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Ali Rahimi Wurde 1964 in Teheran geboren und übersiedelte als Kind mit seinen Eltern nach Wien. Mit 21 gründete er während seines BWL-Studiums die erste Firma, die auf den Handel mit Designer-Tepppichen spezialisiert war. Seit 1990 ist er Geschäftsführer der Rahimi & Rahimi GmbH, die neben dem Teppichhandel  auch im Lebensmittelbereich, dem Immobiliengeschäft und als Beteiligungsunternehmen für Start-ups aktiv ist.

„Sind deine Freunde stark, bist du es auch“

13.04.2015

Ali Rahimi ist nicht nur einer der bekanntesten Teppichhändler der Welt, sondern auch einer der besten Netzwerker des Landes. Ein Gespräch über seine Kunst, Leute zusam­menzubringen, die Lehren seines Vaters und das Spalten von Vorurteilen.

Interview: Daniel Nutz
 

Es ist eines der bedeutendsten Teppichgeschäfte der Welt, das der gebürtige Perser Ali Rahimi in der Wiener Innenstadt führt. Das unterstreichen nicht nur die farbenprächtigen Teppiche an den Wänden, sondern auch die Konterfeis von Prominenten wie Bill Clinton, Ban Ki-moon oder Jane Goodall, die hier hängen. Hierher kommt man zum Schmökern, wenn man etwas mehr Budget für die Wohnraumgestaltung hat. Hierher kommt aber auch Prominenz aus Wirtschaft und Politik, um an den legendären Netzwerkveranstaltungen teilzunehmen. Dass der Chef ein guter Netzwerker ist, bekommen auch wir mit: Ali Rahimi betritt entspannt und gut gelaunt den Empfangsbereich. Er ist keiner, für den Interviews eine Art Pflichterfüllung sind. Er mag vielmehr Begegnungen, das merkt man. Im Nu kümmert er sich selbst um unsere Garderobe und bittet zu Tisch, wo schon Tee bereitsteht.

 

Schön haben Sie es hier. Was kostet ein Teppich?

Bei uns gibt es eigentlich für jede Brieftasche etwas. Das fängt bei 100 Euro an, der teuerste Teppich kostet so um die 400.000 Euro.

 

Aber man kann doch feilschen, oder?

Wenn ich Ihnen 30 bis 40 Prozent nachlassen will, muss ich sie Ihnen vorher aufschlagen. Wir haben darum gleich faire Preise. Ein bisschen Feilschen gehört aber natürlich immer dazu. Letztlich geht es ja darum, dass der Kunde den Laden mit einem guten Gefühl verlässt. Alle meine Mitarbeiter wissen, dass nicht ich deren Gehalt zahle, sondern immer die Person, die das Geschäft betritt.

 

Ich frage bewusst so dreist. Es gibt dieses Stereotyp, wonach man gut feilschen können muss, wenn man mit Persern Geschäfte macht.

Natürlich feilsche ich als Händler bei meinen Einkäufen. Das Wichtigste dabei ist, sich vorher zu informieren und den Markt zu kennen. Ich selber kaufe aber lieber um einen Euro zu teuer ein. Zu billig zu kaufen kann einem letztlich teuer zu stehen kommen.

 

Sie kamen als Kind mit Ihren Eltern nach Österreich. Wurden Sie im Geschäftsleben mit Vorurteilen Ihre Herkunft betreffend konfrontiert?

Ich habe das selbst nicht erlebt. Ich bin hier aufgewachsen, meine Eltern waren sehr liberal und haben sehr viel in meine Bildung investiert. Ich hatte die Möglichkeit, verschiedene Sprachen zu lernen, und daher nie Berührungsängste gegenüber anderen. Allgemein habe ich die Erfahrung gemacht, dass in der Wirtschaft diese Vorurteile nicht zählen. Es zählt die Leistung.

 

Vor fünf Jahren haben Sie den Verein „Wirtschaft für Integration" mitgegründet. Wieso das, wenn es keine Probleme gibt?

Ich sage nicht, dass es keine Probleme gibt. Alle Regierungen haben geschlafen, was den Erwerb der deutschen Sprache betrifft. Wir setzen darum gezielt auf Bildungsprojekte. „Sag es multi" ist so ein Projekt. Kinder müssen in ihrer Muttersprache und einer zweiten Sprache referieren. Jede zusätzliche Sprache ist doch ein riesiger Vorteil. Wir wollen auch dabei helfen, Vorurteile abzubauen. Schon Einstein sagte, es sei leichter, ein Atom zu spalten als ein Vorurteil. Genau hier kann die Wirtschaft aber mit einem eindeutigen positiven Beispiel vorangehen. Die Botschaft ist: Es wird Leistung bewertet, und nicht Herkunft. Wir verstehen die Ängste der Menschen. Egal, ob es um Arbeitslosigkeit bei Beschäftigten oder um die Angst vor Billiganbietern aus dem Osten bei Unternehmern geht. Diese Ängste lassen sich aber durch Fakten beseitigen. Wir schauen uns an, wie die Situation wirklich ist.

 

Fakt ist, dass die Wirtschaft Zuwanderung benötigt. Mit der „Rot-Weiß-Rot-Karte" sollen qualifizierte Zuwanderer angeworben werden. Funktioniert hat das nicht besonders gut. Sind Sie mit den Maßnahmen zufrieden?

Nein, diese Maßnahmen gehören verbessert und ausgebaut. Man braucht nur nach Deutschland zu sehen. Dort gibt es mehr Auswanderung als Einwanderung. Manche KMU können deshalb nicht mehr alle Aufträge annehmen. Das kostet tatsächlich Milliarden! Ich bin klar für eine qualifizierte Einwanderung. Es braucht Kenntnisse, und man muss auch so etwas wie die Hausordnung einhalten. Es ist ein Geben und Nehmen. Aber: Wenn wir nicht als Einwanderungsland attraktiver werden, ziehen die Einwanderer an uns vorbei in andere Länder. Man muss sich einmal überlegen, was das etwa für den Gesundheitsbereich bedeuten würde. Deshalb ist es so wichtig, die Angst vor dem Fremden zu nehmen. Das geht am besten mit handfesten Tatsachen. Haben Sie gewusst, dass die Kriminalitätsrate unter der türkischstämmigen Bevölkerung sehr gering und bei den Deutschen am höchsten ist?

 

Nein, wusste ich nicht. Aber Leute, die zu Pegida gehen, haben ja auch nicht Kriminalität im Fokus, sondern fürchten eher um den kulturellen Untergang des Abendlandes.

Natürlich geht es nicht, wenn ein Schüler sagt, dass er nicht von einer Frau unterrichtet werden will. Grundsatz unserer Demokratie ist die Gleichheit der Geschlechter. Aber auch hier geht es um Aufklärung. Ich kenne so viele Wirtschaftsbetriebe, die hervorragende Erfahrungen im täglichen Miteinander unterschiedlichster ethnischer und kultureller Gruppen haben.

 

Sie werden oft als Parademigrant dargestellt. Sehen Sie sich selbst so?

Ich fühle mich als Österreicher. Aber natürlich bin ich stolz auf meine persischen Wurzeln. Sie sind für mich ein Wettbewerbsvorteil. Mehrsprachigkeit ist ein großes Asset. Das muss ausgebaut werden. Man darf sich nicht für die Muttersprache genieren. Jede Sprache bietet zusätzliche Chancen.

 

Was nehmen Sie aus Ihrem persischen Hintergrund mit?

In Persien sagt man, du sollst gut reden, gut denken, gut handeln. Man muss auf die Leute zugehen. Wir alle haben die Fähigkeit zur Empathie ein wenig verlernt. In diesem Bereich kann man viel vom Orient lernen. Gäste sind dort Könige, und es gibt auch großen Respekt vor dem Alter.

 

Eben bin ich hier im Geschäft Ihrem Vater begegnet. Er war selbst auch Teppichhändler. Suchen Sie bei ihm noch Rat?

Auf jeden Fall. Seine Meinung ist mir wichtig. Obwohl wir auch manchmal unterschiedlicher Auffassung sind. Mein Vater war immer mein Freund. Er hat mich motiviert, indem er sagte, andere würden zum Mond fliegen, und ich schaffe nicht mal die Matura. Ich habe mich reingehängt und sie tatsächlich mit Auszeichnung bestanden. Er hat mich aber auch gelehrt, keinen Neid zu empfinden. Er hat mir beigebracht zu fragen, warum jemand anderer besser ist, und daraus zu lernen. Da geht es um eine gewisse Demut, die auch beim Umgang mit Geld wichtig ist. Zu viel Bares verdirbt.

 

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Ich musste einen ganzen Sommer in seiner Firma arbeiten, um das Geld für einen Roller abzuzahlen, den ich unbedingt haben wollte. Mein Vater hatte recht. Ich habe meine Vespa gehegt und gepflegt. Man betrachtet Dinge anders, wenn man sie hart erarbeitet hat, sie einem nicht in den Schoß fallen. Ich habe mir diese Zurückhaltung glücklicherweise bewahren können. Heute sage ich, dass ich mir alles dreimal leisten können muss, bevor ich es kaufe. Ich muss also 30.000 Euro auf der Seite haben, um mir etwas um 10.000 Euro zu kaufen.

 

Der bescheidene Ali Rahimi tritt in der Gesellschaft aber auch als großer Macher in Sachen Charity auf. Was ist dabei Ihr Antrieb?

Wenn man es im Leben gut hat, sollte man etwas weitergeben. Ich sehe das aber auch durchaus egoistisch, denn es bereitet mir Freude zu helfen. Ich fühle mich gut, wenn ich etwas für andere mache. Ich glaube, im Leben kommt vieles zurück.

 

Mal ehrlich, all die sehr erfolgreichen Charity-Veranstaltungen helfen doch auch beim Geschäftemachen?

Klar, das will ich gar nicht abstreiten. Aber man muss schon glaubwürdig sein. Sonst funktioniert das nicht. Beim ganzen Thema Netzwerken ist das Wichtigste, etwas zu tun, ohne konkret etwas davon haben zu wollen.

 

Ein guter Netzwerker erreicht etwas, ohne aufdringlich zu sein?

Donald Trump hat gesagt: „Du kannst Geld verlieren, aber du darfst nicht deinen Namen verlieren." Ich meine, es ist nicht wichtig, wen du kennst, sondern, wer dich kennt. Sind deine Freunde stark, bist du es auch.

 

Nicht jeder kann Bill Clinton, Sean Pen oder Ban Ki-moon zu seinen Freunden zählen. Wie schaffen Sie das?

Man lernt die Leute über Freunde kennen. Ich habe Bill Clinton über Gery Keszler, Sean Pean über Clinton, Ban Ki-moon über mein Engagement für die Uno kennengelernt. So ähnlich war es auch bei Jane Goodall. Das alte chinesische Sprichwort, wonach die Welt nur über acht Handschläge verbunden ist, stimmt!

 

Wenn man sich die Liste all Ihrer beruflichen und außerberuflichen Tätigkeiten ansieht, fragt man sich: Wie schaffen Sie das? Schlafen Sie nicht?

Ich mache diese ganzen Sachen gern. Das ist keine Anstrengung für mich. Es ist eher so etwas wie ein Hobby. Ich bin eben neugierig. Schaue, was funktioniert, und bringe gern Menschen zusammen.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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