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Reifezeit

26.07.2018

Sommer ist die Zeit des Reifens. Was können wir vom Sommer für das Unternehmen lernen? Dass es Zeiten gibt, wo nichts Neues mehr kommt und wo noch nicht geerntet wird.

Die Sonne hat ihren höchsten Punkt erreicht. Die Tage werden wieder kürzer, doch die Hitze steht im Land. Die kürzer werdenden Tage verhindern, dass die Glut die Ernte vernichtet. Pflanzen, die im Frühjahr in die Höhe geschossen sind, stellen ihr Höhenwachstum ein und investieren jetzt in die Früchte. Aus den Blüten werden Zwetschken, Nüsse, Äpfel. Die Natur zeigt sich in ihrer Fülle, und jeder Baum und jeder Strauch fragen: „Darf’s ein biss­chen mehr sein?“ 

Wir können die Natur beim Wort nehmen und von ihr für unser Leben und unser Business Anleihen nehmen. Nutzen wir doch den Sommer, um uns Sommerfragen zu stellen.

Was wird denn gerade reif im Unternehmen? Wird es überhaupt reif? Es ist ja ein Fluch des hohen Tempos im Geschäftsleben, dass wir Dinge nicht ausreifen lassen, dass wir ihnen nicht Raum und Zeit geben, in Ruhe zu gedeihen und saftig und fett zu werden. Immer muss alles schnell gehen, und dann wollen wir auch schon ernten, obwohl die Früchte noch klein und unergiebig sind. Können wir noch warten und auf den Sommer vertrauen? Jetzt eskaliert in der Natur die Entfaltung, und sie braucht Zeit. Einen ganzen Sommer lang. Ernte kommt später.

Was also können wir jetzt noch tun, um aus den Blüten Früchte zu machen und aus den Früchten saftiges Obst? Wie können wir jetzt noch Mitarbeiter in ihren Projekten unterstützen? Gehen wir als Verantwortliche im Unternehmen auch wirklich verantwortlich mit den Pflänzchen in unserem Garten um? 

Der Frühling, jene Jahreszeit höchster Kreativität, wo alles entsteht und geboren wird, liegt hinter uns. Es geht nicht darum, wieder und wieder etwas Neues zu beginnen, sondern Ja zu sagen zu dem, was schon da ist. Es ist die Zeit für Teambuilding, Betriebsausflüge, Sommergespräche und generell für eine Kultur des Miteinanders. Konsolidierung statt Kreation. Weder wird etwas geboren, noch wird geerntet. Das erfordert auch Geduld, und die Sommerhitze hilft uns dabei. Mit gutem Grund werden Sommerurlaube geplant und Sommerfeste gefeiert. 

Im Sommer werden Dinge fertig gemacht, und es werden sich dadurch auch jene Dinge zeigen, die nicht fertig werden können. Ja, auch das gibt es. Aus den Blüten sind Früchte geworden, wie auf dem alten Zwetschkenbaum in unserem Garten, doch es lässt sich fast schon absehen, dass die Kraft diesmal nicht reichen wird, dass sie groß und blau werden. Ich kann nichts dagegen tun. Die Zwetschken werden nicht blau davon, dass ich sie anbrülle und an ihnen reibe. Sommer heißt erkennen. Ich sehe an den Früchten, was ich an den Blüten zuvor noch nicht sehen konnte. Das wird etwas. Das wird nichts. Wir werden sehen. Es heißt, unterstützen wo es geht, und akzeptieren, dass es manchmal nicht geht. Noch ist es zu früh für den Ernteschnitt, aber die Tendenz zeigt sich. 

Sind wir an unserer Vision und an unseren Zielen nahe dran? Werden wir ernten können? Wo braucht es noch Unterstützung? Haben meine Leute alles, was ihnen hilft? Will ich zu viel? Nehme ich mir für mich selbst eigentlich ausreichend Reifezeit? Es ist Zeit für die Sommerpause.

Autor/in:
Harald Koisser

schreibt philosophische Bücher und 
ist Herausgeber des Mutmacher-Magazins „wirks“. 
www.wirks.at, www.koisser.at

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