Traditionelle Abhängigkeit von China schwächt Tigerstaaten | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt

Traditionelle Abhängigkeit von China schwächt Tigerstaaten

25.08.2016

Laut einer aktuellen Euler Hermes Studie wird 2016 ein deutlicher Anstieg der Insolvenzen in drei der vier sogenannten asiatischen Tigerstaaten erwartet. Die sinkende Auslandsnachfrage, im Besonderen aus China, bremst das lokale Wirtschaftswachstum.

„Die starke Korrelation zu Chinas Wirtschaftsentwicklung schwächt die Tigerstaaten", so Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung.

Risikobehaftete Branchen sind vor allem in Hongkong der Einzelhandel, in Singapur der Bergbau und die Gewinnung von Erdöl und Erdgas sowie in Taiwan die Elektronikindustrie.

„Die starke Korrelation zu Chinas Wirtschaftsentwicklung schwächt die Tigerstaaten. Trotzdem ist unsere Gesamteinschätzung für deren zukünftige Entwicklung positiv. Für österreichische Exporteure sind diese Märkte nach wie vor chancenreich – natürlich mit der notwendigen unternehmerischen Voraussicht“, erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung – eine Marke der in Österreich führenden Kreditversicherung Acredia Versicherung AG. Immerhin sei in allen Tigerstaaten das prognostizierte BIP-Wachstum höher als jenes Österreichs, für das IHS Global Insight für 2016 +1,4 Prozent voraussagt.

China: Wirtschaftliche Neuausrichtung spiegelt sich in sinkendem Obligo wider

Die globalen Verunsicherungen schwächen auch das Wirtschaftswachstum Chinas. 2010 konnte China noch ein Wirtschaftswachstum von 10,7 Prozent erzielen. Laut aktueller Zahlen von IHS Global Insight fällt das BIP-Wachstum von 6,9 Prozent im Jahr 2015 im laufenden Jahr auf 6,6 Prozent und 2017 auf 6,2 Prozent zurück. Damit verliert China zusehends sein Image als Motor der Weltwirtschaft. Chinas wirtschaftliche Neuausrichtung – mit dem Fokus auf Binnenwirtschaft und die Erzeugung qualitativ hochwertiger Waren – spiegelt sich auch im Obligo jener Exporteure wider, die bei der OeKB Versicherung kreditversichert sind. So belegte China in den vergangenen Jahren Platz zwei unter den Ländern mit dem höchsten Obligo. Per Ende Juli 2016 nimmt das Land den vierten Platz ein. „Österreichische Qualitätsprodukte finden anscheinend zunehmend Konkurrenz durch die heute im Land selbst erzeugten Waren“, so Offterdinger.

Hongkong: Positive Entwicklung trotz geschwächtem Wirtschaftswachstum

Hongkong zählt zu den reichsten Ländern im südostasiatischen Raum und ist durch ein freies und transparentes Geschäftsumfeld gekennzeichnet. Eine Immobilienblase, steigende Zinssätze und der wachsende politische Einfluss Chinas werden jedoch künftig als größere Risikofaktoren gesehen. Laut Euler Hermes wird ein Anstieg der Insolvenzen in Hongkong um 15 Prozent erwartet. Durch die extreme Abhängigkeit vom Welthandel schlitterte das Land in den vergangenen Jahrzehnten einige Male in eine Wirtschaftskrise beziehungsweise in eine Rezession. Laut IHS Global Insight fällt das BIP-Plus von 2,5 Prozent im Jahr 2015 auf 1,5 Prozent (2016) und 1,7 Prozent (2017) zurück.

Singapur: signifikanter Absturz des BIP-Wachstums

Die drei großen wirtschaftspolitischen Herausforderungen Singapurs sind: der Anstieg des regionalen Wettbewerbs, die Überalterung der Bevölkerung und die Restrukturierung der Fertigungsindustrie. Die gefallenen Ölpreise sollten die Volkswirtschaft zwar begünstigen, allerdings hemmt die globale Abschwächung eine bessere Entwicklung. Mit einem BIP-Wachstum von 15,2 Prozent war Singapur in 2010 Spitzenreiter unter den Tigerstaaten. Das Wachstum verringerte sich bis 2015 auf +2 Prozent und wird in den folgenden Jahren laut IHS Global Insight weiter fallen (2016: +1,7 %, 2017: +1,7 %). Auch hier erwartet Euler Hermes einen Anstieg der Insolvenzen um 15 Prozent.

Taiwan: Aufbau neuer Wirtschaftssektoren

Das stark exportorientierte Land arbeitet verstärkt an der Diversifizierung der Exportartikel und versucht neue Absatzmärkte zu erschließen. Damit soll die zu starke Abhängigkeit von China reduziert werden. Euler Hermes prognostiziert einen Insolvenzanstieg von 17 Prozent. Insgesamt betrachtet nimmt Taiwan jedoch eine Spitzenposition unter den Schwellenländern ein und zählt heute zu den wichtigsten Handelsmächten der Welt. Nach einem Tiefststand des BIP-Wachstums 2015 von 0,6 Prozent wird in den kommenden Jahren laut IHS Global Insight ein neuerlicher Anstieg erwartet (2016: +1,2 %, 2017: +1,8 %).

Die gesamte Studie findet sich unter: http://www.eulerhermes.com/mediacenter/Lists/mediacenter-documents/Economic-Insight-Three_Asian_Tigers_caught_in_a_Chinese_Typhoon-Aug2016.pdf

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