in den vergangenen Jahren deutlich entschärft worden und auch im Jahr 2016 alles andere als dramatisch oder besorgniserregend. Möchte man jedoch diese Abweisungen mangels Vermögens vollkommen abschaffen, bedarf es dazu eines größeren Konsenses zwischen Justiz und Wirtschaft, denn die Folgen einer solchen Entscheidung wären natürlich spürbar. Es gäbe mehr Verfahren und daraus resultierend eine zusätzliche Belastung der Gerichte. Allerdings kämen natürliche Personen sofort in Insolvenzverfahren, wodurch ihnen auch sofort die Weichen zu einer Restschuldbefreiung geöffnet würden. Juristische Personen würden rasch und sauber liquidiert werden, was für die Hygiene der Wirtschaft unseres Landes von Vorteil wäre.

Alle Insolvenzen eröffnen?

Der KSV1870 befürwortet das. Eine Langzeitstudie des KSV1870 hat ergeben, dass die Eröffnung ausnahmslos aller Verfahren, auch solcher, bei denen vermeintlich kein ausreichendes Vermögen vorhanden ist, zu achtbaren Ergebnissen der Gläubigerbefriedigung und sogar Unternehmenssanierungen führen würde. Leider haben bislang weder der Gesetzgeber, noch öffentliche Stellen als Gläubiger hier Handlungsbedarf erkannt. Denn schon heute wäre es mit entsprechenden Kostenvorschüssen möglich, alle Insolvenzverfahren über Unternehmen sofort zu eröffnen. Mag. Otto Zotter, Leiter KSV1870 Linz, rechnet für die Gläubiger und die Volkswirtschaft einen Nutzen von brutto EUR 80 Mio. pro Jahr heraus, der jederzeit und auch ohne Bemühung des Gesetzgebers gehoben werden könnte. 

https://www.ksv.at/sites/default/files/assets/documents/forum_0412_focus...
 

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