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Ronaldinho sorgt für Bewegung

28.04.2006

Nach dem Willen der FIFA ist HDTV der TV-Übertragungsstandard für die Fußball-WM, die im Juni in Deutschland stattfindet. High-Definition-TV soll Fußballbegeisterten ein völlig neues Fernseherlebnis ermöglichen. Die Hersteller erwarten sich einen beschleunigten Austausch der alten TV-Apparate durch HD-Fernsehgeräte und Settop-Boxen. Von Klaus Lorbeer

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"Es waren immer wieder Großereignisse, die neuen Technologien zur Einführung in den Markt verhalfen", sagt Michael Weis, Marketing Manager Sound & Vision bei Philips Austria. Ein Paradefall ist kommende Fußball-WM in Deutschland, die einem neuen Fernsehstandard, nämlich HDTV (High Defintion TV), zum Durchbruch verhelfen soll. Nicht zuletzt deswegen ist Philips einer der Hauptsponsoren dieses Sportereignisses und zeichnet für die Lichttechnik in den meisten Stadien verantwortlich. Zudem stammt die Vidiwall beim Brandenburger Tor in Berlin vom niederländischen Elektronikkonzern. Doch Philips ist nicht das einzige Unternehmen, das sich von der WM Kaufanreize in Richtung HDTV erwartet. Anbieter von HDTV-Flachbildschirmen, egal ob LCDs oder Plasma, wie Samsung oder Panasonic stehen mit ihren Produkten ebenfalls in den Startlöchern.

HDTV ersetzt PAL
Gegenwärtig heißt der Fernsehstandard in den meisten europäischen Ländern PAL (Phase Alternating Line), bei dem 576 sichtbaren Bildzeile (720 x 576 Pixel) bei einer Bildwiederholfrequenz von 50 Hz (also 50 Mal in der Sekunde) übertragen werden. HDTV bietet eine höhere Auflösung: Zur Auswahl stehen laut Weis zwei Modi, einer mit 720 und ein anderer mit 1.080 Bildzeilen. Im ersten Fall wird das Bild "progressive", d.h. Zeile für Zeile aufgebaut, im zweiten Fall "interlaced", d.h. es werden so wie bei PAL abwechselnd alle geraden und dann die ungeraden Zeilen aufgebaut. Das menschliche Auge bemerkt diesen Trick nicht. Allerdings werden bei der 720-Zeilen-Version 50 Bildern in der Sekunde übertragen, bei der 1.080-Variante jedoch nur 25 Bildern pro Sekunde. Überdies soll es auch progressive 1.080-Varianten mit 25 und auch mit 50 Bildern pro Sekunde geben. Durch HDTV wird also die Bildqualität um das Vier- bis Fünffache gesteigert - wie allerdings auch die Datenströme, die es zu übertragen gilt. Die Datenrate bei HDTV liegt bei rund 25 Megabit pro Sekunde, bei PAL beträgt sie bloß zwischen vier und sechs MBit/s. Deswegen kommt Komprimierungsverfahren, wie MPEG-2 und MPEG-4, bei der Übertragung eine hohe Bedeutung zu.

Gütesiegel als Kaufhilfe
Ein Logo-Programm, das von der 1999 gegründeten EICTA (European Information & Communications Technology Industry Association) ins Leben gerufen wurde, soll Konsumenten bei der Wahl der richtigen Geräte helfen. Standardkonforme Geräte werden durch das Logo "HD ready" und "HDTV" ausgezeichnet. Diese müssen 720 Bildzeilen im 16:9-Format darstellen können sowie einen HDMI- beziehungsweise DVI-Eingang und einen Komponenten- (YUV)-Anschluss besitzen. Gerätebezeichnungen wie "HD-kompatibel" oder "HD-fähig" sind nicht genormt, vom Kauf solcher Geräte ist abzuraten.

Philips setzt auf Technikmix
Mit der im belgischen Brügge gefertigten neuen Candeos-Produktreihe von Highend-Flachbildschirmen hat der europäische Hersteller Philips eine neue Marke geschaffen, die durch eine Vielzahl neuer Techniken die Herzen von Fußballfans und anderer Fernsehbegeisterter erobern soll. So wurde die Bildoptimierungstechnik Pixel Plus 2 HD verbessert: Die neue Version heißt Pixel Plus 3 HD und arbeitet jetzt bis zu vier Mal schneller als bisher. Technologien wie "Clear LCD" oder "Scanning Backlight" statt "Static Backlight" sollen dafür sorgen, dass Schwenks nicht ruckelnd erscheinen und dass der Ball im Flug nicht verschwommen, sondern gestochen scharf wahrgenommen werden kann. Zudem erklärt Marcel Godfroy, Product Strategy & Marketing Manager Flat TV, dass 25 Bilder pro Sekunde eigentlich zu wenig seien und 50 Bilder besser wären. Während laut Godfroy andere Hersteller deswegen die Bilder verdoppelten, um 50 Bilder in der Sekunde darzustellen, würde Philips die dazwischen liegenden Bilder errechnen und so auf 50 verschiedene Bilder und damit auf eine höhere Qualität kommen.

Bis 2010 174 Millionen HDTV-Haushalte
Nach einer Studie des Berliner Beratungsunternehmens Goldmedia und des Marktforschungsinstituts Screen Digest gab es Ende 2005 zwei Millionen "HD-ready"-Haushalte in Europa. Obgleich HDTV auf lange Sicht erfolgreich sein wird, sehen die Marktforscher den Durchbruch der neuen Technik noch nicht zur Fußball-WM gekommen. Ein Grund ist die verspätete Verfügbarkeit der neben dem HDTV-Fernsehgerät benötigten "HD-ready"-Settopboxen. Diese hätten bereits zum Weihnachtsgeschäft im Handel sein sollen, wurden aber erst im März ausgeliefert.
Aber bis zum Jahr 2010 erwarten die Marktforscher, dass rund 66 Millionen Haushalte mit HDTV-Geräten ausgestattet sein werden. Zudem soll es bis 2010 etwa 100 TV-Sender allein in Europa geben, die ihr Programm in HD-Qualität ausstrahlen. Gegenwärtig gibt es weltweit 67 HDTV-Sender, 2010 sollen es 200 sein.
Derzeit ist HDTV in zwölf Ländern verfügbar, nämlich die USA, Kanada, Japan, Australien, Südkorea, China, Deutschland, Österreich, Schweden, Finnland, Dänemark und Norwegen. Bis zum Jahr 2010 schätzen die Marktbeobachter die Gesamtzahl an HDTV-Haushalten weltweit auf 174 Millionen beziehungsweise 22 Prozent der TV-Haushalte. In den USA werden 59 Prozent der TV-Haushalte HDTV-Geräte haben, in Japan 66 Prozent und in Europa 30 Prozent der Haushalte mit Fernseher.
(5/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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