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Straße, Schiene und IT

14.04.2019

Österreich hat eines der besten Verkehrsnetze der Welt – laufend investieren Asfinag und ÖBB in neue Großprojekte. Dabei sei das gar nicht das Drängendste, sagen Unternehmer.

In Umfragen bescheinigen Österreichs Unternehmen der Infrastruktur des Standorts regelmäßig gute bis hervorragende Noten. Tatsächlich hat die Alpenrepublik eines der am besten ausgebauten Verkehrsnetze der Welt – von einem Investitionsstau wie etwa in Deutschland kann hierzulande keine Rede sein. Seit heuer ist außerdem das neue Standortentwicklungsgesetz in Kraft, das bei Genehmigungen von Großprojekten greifen soll. Innerhalb von sechs Monaten soll künftig klar sein, ob ein Projekt standortrelevant ist, und nach sechs weiteren Monaten muss die Umweltverträglichkeitsprüfung beendet sein. Dieses Gesetz wird ohne Zweifel gerade umkämpfte Großprojekte wie die dritte Piste am Wiener Flughafen oder die 380-kVLeitung in Salzburg in Zukunft massiv beschleunigen.

Höchster Bodenverbrauch Europas

Allerdings ist auch das Gesetz selbst sehr umstritten. Kritiker wie die Österreichische Hagelversicherung, der Alpenverein und selbst die Katholische Kirche verweisen darauf, dass Österreich je Einwohner den mit Abstand höchsten Bodenverbrauch in ganz Europa hat. An jedem einzelnen Tag werden 20 Hektar fruchtbares Land verbaut – das entspricht 30 Fußballfeldern. Laut Universität für Bodenkultur ist zu erwarten, dass in Tirol in wenigen Jahren das gesamte Inntal zubetoniert ist. Das Bundesland hat deshalb vor wenigen Wochen einen einzigartigen Vorstoß gewagt, um die „Zubetoniererei“ zu stoppen: Handelsfirmen soll in Zukunft vorgeschrieben sein, beim Bau neuer Standorte statt riesiger Parkplätze Tiefgaragen zu bauen – und auf dem Dach gleich Wohnungen dazu.

Frächter: Maut ungerechtfertigt hoch

An den Finanzen der Asfinag kam zuletzt Kritik von ungewohnter Seite: Die heimischen Frächter haben im Vorjahr mit der WKSparte Transport und Verkehr eine Studie vorgelegt, wonach sie um 25 Prozent mehr Maut bezahlen, als berechtigt wäre: Dies sei ein starker Nachteil am Heimatmarkt im harten internationalen Wettbewerb. Auch der heimische Handel schloss sich dieser Kritik an. Die Asfinag ließ das nicht gelten: Es sei alles sehr wohl rechtens, so der Autobahnbetreiber.

Milliardenausgaben bei der ASFINAG

Die Asfinag investiert jedenfalls weiter jedes Jahr viel Geld in Autobahnen. Allein heuer sind 1,2 Milliarden Euro budgetiert. Als eines der vielen Großprojekte nennt der neue Konzernchef Hartwig Hufnagl die für Ende des Jahres geplante Verkehrsfreigabe des zweiöhrigen Gleinalmtunnels auf der A9, womit die gesamte Phyrnachse zweiröhrig ausgebaut sein werde. Für Wien ist ein „großer Stau-Hotspot“ angekündigt – wieder einmal. Hier liegt mit dem neuen Teilstück der Wiener Außenringschnell straße S1 und dem Lobau-Tunnel das umstrittenste und mit Abstand teuerste Projekt. Auch in Linz geht es über viele Staus nach vorn: Hier haben die Arbeiten an einem anderen Großprojekt, der neuen Donaubrücke auf der A26, bereits begonnen.

Auch die ÖBB treiben den Ausbau der Schienenwege massiv voran. Das mit Abstand größte Projekt ist der Ausbau der Südstrecke, der 2025 fertig sein soll und gleich ein Dutzend Großprojekte umfasst. Die berühmtesten beiden sind der Semmering- Basistunnel und der Koralmtunnel, letzterer nach Fertigstellung mit 33 Kilometern der sechstlängste Eisenbahntunnel der Welt. Doch der Ausbau der Südstrecke ist sehr viel mehr: Zwischen Wien und Kärnten wird es 18 neue und 90 modernisierte Bahnhöfe geben sowie 170 Kilometer gänzlich neue und 200 Kilometer ausgebaute Bahnstrecken. Das Ziel des milliardenschweren Projekts: Eine Hochleistungsstrecke mit Geschwindigkeiten bis zu 250 kmh, um so um eine Stunde und 15 Minuten schneller von Wien nach Klagenfurt zu kommen.

Digitalisierung wichtiger als Autobahnen

Dabei seien weder neue Autobahnen noch Tunnel das Wichtigste für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, sagen heimische Manager in einer repräsentativen Befragung für den „Future Business Austria Infrastrukturreport 2019“. Der Studie zufolge ist die Zahl jener Unternehmer dramatisch auf 83 Prozent gestiegen, die meinen, der Wirtschaftsstandort bleibe zurück, weil zu wenig in Breitband und Digitalisierung investiert werde. Eine Mehrheit der Befragten fordert, die Politik solle Investitionen in den Verkehrswegebau zurückfahren und sich auf den Ausbau der Digitalisierung und Energieinfrastruktur konzentrieren – damit Österreich seine hervorragende Position behält.

 

Autor/in: Peter Martens

 

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