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Sieht in den CO2-Vorgaben einen Wettlauf mit der Zeit, den die Autohersteller sehr wahrscheinlich verlieren werden: Gudrun Meierschitz, Acredia-Vorständin.

Studie: CO2-Richtlinie als Herausforderung für Automobilhersteller

06.06.2019

Das größte Problem der europäischen Autohersteller ist aktuell weder der Brexit noch drohende Automobilzölle in den USA, sondern die im April verabschiedeten neuen Vorschriften der Europäischen Union (EU) zur Begrenzung der Kohlendioxid-Emissionen (CO2). Zu diesem Schluss kommt die Kreditversicherung Acredia in ihrer aktuellen Studie, die gemeinsam mit Euler Hermes durchgeführt wurde.

„Die europäischen Automobilhersteller müssen gemäß der Richtlinie die CO2-Emissionen innerhalb von nur zwei Jahren um -20 % senken. Zum Vergleich: In den letzten 10 Jahren waren es -25 %. Das ist mehr als sportlich“, sagt Gudrun Meierschitz, Acredia-Vorständin. „Hinzu kommen weitere ehrgeizige Ziele, die sie bis 2025 und 2030 erreichen sollen. Das wird ein Wettlauf mit der Zeit, den die Autohersteller sehr wahrscheinlich verlieren werden.“ Die neuen Emissionsziele könnten für die Automobilindustrie nach Ansicht der Studie sogar ein katastrophales Szenario auslösen. Aktuell erfüllt kein Hersteller die geforderten Abgasnormen.

Hohe Geldbußen in Sicht

„Für die Autohersteller ist es gleich in dreierlei Hinsicht eine riesige Herausforderung: industriell, finanziell und kommerziell“, sagt Meierschitz. „Es erfordert zum einen eine schnelle und drastische Anpassung des Antriebsstrangmix zugunsten von alternativ angetriebenen Fahrzeugen, insbesondere Elektrofahrzeugen. Zum anderen drohen bei Nichterreichen hohe Geldbußen: Wenn man von den Zahlen von 2018 ausgeht, würden sich diese auf 30 Milliarden Euro summieren. Das entspricht der Hälfte der gesamten Nettogewinne der Automobilhersteller. Außerdem würde eine vollständige Weitergabe der zusätzlichen Produktionskosten an die Kunden zu einem Rückgang der Automobilverkäufe führen mit Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsplätze.“ Die Produktionskosten könnten bis Ende 2020 um bis zu +7 % und bis 2025 um bis zu +15 % steigen. Deren vollständige Weitergabe an die Kunden würden zu Einbußen bei den Autoverkäufen um -9 % bis Ende 2020 und um -18 % bis 2025 führen.

Österreich verzeichnet sinkende Pkw-Zulassungen

Von den möglichen Auswirkungen wäre auch Österreich betroffen, denn: „Der österreichische Automotive-Sektor hängt stark von der deutschen Automobilindustrie ab“, kommentiert Acredia-Expertin Marina Machan die heimische Situation. Und weiter: „Bereits 2018 sanken die Pkw-Zulassungen in Österreich gegenüber 2017 um minus 3,5 %. Im ersten Quartal 2019 wurde ein Rückgang von minus 10,6 % verlautbart“, so Machan.

Selbst mit schnellen Anpassungen sind nur etwa 30 % der Ziele machbar – 60.000 Jobs gefährdet

Europäische Autohersteller dürften nach Einschätzung der Acredia-ExpertInnen die vorhandenen finanziellen Puffer nutzen und versuchen, weiter Kosten zu senken sowie von „Superkrediten" zu profitieren. Auch Partnerschaftsverträge und sogenannte „Pools" sowie eine weitere Konsolidierung werden wahrscheinliche Folgen sein. „Es ist nahezu sicher, dass die Automobilhersteller die geforderten CO2-Ziele nicht einhalten werden“, sagt Gudrun Meierschitz. „Selbst mit einer schnellen Anpassungsstrategie werden sie voraussichtlich maximal ein Drittel der Ziele erreichen. Wir erwarten daher bis Ende 2020 einen Anstieg der durchschnittlichen Pkw-Preise um etwa +2,6 % und in der Folge einen Rückgang der Neuzulassungen um -3,1 %. Das dürfte zu einem Minus von 2,9 Milliarden Euro bei den verkauften Fahrzeugen führen und dadurch etwa 60 000 Arbeitsplätze gefährden.“ Auf die europäische Automobilindustrie entfallen 13 % der Produktion im verarbeitenden Gewerbe und 13,3 Millionen Arbeitsplätze. Angesichts dieser Größenordnung werden vermutlich auch Verbraucher und Politik gefordert sein, Maßnahmen zu ergreifen, um das Szenario abzumildern.

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