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Spekulieren mit Leidenschaften

28.11.2016

Wenn gewohnte Investments immer weniger einbringen und die Unsicherheit an den Finanzmärkten steigt, gewinnen alternative Anlagen an Attraktivität. Die Wirtschaft stellt drei von ihnen vor.

Der Leitzins klebt seit Jahren an der Nullmarke. Früher sichere Staatsanleihen bringen nichts mehr ein. Da rücken bei immer mehr Investoren alternative Anlageformen in den Vordergrund. Unter diesen „emotionalen Anlagearten“ tummeln sich heutzutage auch echte Exoten. Offenbar lässt sich mit Whisky, Luxushandtaschen oder Bonsai-Bäumen tatsächlich eine vorzeigbare Rendite erreichen. Trotzdem sind derartige Investments eher für Anleger geeignet, die sich auskennen, oder zu den Hasardeuren ihrer Zunft zählen. Es gibt unter den alternativen Anlageformen auch einige Klassiker. Doch Vorsicht – auch diese Anlageformen haben ihre Risiken.

Begehrte Edelkarossen

Etwa Oldtimer. In diesem Segment erlebte das Wiener Dorotheum diesen Sommer die beste Oldtimer-Auktion seiner Geschichte. Mit einem Mercedes-Benz 300 S Roadster des Baujahres 1953, der um knapp 600.000 Euro den Besitzer gewechselt hat. Der Wert edler Oldtimer stieg laut dem genau darauf spezialisierten Londoner Index Hapi allein im Vorjahr um 16 Prozent – allerdings mit abnehmender Tendenz. Und noch etwas sollten Anleger nicht aus den Augen lassen: Der Preis eines Oldtimers beträgt immer nur so viel, wie der nächste Käufer für ihn zu zahlen bereit ist. 

Geigen, die Jahrhunderte überdauern

Eine spannende Anlageform sind vor allem die Streichinstrumente. Die berühmteste Kategorie sind jene des italienischen Geigenbauers Antonio Stradivari, heute die teuersten und begehrtesten Musikinstrumente der Welt. So wechselte zuletzt die Stradivari-Bratsche „Lady Blunt“ um 16 Millionen Dollar den Besitzer – eine Ausnahme, weil die meisten Besitzer eine Stradivari nicht mehr verkaufen. Etwa die Oesterreichische Nationalbank. Sie besitzt inzwischen acht Violinen von Stradivari, drei von Giuseppe Goivanni Guarneri und eine vom Tiroler Geigenbauer Jacob Stainer. Es ist relativ sicher, dass der Wert dieser Instrumente steigt und steigt und vielleicht noch weitere Jahrhunderte überdauert – und genau deshalb ist das Interesse an ihnen auch bei Menschen enorm, deren Vermögen weitaus größer ist als ihre Begeisterung für klassische Musik. Das Problem: Der Markt für besonders edle Streichinstrumente ist winzig und sehr intransparent. Die zentrale Informationsquelle im deutschsprachigen Raum ist die Leipziger „Taxe der Streichinstrumente“, ein Index der Verkaufspreise. Diesem Index zufolge ist der Wert der Geigen von Stradivari und seinen Zeitgenossen in den letzten 30 Jahren um acht Prozent pro Jahr gestiegen – bei einem Verlustrisiko von null Prozent. Wer nun gerade keine Stradivari kaufen kann, sollte einen Rat von Violin Assets beherzigen. Die Firma empfiehlt, auch in Instrumente namhafter Geigenbauer von heute zu investieren, die bereits ab 25.000 Euro zu haben sind. Denn eine Besonderheit der Streichinstrumente sorgt dafür, dass ihr Wert tatsächlich steigt: Ihr Klang wird jedes Jahr voller – wenn man sie spielt. 

Kunst: Werte jenseits des Geldes

Die prominenteste alternative Anlageform ist Kunst – heute ein Milliardenmarkt. Ein chinesischer Käufer hat Ende des Vorjahres in New York knapp 160 Millionen Euro für „Nu couché“ von Amadeo Modigliani auf den Tisch gelegt – der zweithöchste jemals für ein Gemälde erzielte Verkaufspreis. Und das Wiener Auktionshaus Dorotheum machte diesen Sommer Schlagzeilen mit dem Verkauf von Bildern des Tirolers Alfons Walde und dem Bild „Bapteme de masques“ des Belgiers James Ensor, das um weit über eine Million Euro den Besitzer gewechselt hat – mehr als doppelt so viel wie Kunstexperten erwartet hatten. Je größer der Name, desto stabiler das Investment. Im Gegensatz dazu gelten Werke aus unserer Zeit als besonders lukrativ, weil hier bei einem ungleich geringeren Preis immer die Hoffnung mitschwingt, den „Picasso von morgen“ zu erwischen. Tatsächlich warten im Segment bis 50.000 Dollar die besten „Schnäppchen“ – und um 10.000 Dollar mit etwas Glück auch Werke eines Andy Warhol. Allerdings vermag abseits der anerkannten Namen nicht einmal der größte Kunstfachmann sicher vorauszusagen, wie sich der Preis eines Werks entwickeln wird. Deshalb lautet der vielleicht wichtigste Ratschlag bei „Emotional Assets“, seine Emotionen nicht völlig auszublenden. Denn ein Auto bleibt ein Auto und ein Gemälde vor allem ein Kunstwerk – und keine Aktie. 

Text: Peter Martens

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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