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Rohdiamant im Wirtschaftsgefüge

11.06.2018

Leistungen, Herausforderungen und Irrglauben - ein Gastkommentar von Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender des Senat der Wirtschaft, über den heimischen Tourismus. 

Er ist ein echter Wirtschaftsmotor, sogar oftmals die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen. Er ermöglicht es Kulturgüter zu erhalten, die Natur zu pflegen, Traditionen erlebbar zu machen. Er ist immer wieder Basis für Innovationen und Kreativität und er fördert, durch das Begegnen vieler Kulturen und unterschiedlicher Menschen, die Toleranz. Wenn ich jetzt frage, wovon ich spreche, würden es viele wahrscheinlich nicht erraten: Ich spreche vom Tourismus – der uns allen leider viel zu selbstverständlich geworden ist. Er ermöglicht all das, was ich eingangs erwähnt habe und noch viel mehr. Trotzdem wird in der Debatte z.B. über Auswirkungen kultureller Einflüsse vorwiegend über Gefahren diskutiert, ohne die Chancen zu betrachten. Denn Tourismus ist mehr als ein Hotel, ein Restaurant, ein See oder das Meer. Dabei werden viel zu oft jene, die im Tourismus arbeiten, als „Leidende“ hingestellt, da sie nicht nur am Wochenende, sondern auch abends arbeiten müssen. Ist Freizeit aber das Einzige, was zählt? Nur wer soll dann die nötige Arbeit verrichten? Haben wir verlernt, positiv zu denken?

Wenn sogar der beste Koch Österreichs und Eigentümer eines der besten Restaurants der Welt, Heinz Reitbauer, vom Steirereck in Wien, darlegen muss, dass er kaum mehr Mitarbeiter findet und darüber hinaus ganze Regionen ihre Gäste nicht mehr optimal bedienen können, da sie kein Personal finden, dann läuft etwas falsch in der Diskussion um die Tourismuswirtschaft. Denn an der Bezahlung allein kann es nicht liegen. Da sind die Gehälter, inklusive dem steuerfreien Trinkgeld, durchaus attraktiv geworden. Unsere freizeitverliebte Gesellschaft will auf Händen getragen, in einer intakten Natur mit regionalen Produkten verwöhnt und stets aufmerksam bedient und bespaßt werden. Sie bringt aber all jenen, die sich bemühen all das zu gewährleisten, kaum mehr Wertschätzung entgegen. Denn kosten soll es schließlich wenig. Das kann sich nicht ausgehen. Wenn wir so weiter tun, dann wird es noch weniger Menschen geben, die sich diese schöne Arbeit aussuchen. Aber wer soll dann die Natur, Kulturgüter und Traditionen pflegen? Auch heimische Produkte wachsen nicht von allein. Wenn wir die, die im und für den Tourismus arbeiten, beginnen Wert zu schätzen und uns bewusst werden, dass unsere Lebenslust, Umwelt, Kultur - ja jedes Essen - sehr stark von ihnen abhängt, kann es gelingen diesen Rohdiamanten, der einen großen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg und Ansehen Österreichs hat, wieder zum Glänzen zu bringen. Denn seine Gäste zu verwöhnen und umgekehrt dem Personal entsprechend seine Wertschätzung entgegenzubringen, ist nichts Verwerfliches, sondern etwas sehr Schönes.

Die Politik hat mit der Rücknahme der erhöhten Mehrwertsteuer bereits einen ersten Schritt getan, um Investitionen wieder möglich zu machen. Nun muss die Entbürokratisierung folgen, bevor die Betriebe daran ersticken. Es gibt kaum eine Branche, wo man so unmittelbar unterschiedlichste Menschen zusammenführen und Toleranz lernen kann. Gebt dieser Branche Mut zum weitermachen.

 

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