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Stark in Österreich, führend in Europa

08.10.2014

Denkt man an Salzburg und Oberösterreich, kommt einem wohl als Erstes das Salzkammergut in den Sinn. Schon zu Kaisers Zeiten waren die Gebiete vor allem touristisch eng verflochten. Heute präsentieren sich beide Länder als wirtschaftsstarke Regionen im Herzen Österreichs, die nach den konjunkturellen und finanzpolitischen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre dynamisch in die Zukunft schreiten.

Text: Kolomann Költringer

 

Oberösterreich und Salzburg haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. War das kleinere Bundesland einst mächtiges und eigenständiges Fürsterzbistum, so gehörte das größere zunächst zu Bayern und danach zum Habsburgerreich. Nach den napoleonischen Kriegen wurde das ehemalige Fürsterzbistum Salzburg 1816 als „Salzburgkreis“ fünfter Landeskreis des Erzherzogtums Österreich ob der Enns mit Verwaltungssitz in Linz. Übergeordnete Behörden wie die Bundesbahndirektion, das Oberlandesgericht und die Post- und Telegraphendirektion für Salzburg, die ihren Sitz in Linz hatten beziehungsweise noch haben, erinnerten lange an diese Zeit, die von den Salzburgern als tiefe Erniedrigung empfunden wurde.

Heute haben sich beide Länder längst von dieser Zeit emanzipiert und ihren Platz als führende heimische Wirtschaftsregionen in Europa eingenommen. Unter den 41 europäischen Regionen, in denen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aktuell die 125-Prozent-Marke überschreitet, sind mit 149 % Salzburg und mit 130 % Ober­österreich vertreten. Die Zahlen betreffend den Wohlstand in 272 EU-Regionen belegen die wirtschaftliche Stärke beider Länder im europäischen Vergleich. Auch bei der Beschäftigung liegen Ober­österreich und Salzburg im Spitzenfeld. Salzburg hatte mit 2,9 % nach Eurostat im Jahr 2013 die zweitniedrigste Arbeitslosenrate in der EU. Ober­österreich lag bei ebenfalls sehr guten 4,1 %.

 

Wirtschaftszentrum im Herzen Österreichs
Wie sieht aber die Wirtschaftsstruktur in beiden Ländern wirklich aus? Neben dem Tourismus – Salzburg ist nach Tirol das zweitstärkste Tourismusland Österreichs – haben sich an der Salzach vor allem der Handel und die Dienstleistungsbranche stark etabliert. Salzburg ist nach wie vor die zweitgrößte Autohandels- und Bankenstadt in Österreich. Unternehmen wie Porsche oder BMW Austria haben hier ihren Hauptsitz. Oberösterreich ist das führende Industrie-, Export- und Technologiebundesland in Österreich. Rund ein Viertel der Industrieproduktion und der Exporte kommen aus dieser Region. Beide Länder setzen Schwerpunkte in der Wirtschaftsförderung, im Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, in Forschung, Entwicklung und Bildung. „Wir investieren damit in die wirtschaftliche Zukunft“, sagt Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

Wie zufrieden sind aber nun Salzburgs und Oberösterreichs Unternehmer selbst? Was könnte ihrer Meinung nach besser sein? Wir haben einige von ihnen gefragt:
„Oberösterreich und Salzburg sind wirtschaftlich besonders erfolgreich. Die Wirtschaftsleistung je Einwohner liegt über dem österreichischen Durchschnitt, die Arbeitslosigkeit darunter. Eine gesunde Mischung aus Großbetrieben und mittelständischen und kleinen Unternehmen, eine starke Exportorientierung und stabile und erfolgreiche Regionalbanken tragen wesentlich zu dieser führenden Position bei“, erläutert Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank AG in Linz. Dennoch seien einige Reformen notwendig: „Nicht nur in Oberösterreich und Salzburg, sondern in ganz Österreich benötigen wir eine Restrukturierung der Arbeits-, Energie- und Umwelt- sowie der regulatorischen Kosten. Zusätzlich müssen wir neben der notwendigen sozialen Verantwortung den Gewinnen der Unternehmen wieder höheren Stellenwert einräumen.“
Besonders wichtig sei es laut Gasselsberger auch, dass Private und Unternehmen wieder mehr Selbstverantwortung übernehmen und weniger Staatsverantwortung fordern – „nur dann wird es möglich sein, dass wir uns auch weiterhin besser als der europäische Durchschnitt entwickeln“, betont der Bankmanager.

 

Gute Ausbildung muss erhalten bleiben
Für Herbert Ortner, Geschäftsführer des Kranherstellers und Weltmarktführers Palfinger mit Standorten in Salzburg und Oberösterreich, sind die gutausgebildeten Mitarbeiter hierzulande der größte Standortfaktor. „Salzburg ist ein guter Standort für unsere Konzernzentrale, deshalb bauen wir unser neues Headquarter auch hier. Der große Vorteil sind die gutausgebildeten und motivierten Fachleute, die wir in der Region finden und die sich auch gern an neue Situationen anpassen, lernen und weltoffen sind. Unsere Kritik richtet sich an das Schulsystem, das nach unserer Meinung nicht mehr die notwendige Qualität in der Grundausbildung junger Leute liefert. Außerdem wünschen wir uns in der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeiten flexiblere rechtliche Rahmen.“

Ähnliches fordert auch Christian Struber, Geschäftsführer der Salzburg Wohnbau: „Entscheidend ist, Salzburg als Bildungs- und Forschungsstandort weiter auszubauen. Ich bin überzeugt davon, dass diese Investitionen mehrfach zurückkommen.“ Ortner will allerdings nicht jammern: „Jeder findet immer etwas, was noch besser sein könnte. Auf die Auflistung von Wünschen im Detail will ich mich nicht einlassen. Im Kern geht es nur darum, dass möglichst viele Entscheider der Gesellschaft an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen wollen – das scheint mir derzeit verbesserungswürdig.“

 

Boomendes Baugeschäft
Wie Palfinger ist auch die Baumit Baustoffe GmbH in beiden Bundesländern mit Standorten aktiv. Baumit hat vor zwei Jahren in Hallein mit dem Baumit-Baustoffzentrum erstmals im Land Salzburg ein eigenes Beratungs- und Logistikzentrum errichtet – „diese Entscheidung haben wir bis dato nicht bereut“, sagt Geschäftsführer Wilhelm Struber. „Ganz im Gegenteil. Nicht zuletzt weil der Tourismus gut läuft, wird auch gebaut und investiert. So entwickelt sich heuer in Salzburg das Baugeschäft besser als im Raum Oberösterreich, wo man hinsichtlich der Bauinvestitionen im guten ersten Halbjahr etwas auf der Bremse steht.“
Positiv beurteilt Struber die neue Salzburger Wohnbauförderungsrichtlinie und hofft, dass 2015 durch die „Einmalzuschüsse“ auch wirklich mehr Wohnraum im Land Salzburg geschaffen wird. Das hat natürlich aktuell Auswirkungen auf die Zahl der eingereichten Baubewilligungen – „hier entsteht zurzeit ein Vakuum, das aber 2015 behoben sein sollte“, so Struber.

 

Drehscheibe im internationalen Verkehr
Besonders hervorgehoben wird in beiden Ländern immer wieder auch die Drehscheibenfunktion im überregionalen Handel und Verkehr. Aufgrund der geografischen Lage und der leistungsfähigen Transportwege ist Oberösterreich ein bevorzugter Produktions- und Logistikstandort. Starke in- sowie ausländische Handels- und Transportunternehmen sowie Logistikdienstleister sind vor allem im Städtedreieck Linz–Wels–Steyr entlang der europäischen Nord-Süd- beziehungsweise Ost-West-Verbindung angesiedelt. Vom blue danube airport Linz werden täglich wesentliche europäische Städte direkt angeflogen. Ober­österreich ist aber auch bei Großflughäfen wie Wien, München, Frankfurt oder Zürich über das globale Flugnetz eingebunden. Der Ennshafen an der Landesgrenze zwischen Ober- und Niederösterreich bietet als zentrale Logistikdrehscheibe des Landes optimale Umschlagmöglichkeiten für die Exportwirtschaft für den Raum Amstetten–Linz, in dem mehr als ein Drittel der österreichischen Industrieproduktion hergestellt wird.

Mit 1,7 Millionen Passagieren pro Jahr ist der Salzburg Airport W. A. Mozart Österreichs größter Bundesländerflughafen. Vor allem durch seine Rolle als Eingangstor zu den wichtigsten Urlaubsregionen Westösterreichs erlangte der Salzburger Flughafen eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung. Nach Genf ist Salzburg Europas zweitwichtigste Ski-Charter-Destination. Andrea Stifter-Vorderegger, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Salzburg, dazu: „Der Salzburger Flughafen ist einer der wichtigsten Impulsgeber für die heimische Wirtschaft. Die wachsende Verflechtung der Salzburger Wirtschaft mit den internationalen Märkten erfordert neue und gute Flugverbindungen. Zeit ist Geld. Das gilt nicht nur für Geschäftsreisende, sondern auch für Touristen, die zu uns kommen. Mit dem Flugzeug kann man rasch von A nach B kommen. Darum ist der Salzburg Airport so wichtig.“

 

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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