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So geht Networking

12.02.2020

Spätestens seit dem Ibiza-Video und der Casinos-Affäre werden Netzwerke in Politik und Wirtschaft sehr kritisch gesehen. Dabei hat profundes, ehrliches Netzwerken nichts mit Freunderlwirtschaft zu tun, sondern ist gerade für KMU wichtiger als klassische PR. Das behauptet der Kommunikationsexperte und Autor David Ungar-Klein. Er hat genau das zu seinem Credo gemacht und funktionierende Netzwerkstrategien entwickelt.

Kommunikationsexperte und Autor David Ungar-Klein

David Ungar-Klein ist Inhaber der Kommunikationsagentur Create Connections und Initiator des „Wiener Kongress Comsult“, eines hochkarätigen Treffens von Prominenz aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport. Ungar-Klein sieht sich als Brückenbauer. Er will zu einer Gesprächskultur beitragen, die er in Zeiten von Polarisierung und Lagerdenken in Gefahr sieht. Deshalb holt er für seine Veranstaltung jedes Jahr nicht nur Wirtschafts-Rockstars nach Wien, sondern lädt bewusst auch streitbare Geister ein wie Brexit-Rabauken Nigel Farage oder Gregor Gysi, Ikone der deutschen Linken. Wie gelingt es David Ungar-Klein Menschen miteinander zu verbinden und was können Unternehmer davon lernen?

Erfolgreiches Netzwerken mit System

"Man muss systematisch vorgehen. Es ist relativ simpel. Ich habe dazu ein Trichter- Modell entwickelt, das von einer Reality-Check-Phase über eine Generell-Awarness- und eine Specific-Awarness- Phase letztlich zu einer Meeting-Phase führt. In der Meeting- Phase geht es eigentlich zu Sache, aber die meisten kommen gar nicht so weit, sondern scheitern am Reality-Check. Ich muss mir nämlich überlegen, was ich überhaupt kann und was ich will. Es klingt so einfach, wird aber von den wenigsten gründlich gemacht."

Erst denken, dann reden

"Die Menschen haben verlernt zu reflektieren. Gerade dazu ist ein Netzwerk ja wichtig. Man braucht Sparringspartner, Leute, denen man vertraut und die einem ehrlich sagen, was man kann und was nicht. Die Leute überschätzen entweder ihre Fähigkeiten oder sie wollen ihre Ideen nicht teilen. Bevor man mit Networking startet, sollte man also viel Zeit in die Reflexion investieren. Es gibt ein altbekanntes Sprichwort: Denke, bevor du redest. Es geht nicht darum, wen man kennt, sondern um das Thema. Die Frage ist, was man anzubieten hat. Wenn man jemandem etwas von Wert anbieten kann, wird er sich dafür interessieren."

Zuhören und Zulassen

"In meiner Netzwerkstrategie ist das Ziel immer das persönliche Gespräch. Die Leute sitzen heute im Restaurant und reden nicht mehr, sondern schauen auf ihr Handy. Man kann aber nur durch das Gespräch Konflikte lösen. Ich will mit den Leuten selber reden, auch mit strittigen und widersprüchlichen Personen reden. Es muss möglich sein, andere Meinungen gelten zu lassen und einander zuzuhören. Das ist Demokratie. Wenn du schon von vornherein Leute ausschließt, wird das nichts."

Was KMU richtig machen können

"Leider wird beim Marketing oft als Erstes gespart. Dabei ist Marketing das Wichtigste überhaupt, absolute Chefsache, denn an dem Ort kommen Angebot und Nachfrage zusammen. Marketing wird oft mit Verkauf verwechselt. Ich halte Marketing für wichtiger als Verkauf, denn der Marketing-Manager muss ja sagen, wo der Verkäufer hinmuss. Der kriegt dann die Prämien, das ist eigentlich verrückt. Der Marketing-Manager bringt Kimme und Korn zusammen, der Verkäufer drückt ab. Wenn du aber dein Ziel aus den Augen verlierst, ist es schon aus."

Autor/in:
Stefan Böck
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