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Sicher unterwegs

10.07.2018

Auf die rasant steigende Beschleunigung der Digitalisierung und die Bedrohungen auf der Straße reagieren Logistiker mit immer ausgefeilteren Systemen, die mehr Sicherheit versprechen. 

Sicherheit ist vielleicht der zentrale Begriff unserer Zeit. Entwicklungen wie Terrorismus und Kriminalität strahlen aus Politik und Gesellschaft in die Wirtschaft hinein. In der Firmenlandschaft treffen diese Verwerfungen auf den massiven Druck der Digitalisierung, mit der die Geschwindigkeit der Verarbeitung rasant und unaufhaltsam steigt, während nicht nur Computernetze, sondern ganze Fabriken und Lieferketten angreifbar werden. Logistiker trifft das besonders: Sie sind jeden Tag auf vielen Märkten für ganz verschiedene Industrien unterwegs, müssen mit jeder Neuerung Schritt halten und bekommen gleichzeitig alle Schwierigkeiten ihrer Kunden mit – während ihre Arbeit exakt und zeitgenau sein muss.

Überwachung wird immer leichter Systeme und Lösungen für bessere Abläufe und mehr Sicherheit sind daher in diesen Tagen in der gesamten Bandbreite der Logistik ein zentrales Thema. Breit aufgestellte Speditionen suchen genauso intensiv nach Antworten wie hoch spezialisierte Anbieter. Ein Blick in die Unternehmen zeigt: Alle Lösungsansätze sind in irgendeiner Form digital. Und sehr viele Sicherheitssysteme haben eine Schattenseite: Mit dem Tracking jeder Lieferung und mehr Sicherheit unterwegs lässt sich auch jeder einzelne Schritt jedes beteiligten Mitarbeiters immer bequemer überwachen. Der Streifzug beginnt mit der Intralogistik mitten im Lager und schließt mit der Ankunft beim Kunden.

Systeme für mehr Sicherheit im Lager Der Hamburger Weltkonzern Jungheinrich ist vor allem für seine Gabelstapler bekannt – doch Jungheinrich bietet auch zahlreiche Lösungen im Bereich Intralogistik. In diesen Wochen präsentiert der Hersteller der Fachwelt neue Assis­tenzsysteme, die die Sicherheit an den besonders kritischen Punkten im Lager erhöhen sollen. Zum Beispiel haben die Hamburger ein System aus Digitalkameras entwickelt, die dem Fahrer je nach Wunsch den Blick nach vorne, nach hinten oder von oben bieten – und eine gute Sicht auch bei Nebel, Dämmerlicht oder schlechter Luft. Ein anderes System besteht aus einem Funkmodul am Gabelstapler und sogenannten Funkankern, die an ausgewählten Stellen im Lager angebracht sind. Rund um einen solchen Anker wird ein kreisrundes Funkfeld aufgebaut. Fährt der Fahrer zu nah an den Punkt heran, bremst das Fahrzeug von allein. Das eigentlich Besondere dabei ist die Ultra-Breitband-Funktechnologie, die eine Genauigkeit von wenigen Zentimetern ermöglicht. Dazu kommt ein „Plattform“-Gedanke: Unterschiedliche Schutzsysteme lassen sich modular nutzen und miteinander kombinieren.

Lagerhäuser lernen denken Der Grazer Intralogis­tiker Knapp arbeitet gerade an unterschiedlichen Systemen, die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit in der Produktionslogistik erhöhen sollen. Das Schlagwort hier lautet „Smart Warehouse“. Einen hohen Anteil daran hat dabei die Firmentochter Ivii, die für Bilderkennung und Bildverarbeitung zuständig ist. Auch hier spielen die „Open Shuttles“, eines der bekanntesten Produkte von Knapp, eine zentrale Rolle. Die kleinen fahrenden Kisten lassen sich ohne optische oder physische Hilfen in eine bestehende Umgebung einfügen und bieten so „maximale Sicherheit für Personen und Inventar“, heißt es beim Hersteller. Ein anderes Beispiel ist ein „intelligentes Feedback-System“. Das System soll Mitarbeiter im Montageprozess unterstützen, aber auch den Zusammenbau live überwachen und sofort lospfeifen, wenn etwas nicht passt. Sowohl das Assistenzprogramm für die Montage also auch die „Open Shuttles“ sind als Elemente eines umfassenden intelligenten Lagersystems gedacht, das in Größe und Funktion skalierbar ist.

Ladungssicherung: Ab 2019 noch wichtiger Verlässt das Gut das Lager und geht in den Transport, wird das Thema Ladungssicherung wichtiger denn je. Fehler würden Betriebe in Österreich jedes Jahr Millionenbeträge kosten, hieß es bei der WK-Bundessparte für Transport und Verkehr am vergangenen Symposium für Ladungssicherung in Wien. In diesem Zusammenhang hat Spartenobmann Alexander Klacska vor allem auf die Gefahr einer Eintragung in europaweiten Kontrollbanken hingewiesen. Denn die Ladungssicherung komme ab Mai 2019 zur elektronischen Risikobewertung von Unternehmen dazu. Wer für die richtige Sicherheit sorge, bleibe aber von einer Eintragung verschont – und damit auch vor häufigeren Kontrollen.

Schutz unterwegs Dass richtig teure Ware geschützt gehört, liegt auf der Hand. Fachverbände schätzen den Schaden durch Transportdiebstähle in Europa auf 30 Milliarden Euro pro Jahr – mindestens. Die Vorarlberger Gruppe Gebrüder Weiss hat sich darauf spezialisiert, genau diese Sicherheitslücke zu schließen. Im Vorjahr wickelten die Vorarlberger rund 50.000 Komplettladungen bei besonders hohen Sicherheitsanforderungen ab. Der Ablauf: Interne Experten des Unternehmens erstellen mit dem Kunden eine Risikoanalyse zum Wert der Ware und dazu, wie riskant die Route ist. Für Zwischenstopps kommen dann nur besonders gut bewachte Parkplätze in Frage. Außerdem bietet die Spedition bei Bedarf extra ausgestattete LKW mit Sicherheitsschlössern und Türöffnungskontakten, Alarmsystemen und sogar „sicherheitsüberprüfte“ Fahrer.

Sicherer Rastplatz Für alle Lastwagenfahrer sind Kriminalität auf Rastplätzen und vor allem fehlende Parkplätze ein großes Problem. Wer nicht kilometerlang nach einem Parkplatz suchen will, kann jetzt das Programm „Bosch Secure Truck Parking“ nutzen, das der Zulieferer zusammen mit Gebrüder Weiss entwickelt hat. Über das System können Gewerbetreibende ihre Parkplätze anbieten. Nur LKW, die diese vorher buchen, können auch das Firmentor passieren. Damit verdienen die Betriebe mit ihren leer stehenden Parkplätzen Geld und bieten gleichzeitig einen sicheren Stellplatz für die Fahrer. Und auch eine nervenaufreibende Suche gibt es nicht mehr.

Genaue Checks bei der Ankunft und Abfahrt Sicheres Einfahren und Ausfahren ist auch am Wiener Hafen ein Thema. Die trimodale Logistikdrehscheibe, an der pro Jahr rund 405.000 Container umgeschlagen werden, hat zuletzt ihre LKW-Abfertigung massiv digital aufgerüstet. Dabei registriert ein für den Hafen maßgeschneidertes System die LKW bei der Einfahrt und gleicht die Daten mit den schon vorher hinterlegten Kundendaten ab. Das passiert mit einer App, über die der Frächter oder der Fahrer sich und die Ladung „ankündigt“. Wie an modernen Flughäfen gibt es auch einen „Self-Check-In“, über den Fahrer sich in neun Sprachen anmelden können und dann automatisch einen Halteplatz zugewiesen bekommen. Wenn schließlich ein LKW das Hafenareal verlässt, wird er mit einer hochauflösenden Kamera fotografiert. Digitale optische Erkennungsprogramme vergleichen dann dieses Foto mit den gespeicherten Daten in der Datenbank – und nur wenn beide übereinstimmen, kann der Lastwagen weg. Sicher ist sicher.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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