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Trendwende am Arbeitsmarkt

10.12.2010

Die Ergebnisse des Manpower Beschäftigungsausblickes zeigen für das erste Quartal 2011 einen Negativtrend am heimischen Jobmarkt.

Erich Pichorner, Geschäftsführer von Manpower Österreich

Ganze 13% der HR-Verantwortlichen planen, Anfang 2011 Personal abzubauen. Lediglich 6% der Personalisten haben vor, Neuzugänge aufzunehmen. Die besten Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz haben Bewerber in den Wirtschaftssektoren Verkehr & Telekommunikation (+6%), Handel (+3%) sowie Öffentliche Hand & Soziales (+3%). Eine positive Beschäftigungsentwicklung wird nur für die Bundeshauptstadt (+4%) und Oberösterreich (+2%) erwartet, den stärksten Abbau sehen Personalisten im Burgenland (-19%). Auch im internationalen Vergleich liegt Österreich bei HR-Spezialisten gemeinsam mit Griechenland, Tschechien, Irland, Spanien, Rumänien und Frankreich auf den hinteren Rängen.

„Nach der erfreulichen Beschäftigungsentwicklung des Jahres 2010 ist für das 1. Quartal 2011 eine Wende zu erwarten“, so Erich Pichorner, Geschäftsführer von Manpower Österreich. Seit sieben Jahren erhebt der Personaldienstleiter die Rekrutingpläne von 750 Personalisten aus Österreich und knapp 64.000 HR-Verantwortlichen weltweit. „Die Firmen sind nach wie vor etwas unsicher über die weitere Geschäftsentwicklung und daher zögerlich bei Einstellungen von Eigenpersonal. Schlüsselpositionen wurden bereits heuer besetzt und daher besteht kein weiterer Bedarf in 2011“, meint Pichorner.

Aufschwung in der Bundeshauptstadt – Rückgang in der Gastronomie
Personalzuwachs erwarten die HR-Spezialisten nur in Wien (+4%) und Oberösterreich (+2%). Besonders pessimistisch zeigt sich das Burgenland (-19%), dicht gefolgt von Salzburg (-18%) und Vorarlberg (-17%). Leichte Beschäftigungszuwächse werden für die Sektoren Verkehr & Telekommunikation (+6%), Handel sowie Öffentliche Hand & Soziales (je +3%) angenommen. Den schlechtesten Beschäftigungstrend nach saisonaler Bereinigung verzeichnet die Gastronomie & Hotellerie (-26%). „Der erwartete Rückgang im Tourismus liegt natürlich auch daran, dass die Stellen für die Wintersaison bereits vergeben sind“, erklärt Pichorner. „Nichts desto trotz ist der Einbruch drastisch und macht auch im Vergleich zum ersten Quartal 2010 ein schlechtes Bild: Damals lagen die Erwartungen der Personalisten bei einem Rückgang von nur 4 Prozent.“

Globaler Vergleich: Österreich auf den hinteren Rängen
„In 32 der 39 befragten Länder prognostizieren HR-Verantwortliche eine Personalaufstockung – Österreich zählt leider nicht dazu“, so Pichorner. Ein Rückgang wird in nur sieben Ländern erwartet: Griechenland ist mit -15% das Schlusslicht, gefolgt von Österreich (-7%), Irland und Tschechien (je -5%), Spanien (-4%), Rumänien (-2%) und Frankreich (-1%). Die stärksten Tendenzen für Neueinstellungen finden sich in der Türkei, in Deutschland und Schweden. „Diese Erwartungen resultieren aus den überdurchschnittlich guten politischen Prognosen, die besagen, dass sich der Sektor Finanzwesen & Dienstleistungen in Deutschland weiter erholen wird“, erklärt Pichorner. „In Schweden ist dieselbe positive Strömung zu beobachten – hier ist die höchste Beschäftigungsrate seit zwei Jahren auszumachen.“ Die besten Chancen weltweit auf einen neuen Job gibt es in Indien mit herausragenden Umfragewerten von +41%, gefolgt von China (+38%) und Taiwan (+32%).

Die Erfolgsformel für schwierige Zeiten: Talentförderung
„Gerade in turbulenten Zeiten sollten Unternehmen auf gezielte personalpolitische Maßnahmen setzen. Nur mit strategischer Talentförderung können die Langzeit-Ziele eines Unternehmens erreicht und schwierige Phasen gemeistert werden“, so Pichorner. Die Talente im Unternehmen werden mehr und mehr zum größten Unterscheidungsmerkmal im wirtschaftlichen Wettbewerb. „Schon bald werden Arbeitnehmer mit stark nachgefragten Fähigkeiten die wichtigste und knappste Ressource eines Unternehmens“, so Pichorner. Wichtig sei dabei die Abstimmung der Personalstrategie auf die Unternehmensstrategie, erklärt der Manpower Geschäftsführer. Das stelle langfristig die richtige Besetzung am richtigen Platz zur richtigen Zeit sicher.

Alle Detailanalysen nach Bundesländern, Wirtschaftssektoren und 39 Ländern weltweit finden Sie unter www.manpower.at

Zur Studie
Im Auftrag von Manpower werden seit sieben Jahren Personalverantwortliche in ganz Österreich zu ihren Rekrutingplänen für das jeweils folgende Quartal befragt. 750 Personalisten aus allen Bundesländern und Branchen beantworteten die Frage: „Erwarten Sie, dass im 1. Quartal 2011 die Mitarbeiterzahl an Ihrem Standort eher zunehmen, eher abnehmen oder gleich bleiben wird, verglichen mit dem laufenden 4.Quartal 2010?“ Der Manpower Beschäftigungsausblick errechnet sich aus dem Prozentsatz der Unternehmen, der eine Zunahme seiner Mitarbeiterzahl erwartet, abzüglich des Prozentsatzes, der eine Abnahme erwartet. Das Ergebnis dieser Subtraktion ist der Netto-Beschäftigungsausblick in absoluten Zahlen. Der saisonal bereinigte Wert berücksichtigt auch sich jährlich wiederholende jahreszeitlich bedingte Fluktuationen. Die Studie wird gleichlautend in 36 Ländern weltweit mit 64.000 Befragten durchgeführt und gilt für Ökonomen, Arbeitsmarktexperten und Finanzanalysten als Indikator für die künftige Entwicklung dieser Arbeitsmärkte.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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