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Tu felix Gmachl nube

09.04.2014

Das Romantikhotel Gmachl ist der älteste Familienbetrieb des Landes. Wie man in 23. Generation die 780-jährige Geschichte weiterführt.

Text: Daniel Nutz

Wer die alte Gaststube des Romantikhotels Gmachl betritt, muss schon mal den Kopf einziehen. Der Türstock stammt nämlich noch aus einer Zeit, in der für deutlich kleinere Menschen gebaut wurde. Seit 1334 gehen hier die Gäste aus und ein. Darunter waren nicht nur die Erzbischöfe aus dem nahen Bistum Salzburg, sondern auch gekrönte weltliche Häupter. Als Erinnerung daran schmücken noch heute die Konterfeis von Kaiser Franz Joseph und seiner Gattin Sisi eine Wand der alten Wirtsstube. Zur Eröffnung der ersten Zugverbindung zwischen Wien und Salzburg war das Kaiserpaar auf Besuch – und hinterließ bleibenden Eindruck, wie sich an Friedrich Gmachls Gesichtsausdruck ablesen lässt: „Den Kaiser hat ja nicht jeder zu Gast", sagt der Seniorchef des heute ältesten Familienunternehmens Österreichs, während er im sogenannten Kaiserzimmer des Hotels sitzt und in der Firmenchronik blättert. Von den Habsburgern habe man sich auch einiges abgeschaut, erzählt Gmachl. Zum Beispiel die Heiratspolitik: „Es gibt hier in der Gegend kaum einen Wirt, mit dem wir nicht verwandt sind."

Zwischen Alt und Neu
Gmachl selbst hat sich vor neun Jahren zurückgezogen, um Platz für die nächste Generation zu machen. „Die Tradition ist uns wichtig", sagt Friedrich Hirnböck, der gemeinsam mit seiner Frau Michaela Hirnböck-Gmachl das Hotel seither führt. Aber Verantwortung gegenüber der langen Geschichte heiße eben auch, nach vorne zu blicken. Darum beschloss man, um die 700 Jahre alten Grundmauern ein modernes Wellnesshotel mit Haubenküche und einen 1.500 m2 großen Spa zu bauen. „Um den Weiterbestand des Hotels zu sichern, darf keine Generation auslassen. Investieren heißt, für die Kinder einzuzahlen", sagt Friedrich Hirnböck. Denn so viel ist sicher: Eines Tages soll eines der drei Kinder des Paares das Haus in der 24. Generation weiterführen.

Mehrere Standbeine
Dass Übergaben nie ein leichtes Thema sind, weiß man im Hause Gmachl aus eigener Erfahrung. „Alle Jungen meinen, so wie die Alten tun, kann es nicht weitergehen", sagt Senior Gmachl. Aber dieses Reiben an der Tradition sei letztendlich sogar ein Überlebenselixier seiner Familie gewesen. Denn zum Erfolgskonzept des ältesten Familienbetriebs gehörte stets, sich auf mehr als ein Standbein zu stellen. „Früher betrieb unsere Familie eine Landwirtschaft, eine Metzgerei und ein Gasthaus. Wenn das Geschäft wo schlecht ging, fingen wir das woanders auf", sagt Seniorchef Gmachl. Er selbst hat das Gasthaus zu einem Hotel ausgebaut und zur Haupteinnahmequelle gemacht. Die Landwirtschaft und die Metzgerei gibt es zwar immer noch, aber das Geschäft wird seither vermehrt mit Feriengästen und dem Festspielpublikum gemacht. Sein Schwiegersohn erweiterte diese Zielgruppe. Wer heute durch das Hotel geht, sieht Entspannungssuchende, Geschäftsreisende, Pärchenurlauber und manchmal auch Profi-Fußballmannschaften, die im nahen Salzburger Stadion gegen das Leder treten. Einmal war auch das Nationalteam hier, erzählt Hirnböck. Nach einer schlechten Vorstellung wurde die Mannschaft dann von Hotelgästen beinhart ausgepfiffen. So etwas hätte es zu Kaisers Zeiten wohl nicht gegeben.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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