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Teil 6: Welche soziale Verantwortung trägt die Gesellschaft für Unternehmen?

01.04.2015

Ein Plädoyer für die Innovationskraft von KMU und für Wertschätzung und Respekt gegenüber den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
 

Vor wenigen Tagen war auf einer CSR-Veranstaltung unter anderem der Vortrag einer ranghohen Wirtschaftskammer-Funktionärin zu hören. Nachdem die regionalen Unternehmen aufgrund ihrer Leistung, ihrer Verantwortung und auch ihrer Nachhaltigkeit gebührend gelobt wurden, wurde der Begriff Social Responsibility einer Neudeutung unterzogen. Sprachen wir bisher von der Verantwortung von Unternehmen gegenüber der Gesellschaft (CSR=Corporate Social Responsibility - mache ich meinen Profit auf Kosten von Menschen und Umwelt oder schaffe ich einen Mehrwert, der nicht nur mir zugute kommt), so wurde von der Dame am Podium Verantwortung von der Gesellschaft gegenüber den Unternehmen gefordert -  durch Deregulierung. Als Beispiel führte sie ausgerechnet Arbeitnehmerschutzbestimmungen an!

 

Eine ganz schöne Chuzpe, finde ich.  Zumal der nächste Experte am Podium aus einem Unternehmen kommt, das vorbildhaft mit seinen MitarbeiterInnen umgeht – und auch entsprechend gute Zahlen bei Krankenständen, Fluktuation und Wachstum vorzuweisen hat.

 

Im nächsten Satz wurde seitens der Kammerfunktionärin betont, wie wichtig Nachhaltigkeit und CSR auch für die WKO sind. Allerdings schränkte die Dame erheblich ein:  „ABER nur unter Beibehaltung der, von der EU-Kommission längst nicht mehr erwähnten, Freiwilligkeit (vgl. Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Eine neue EU-Strategie (2011-14) für die soziale Verantwortung der Unternehmen (CSR), S.7)“, waren ihre Worte. Angeblich schade die Verpflichtung zu Nachhaltigkeit vielen KMU und spiele den „Großen“ in die Hände.

 

Ich sehe das genau umgekehrt: Nachhaltigkeit ist die Chance, sogar die einzige Möglichkeit, langfristig zu bestehen! KMU sind flexibler und schneller, können unmittelbarer auf die Veränderungen, die kommen und bereits da sind (ob die Wirtschaftskammer das jetzt will oder nicht), reagieren und sich mit verantwortungsvollen, neuen oder besseren Produkten und Services einen Wettbewerbsvorteil schaffen. Andernfalls werden die bereits jetzt hinlänglich bekannten zukünftigen Bedingungen vielen Betrieben Probleme bereiten – abgesehen von den nicht wieder gut zu machenden Schäden an der Welt unserer Kinder, unserer Gesundheit und unserer sozialen Gemeinschaft.

 

Und ich plädiere dafür, als Unternehmerin und auch als Kammermitglied, ein Bekenntnis zur Wertschätzung an die Beschäftigten abzulegen. Arbeitsplätze zu schaffen alleine ist noch kein  Dienst an der Gesellschaft, sondern Selbstzweck für das Gelingen der Unternehmung.

 

Die Qualität der Arbeitsbedingungen jedoch kann entscheidend dazu beitragen, den Beschäftigten und darüber hinaus deren Familien Zufriedenheit, Gesundheit und Selbstwertgefühl zu bringen. Ein Blick auf die Zahlen zu psychischer Belastung am Arbeitsplatz ist ausreichend, um den gesellschaftlichen Nutzen und Wert respektvollen Umgangs mit den MitarbeiterInnen erkennen zu lassen. Mit dem damit aufgebauten Vertrauen kann diese Wertschätzung auch den Weg zurück zur Unternehmerin, zum Unternehmer finden. Das alles würde die Bezeichnung „Soziale Verantwortung“ schon verdienen, finde ich.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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