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Spannungen in der Weltwirtschaft nehmen zu

10.08.2011

Nach der kräftigen Erholung seit Herbst 2010 ist nunmehr eine gewisse Abschwächung der internationalen Konjunktur zu beobachten. Während aus Asien nach wie vor starke Wachstumsimpulse kommen, fiel das Wirtschaftswachstum im II. Quartal in den USA mäßig aus, und auch die jüngsten Daten für den Euro-Raum lassen für die kommenden Monate eine geringere Expansion erwarten.

Die Abschwächung der Konjunktur und die Entwicklungen um die Verschuldung der öffentlichen Haushalte in den USA und im Euro-Raum erhöhten die Spannungen auf den Finanzmärkten zuletzt deutlich und zogen massive Kursverlusten nach sich.

Die Dynamik der Weltwirtschaft schwächte sich zuletzt ab. Zwar kommen nach wie vor starke Wachstumsimpulse aus den Schwellenländern in Asien und Lateinamerika. In den USA wuchs die Wirtschaft im II. Quartal mit +0,3% aber neuerlich mäßig (I. Quartal +0,1%). Gleichzeitig verläuft die Erholung auf dem Arbeitsmarkt unverändert zäh, die Arbeitslosenquote lag im Juli nahezu unverändert bei 9,1%, um nur 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

Aufgrund der anhaltenden Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt und der prekären Lage der Staatsfinanzen sind in den USA auch die Unternehmererwartungen über die Wirtschaftsentwicklung im 2. Halbjahr gedämpft. Das Conference Board rechnet in seiner Prognose vom Juli für das 2. Halbjahr 2011 mit anhaltend mäßigem Wachstum.

Für den Euro-Raum sind noch keine Zahlen zum Wirtschaftswachstum im II. Quartal verfügbar.

Die Industrieproduktion nahm im April und Mai weiterhin zu, die jüngsten Konjunkturumfragen deuten aber auch hier auf eine Verlangsamung des Aufschwungs hin. Nach einer stetigen Verbesserung seit dem II. Quartal 2009 ist etwa das Industrievertrauen laut EU-Konjunkturumfragen seit April 2011 wieder rückläufig. Es liegt allerdings immer noch deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. In Deutschland beurteilen die Unternehmen laut ifo-Geschäftsklimaindex die aktuelle Lage nach wie vor als gut, die Geschäftserwartungen trüben sich aber auch hier ein.

Die schwächeren Konjunkturaussichten, die kontroverse Diskussion um das Staatsschuldenlimit in den USA und die Schuldenkrise im Euro-Raum lösten im Juli Spannungen auf den Finanzmärkten aus. Nach einem Hilfspaket für Portugal von insgesamt 78 Mrd. € im Mai wurden im Euro-Raum im Juli auch für Griechenland weitere Kredite im Ausmaß von 109 Mrd. € und eine Restrukturierung der Schulden notwendig. Der Dow-Jones-Index fiel in der ersten August-Woche gegenüber dem Höchstwert von Anfang Mai um etwa 11%, der DAX um etwa 17%. Die Sekundärmarktrenditen für italienische und spanische Staatsanleihen stiegen zeitweise auf über 6%. Zuletzt stufte die Ratingagentur Standard & Poor's die Bewertung von Staatsanleihen der USA von "AAA" auf "AA+" herab.

In Österreich waren die monatlichen Veränderungsraten der Industrieproduktion gemäß den bislang verfügbaren Daten im II. Quartal im Vergleich zum I. Quartal nahezu unverändert (April +1,5%, Mai -0,5%, I. Quartal durchschnittlich +1,1%). Die aktuellen Auftragsbestände beurteilten die Sachgütererzeuger im WIFO-Konjunkturtest nach wie vor günstig. Die vorlaufenden Indikatoren (Produktionserwartungen, Geschäftslage in sechs Monaten) sind allerdings seit mehreren Monaten rückläufig und lagen im Juli nahe dem langjährigen Durchschnitt.

Weiterhin schwach entwickelt sich der Tiefbau, der Produktionsindex unterschritt den Vorjahreswert im April um 13,9%. Der Tourismussektor setzte im Frühsommer (Mai und Juni) real um 1,7% mehr um als im Vorjahr.

Im Juni und Juli 2011 stieg die aktive Beschäftigung saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um jeweils 0,2%. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote beträgt nach österreichischer Berechnungsmethode seit Jänner unverändert 6,7%. Das Stellenangebot war in den letzten Monaten allerdings leicht rückläufig, während die Arbeitslosenzahlen wieder stiegen.

Mit der Konjunkturabschwächung verringert sich der Preisdruck auf den Rohstoffmärkten. Im Vorjahresvergleich erhöht die Rohstoffpreishausse jedoch die Inflation in den Industrieländern.

Im Euro-Raum erreichte die Inflationsrate im Juni 2011 laut HVPI 2,7%. Der Preisauftrieb ohne Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel ist aber mäßig (Juni 1,8%). In Österreich betrug die Inflationsrate gemäß harmonisiertem VPI im Juni 3,7% (laut nationalem VPI 3,3%). Die Kerninflationsrate laut HVPI (ohne Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel) war mit 3,0% um 1,2 Prozentpunkte höher als im Durchschnitt des Euro-Raumes.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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