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Treibstoff fürs Geschäft

23.11.2017

Die Frage der Finanzierung bleibt für viele Betriebe trotz Aufschwungs problematisch. Die aktuellen Trends und einige Anlaufstellen im Überblick.

TEXT: PETER MARTENS

Auch in Zeiten eines breiten Aufschwungs steht die Frage der Finanzierung für österreichische Unternehmen ganz oben auf der Tagesordnung. Denn alle Konjunkturforscher erwarten für heuer das beste Wachstum seit vielen Jahren. Entsprechend hoch ist in den Betrieben aktuell die Bereitschaft, Geld für neue Investitionen in die Hand zu nehmen. So plant jeder vierte Mittelständler in Österreich gerade neue Investitionen, so eine aktuelle IMAS-Umfrage unter 900 heimischen Unternehmen mit einem Umsatz bis 50 Millionen Euro.

Auf der anderen Seite berichten jedoch drei von vier Firmenchefs, dass das Marktumfeld schwieriger geworden ist – und 17 Prozent sagen, dass sie in letzter Zeit keine Finanzierung für neue Projekte bekommen haben.

Tatsächlich wird der Zugang zu passendem Kapital im Alltag der Betriebe immer problematischer, wie Zahlen der Oesterreichischen Nationalbank belegen. Demnach ist das Volumen von Krediten bis zu einer Million Euro seit dem Krisenjahr 2009 um ein Fünftel gesunken. Und aus Sicht der Banken hat mehr als die Hälfte aller heimischen KMU, nämlich 52 Prozent, eine zu negative Ertragskraft oder eine zu geringe Eigenkapitalquote.

DIE RELEVANTESTEN INSTRUMENTE FÜR DEN MITTELSTAND

Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig zu informieren. Denn bei der Finanzierung stehen heute unterschiedliche Instrumente bereit – auch wenn der traditionelle Bankkredit der Umfrage zufolge für rund 75 Prozent der heimischen Mittelständler weiterhin an erster Stelle steht. Etwa 60 Prozent halten den geförderten Kredit für ansprechend, gefolgt von Eigenkapitalerhöhung mit 49 Prozent und Leasing mit 48 Prozent. Gleichzeitig nimmt ganz langsam auch die Bedeutung der alternativen Finanzierungsformen wie Risikokapital zu. Hier die wichtigsten Instrumente und erste Anlaufstellen:

GELD VON DER BANK: DER KLASSISCHE KREDIT

Im Verhältnis zwischen Unternehmen und Finanzhäusern prägen bis heute die Auswirkungen der Wirtschaftskrise die Situation. Während die EZB den Leitzins, der den meisten Bankkrediten zugrunde liegt, weiter bei genau null belässt, müssen Banken genauere Regulierungen des Finanzmarkts befolgen – und bleiben bei der Kreditvergabe recht zögerlich. Unter dem Strich muss damit der Mittelstand, der die Krise in keiner Weise zu verantworten hat, mit den daraus entstandenen Schwierigkeiten leben.

Trotzdem gehen österreichische Banken weiter in der Firmenlandschaft auf Kundenfang. Erste Bank und Sparkassen planen etwa jedes Jahr eine Milliarde Euro für besonders neuartige Geschäftsmodelle ein. Weil für heuer schon zwei Drittel davon vergeben sind, haben die Finanzhäuser diesen Herbst einfach eine weitere Milliarde draufgelegt.

KREDIT MIT SICHERHEITSSEIL: FINANZIERUNGSGARANTIEN

Vielfältige Angebote jenseits des Bankkredits bietet in Österreich das Austria Wirtschaftsservice (aws), die Förderbank des Bundes sowie die Österreichische Hotel- und Tourismusbank. Die ÖHT arbeitet als Spezialbank zur Finanzierung von Projekten im heimischen Tourismus. Ganz neu unter den vielen Angeboten findet sich etwa der ERP-Gründerkleinkredit. Dieser Kleinkredit bietet Unternehmen, die seit höchstens sechs Jahren bestehen, einen fixen Zinssatz von 0,5 Prozent bei Laufzeiten bis zu zehn Jahren. Das Finanzierungsvolumen kann zwischen 10.000 und 500.000 Euro liegen.

Beim aws reicht das Angebot von zinsgünstigen Krediten ab 10.000 Euro über Zuschüsse, Garantien und Eigenkapitalmittel bis zu Coaching und Beratungen bei der richtigen Strategie.

Ein wichtiges Instrument sind Besicherungen eines von einem Unternehmen bei seiner Hausbank aufgenommenen Bankkredits, der häufig erst mit der Garantieübernahme des aws zugesagt wird. Eines dieser Angebote richtet sich derzeit gezielt an KMU bei der Finanzierung von Investitionen in Österreich, etwa bei der Erweiterung der Produktion oder einem Forschungsvorhaben. Dabei bekommen Betriebe eine Garantie für ein Finanzierungsvolumen bis maximal 25 Millionen Euro bei einer Laufzeit von fünf bis zehn Jahren. Ein entscheidender Tipp, damit es auch klappt: Das Projekt zuerst bei aws einreichen und dann erst bei der eigenen Hausbank.

GERÜSTET FÜR FREMDE MÄRKTE: KREDITE FÜR DEN EXPORT

Beim aws richten sich mehrere Instrumente gezielt auch an die Finanzierung und Absicherung von Direktinvestitionen im Ausland. Eine andere, häufig frequentierte Anlaufstelle ist der Exportfonds, der mehrheitlich der Oesterreichischen Kontrollbank sowie zu 30 Prozent der WKÖ gehört.

Aktuell zählt der Exportfonds rund 2.000 heimische Unternehmen zu seinen Kunden. Ein unter KMU oft abgefragtes Instrument des Exportfonds sind zum Beispiel zinsgünstige Rahmenkredite für die Finanzierung von Betriebsmitteln bei Exporten. Hier ist der Kreditantrag zuerst über die Hausbank einzureichen.

VON KLEINSTKREDIT BIS BÖRSENGANG: ALTERNATIVE FINANZIERUNGEN

Beim Zugang zu Risikokapital oder bei der Hereinnahme fremder Finanzfirmen sei Österreich weiter unter dem europäischen Durchschnitt, heißt es im jüngsten Mittelstandsbericht des Wirtschaftsministeriums unter Verweis auf Zahlen der EU. Auch der Verkauf von Forderungen an Dritte namens „Factoring“ oder das Einsammeln von Kleinstkrediten, das heutzutage „Crowdfunding“ heißt, fristen hier weiter ein Schattendasein. Zu vielen Unternehmern erscheinen diese Angebote dann doch zu bunt.

Das sehen Vertreter des Finanzkapitals wie auch die Wirtschaftskammer freilich anders. Sie begrüßen ausdrücklich, dass der Nationalrat heuer im Juni den gesetzlichen Rahmen für den Zugang zum Risikokapital gelockert hat. Einen umfassenden Überblick zu Fragen rund um Risikokapital, Mezzaninkapital, Crowdfunding oder einem ganzen Börsengang bietet zum Beispiel die Wiener Börse.

www.innovationsmilliarde.erstebank.at
www.aws.at
www.oeht.at
www.exportfonds.at
www.wienerborse.at

 

Autor
Peter Martens

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