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Trump und nun?

14.12.2016

Donald Trump hat im Wahlkampf eine Art Handelkrieg mit dem Rest der Welt in Aussicht gestellt. Grund genug für ifo und IHS um ein paar Szenarien für den Handel mit den USA zu berechnen. Der Worst Case einer globalen Handels- und Finanzkrise scheint übrigen unwahrscheinlich - im besten Fall profitiert die heimische Wirtschaft sogar ganz leicht.

 

Im Worst Case eines Protektionismuswettlaufs drohen Österreich negative Effekte beim BIP von 0,25 bis 0,4 Prozent.

Für den Fall, dass Donald Trump den größeren Teil seiner Wahlkampfankündigungen extrem rasch umsetzt und sich in einen de facto Handelskrieg mit der gesamten Welt begibt, droht eine Wirtschaftskrise im Ausmaß ähnlich jener 2008. „Das ist aus jetziger Sicht jedoch ein extrem unwahrscheinliches, wären doch die USA der bei weitem größte Leidtragende, wie unsere aktuellen Berechnungen zeigen.“, so Professor Martin Kocher, Direktor des IHS. Wesentlich wahrscheinlicher und dabei durchaus nicht unbedingt negativ für die heimische Wirtschaft, erscheint im Moment die Einführung von relativ hohen Zöllen gegenüber China und Mexiko. Dies wiederum führt dazu, dass die USA diverse Produkte aus anderen Ländern importieren müssten - ein sehr kleines Plus von 0,02 Prozent für das österreichische BIP könnte daraus resultieren. Die Zahlen und Berechnungen sind in einem aktuellen Policy Brief zu lesen, den das IHS auf Basis von Berechnungen gemeinsam mit dem Münchner ifo-Institut verfasst hat. Den Berechnungen liegt ein Modell zur Berechnung der langfristigen Wirtschaftsentwicklung zu Grunde, das auch sehr genau Prognosen für den internationalen Handel auf Sektorebene zulässt.

Kein kohärentes Wirtschaftsprogramm

„Wir haben drei verschiedene Szenarien errechnet, da bis heute kein kohärentes Wirtschaftsprogramm der Trump-Administration vorliegt“, erklärt Martin Kocher. Die USA sind unter den fünf größten Handelspartnern von Österreich mit einem jährlichen Exportvolumen von gut 9 Milliarden Euro. Hinzukommen Exporte vor allem aus der Zulieferindustrie in Länder wie Deutschland, die dann mit österreichischen Teilen fertiggestellte Produkte in die USA exportieren. „In diesem Bereich gibt es in den Zahlen gewisse Unsicherheiten, die jedoch für die Entwicklung des heimischen BIP nicht besonders relevant sind.“, erklärt Kocher weiter. Im Worst Case eines durch Trump ausgelösten Protektionismuswettlaufs drohen Österreich negative Effekte beim BIP von 0,25 bis 0,4 Prozent. Allerdings können diese Modellberechnungen indirekte Effekte nicht berücksichtigen. Diese können auch für Österreich um ein Vielfaches höher sein, wenn zum Beispiel politische Konflikte in der Nähe von Europa aufbrechen würden oder sich weiter anheizten.Die IHS Experten verweisen darauf, dass völlig unklar ist, welche Teile der Ankündigungen im Wahlkampf eine neue US-Administration tatsächlich durch den Kongress bringen kann. Große Angst ist auf jeden Fall ungerechtfertigt. In praktisch allen realistischen Szenarien werden die direkten ökonomischen Auswirkungen der Politik der neuen US-Administration in den nächsten Jahren gering bis vernachlässigbar sein.

Zum Policy Brief

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