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Rasen oder Schleichen?

06.06.2019

Egal ob Cloudcomputing, Onlinebanking, E-Commerce, IoT oder Industrie 4.0 – ohne rasche Datenübermittlung geht heute in Unternehmen gar nichts mehr. Doch wie happy sind Österreichs Unternehmen mit dem Status quo und wie rasch geht der Ausbau der Infrastruktur voran? Ein Überblick.

5G IM ÜBERBLICK

Welche Eigenschaften der neue Mobilfunkstandard bringt:

  • Datenraten bis zu 20 Gbit/s  
  • Nutzung höherer Frequenzbereiche
  •  Erhöhte Frequenzkapazität und Datendurchsatz
  • Echtzeitübertragung, weltweit 100 Milliarden Mobilfunk geräte gleichzeitig ansprechbar
  • Latenzzeiten von unter 1 ms
  • Kompatibilität von Maschinen und Geräten

     

Kritikpunkte:

  • Gesundheitliche Risiken unzureichend erforscht
  • Größeres Risiko von Cyberattacken
  • Hoher Aufwand für wöchentliche Soft wareaktualisierungen

Eine wienweite Umfrage der Wirtschaftskammer Wien unter 1.000 Unternehmen brachte Mitte Mai ein äußerst ernüchterndes Ergebnis. Fast 40 Prozent der Unternehmen Wiens sind mit der Leistung ihrer Internetverbindung wenig oder gar nicht zufrieden. Die Hauptkritikpunkte der Betriebe: zu langsam, zu häufige Störungen. Was im privaten Bereich, etwa beim Streaming von Serien, nur richtig lästig ist, hat bei Unternehmen weitreichendere Konsequenzen. Nutzen doch Unternehmer das Internet nicht mehr nur für E-Mails, Browsen oder Onlinebanking, sondern immer öfter auch für Cloudcomputing-Anwendungen. 58 Prozent versenden große Dateien wie Pläne, Fotos oder Druckunterlagen. 62 Prozent nutzen es laut der Umfrage für den Datenaustausch mit Behörden. Entsprechend hoch sind auch die qualitativen Erwartungen an die Internetverbindung. 73 Prozent wünschen sich „Verfügbarkeit und Ausfallssicherheit“. 52 Prozent benötigen eine garantierte Bandbreite. Das schnelle Laden von Seiten ist 21 Prozent der Unternehmen wichtig.

Nicht ohne mein Internet

Welchen Stellenwert das Thema aus Sicht der Unternehmen hat, belegen auch die Zahlen des Infrastrukturreports Future Business Austria. Darin zeigt sich, dass die für Österreich zukunftsrelevantesten Infrastrukturbereiche aus Sicht der Befragten die Bereiche IT und IKT (91 und 86 Prozent) sind. Nach Schätzungen der Manager beträgt das Produktivitätssteigerungspotenzial durch neue digitale Anwendungen enorme 15,5 Prozent. Gemessen am BIP des Jahres 2017 ist damit zusätzliche Wertschöpfung in der Höhe von rund 57 Milliarden Euro für den Standort Österreich möglich. Stellt man diese zusätzliche jährliche Produktivitätssteigerung in Relation zu den – einmaligen – Kosten des flächendeckenden Breitband- und 5GAusbaus in Österreich in der kolportierten Höhe von rund zehn Milliarden Euro, wird deutlich, wie bedeutsam der Ausbau der digitalen Infrastruktur für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts ist. Wird zu wenig in diese Bereiche investiert, befürchten laut dem Report 83 Prozent der Manager, dass der Wirtschaftsstandort zurückbleibt, Das zentrale Ergebnis des FBA-Infrastrukturreports macht deutlich, dass ausreichende Investitionen in Breitband und 5G die existenziellen Grundlagen für die erfolgreiche digitale Transformation des Standorts sind.

Mehr Speed, bitte!

Der Bedarf ist klar, stellt sich nur wie immer die Frage, wer den Ausbau vorantreiben soll. Womit die großen Telekomanbieter ins Spiel kommen. Die seit wenigen Wochen unter dem neuen Namen Magenta firmierende T-Mobile hat ein klares Bild der Lage: Eine starke, verlässliche Infrastruktur müsse heute nicht nur große Datenmengen transportieren. Sie sei auch die treibende Kraft der Digitalisierung, ein Sprungbrett für Innovation und Wegbereiter zur Gigabit-Ära. Doch geht der Ausbau wirklich so schnell voran, wie die Menge der Daten wächst? Man arbeitet jedenfalls heftig daran und verweist auf rund eine Million Haushalte und Büros in Wien, die mit Download- Geschwindigkeiten bis zu einem Gigabit pro Sekunde im Internet surfen können. Zumindest die Bundeshauptstadt soll damit einen Digitalisierungs-Spitzenplatz unter den EU-Hauptstädten einnehmen. Auch wenn die von der Wirtschaftskammer befragten Betriebe davon nur wenig zu merken scheinen. Doch konkrete Hoffnung auf eine Verbesserung bei den Unternehmen machen die Bemühungen rund um den Ausbau der Mobilfunkstandards 5G. Ende März 2019 hat Magenta Telekom den Startschuss für den Echtbetrieb eines 5G-Netzes gegeben. Die ersten 5G-Download- Speedtests erreichten über zwei Gigabit pro Sekunde, in Zukunft soll es noch deutlich mehr werden. Allesamt Maßnahmen, die sich der Telekomriese einiges kosten lässt. Insgesamt eine Milliarde Euro investiert Magenta von 2018 bis 2021, um eine leistungsfähige mobile wie fixe Breitbandinfrastruktur für Österreich zu gewährleisten.

Beim zweiten großen Player am heimischen Markt, A1, ist man ebenfalls intensiv mit dem Thema beschäftigt. A1 baut das Glasfasernetz laufend aus und investiert jedes Jahr rund 500 Millionen Euro in den Ausbau der digitalen Infrastruktur, wie von Unternehmensseite versichert wird. Allein im Vorjahr wurden mehr als 5.000 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und die Anbindung von mehr als 300.000 Haushalten und Gewerbetreibenden verbessert. Daneben baut A1 auch die Kapazität der Rechenzentren aus.

Stadt oder Land, Kabel oder Funk?

Wann die diversen Bemühungen spürbare Früchte tragen werden, ist letztlich auch eine Frage, wo man sich innerhalb von Österreich befindet. Denn nicht in jeden Ort am Land wird Glasfaser verlegt. Vielmehr setzt etwa Magenta auf eine Kombination aus Glasfaserausbau und 5G. In urbanen und suburbanen Gebieten will das Unternehmen bestehende Glasfasernetze weiter verbessern. Im ländlichen Raum soll dagegen ein rascher 5G-Ausbau ein ultraschnelles Breitband in die Büros bringen. Mit einer großflächigen 5G-Verfügbarkeit sei laut Magenta ab 2022 zu rechnen. Ein wenig müssen sich leidgeprüfte Betriebe also noch gedulden. Die fünfte Mobilfunkgeneration soll übrigens weit mehr als nur die weitere Beschleunigung von mobilem Internet bringen. Können doch das Internet der Dinge, Industrie 4.0 und Smart Cities mit intelligenten, autonomen Fahrzeugen zukünftig mit 5G verlässlich betrieben werden. Zudem soll der neue Standard dafür sorgen, dass sehr große Datenmengen transportiert werden können, wie sie von Anwendungen der Virtual und Augmented Reality benötigt werden. Womit auch diversen neuen Geschäftsmodellen technisch nichts mehr im Wege stehen würde. Geht es doch nicht nur um hohe Datenraten, sondern auch um minimale Reaktionszeiten, die für die zukünftige Vernetzung wichtig sind. Und daran, dass wir hier erste am Anfang stehen, lassen diverse Studien keinen Zweifel: Bis 2020 sollen weltweit 50 Milliarden vernetzte Geräte in Betrieb sein. Ohne eine verlässliche, schnelle Infrastruktur unmöglich. Eine Anforderung, bei der es noch viel Raum nach oben gibt. Denn ein Vergleich der OECD bescheinigt Österreich weiterhin Aufholbedarf und somit Wachstumspotenzial.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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