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Quoten sind beleidigend

11.10.2002

1978 hat Hilde Schwarzkopf die Verantwortung für Plansee übernommen. Heute genießt das Industrieunternehmen Weltgeltung, beschäftigt in Europa, Amerika und Asien 4.450 Mitarbeiter, davon 2.000 in Reutte im Tiroler Außerfern. Hilde Schwarzkopf feierte kürzlich ihren 70. Geburtstag. "die Wirtschaft" sprach mit der Unternehmerin über ihr Lebenswerk.
Das Gespräch führte CHRISTINE BÖGÖTHY

Die Wirtschaft
Frau Schwarzkopf, Sie wurden vor kurzem mit dem großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Damit wurde Ihr Lebenswerk gewürdigt. Macht Sie das stolz?

Schwarzkopf: Ich habe mir eine so hohe Auszeichnung weder erwartet, noch gewünscht und nie damit gerechnet, dass ich so etwas je bekommen werde. Ich habe mich aber riesig gefreut. Stolz bin ich auf das gute Betriebsklima und darauf, dass es mir in all den Jahren gelungen ist, Konsensfähigkeit in den leitenden Gremien zu erhalten. Das ist nämlich nicht selbstverständlich.

Als Sie 1978 - nach dem Tod Ihres Mannes - als vierfache Mutter in die Firma eingetreten sind, muss das wohl eine große Belastung gewesen sein?

Schwarzkopf: Der erste Rundgang war sehr schwer. Doch ich habe versucht, alles Negative zu eliminieren und die Aufgabe als riesige Herausforderung betrachtet und nicht als Belastung. Erwähnen möchte ich, dass ich mit meinem Mann, den ich 1954 geheiratet habe, ein wunderschönes gemeinsames Leben geführt habe. Er hat mich immer teilhaben lassen an seinen Ideen und Projekten. Ich war oft in der Firma und wusste über vieles Bescheid. Unser damaliger Aufsichtsratpräsident, Walther Kastner hat mich gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Rudolf Machenschalk ermutigt, die Aufgabe zu übernehmen. Vor allem die Belegschaft hat mich gebraucht.

Wie sind Sie mit dieser Doppelbelastung umgegangen, und wie viel konnten Sie delegieren?

Schwarzkopf: Meine Kinder habe ich selbst großgezogen, ohne Kindermädchen. Als mein Mann starb, war meine jüngste Tochter erst sechs Jahre alt und da mussten dann schon manchmal die älteren Geschwister einspringen. Ich habe mir die Zeit immer gut eingeteilt und versucht, abends daheim zu sein. Ich bin wirklich stolz darauf, dass aus meinen Kindern etwas geworden ist.

Wie haben Sie Ihren 70. Geburtstag gefeiert?

Schwarzkopf: Neben dem offiziellen Teil mit Empfang usw. mit der Familie. Es gab ein Abendessen, das wir gemeinsam kochten. Meine Kinder haben zusätzlich einen Ausflug für die ganze Familie (16 Personen) nach Prag organisiert und nach Aussig, wo ich geboren bin.

Ihr Sohn, Michael Schwarzkopf, wurde 1996 zum Vorsitzenden Vorstand der Plansee Gruppe bestellt, was machen die anderen "Kinder"?

Schwarzkopf: Meine jüngste Tochter, Arabella, hat in den USA studiert und das Rochester Institute of Technologie mit Auszeichnung abgeschlossen. Sie lebt als selbständige Fotografin in Wien. Meine beiden anderen Töchter haben ebenfalls studiert und sind verheiratet. Ich bin bereits achtfache Großmutter.

Das Büro ihres Sohnes liegt unmittelbar neben dem Ihren und Sie selbst sind aktiv am Firmengeschehen beteiligt. Ergeben sich daraus Konflikte?

Schwarzkopf: Nein, absolut nicht. Im normalen Tagesgeschäft bin ich nicht verankert, die Leitung ist Aufgabe meines Sohnes. Ich werde aber immer über alle wichtigen Belange informiert und in die Entscheidungen eingebunden, hier und in unserer Firma in Amerika.

Gab es auch Niederlagen in ihrem Leben?

Schwarzkopf: Anfang der 90er Jahre erlitten wir einen großen Einbruch. Durch den Krieg im Irak waren praktisch über Nacht viele Geschäfte abgeschnitten. Es war eine schwierige Zeit, die wir aber mit Hilfe unserer motivierten Mitarbeiter bewältigen konnten. Ich hoffe dennoch, dass sich so etwas nie mehr wiederholt.

Sie selbst bringen Ihre Erfahrung in verschiedenen Gremien der Bundeswirtschaftskammer ein und sind Vizepräsidentin der Industriellenvereinigung. Welche Rolle spielt die Politik für Sie?

Schwarzkopf: Ich war nie politisch tätig, interessiere mich aber sehr für die Geschehnisse. Schließlich treffen die weltweiten Ereignisse und Kriege meist auch den Konzern. Zu den Ereignissen im Nahen Osten kann ich nur sagen, dass ich es traurig finde, dass die Menschen aus der Geschichte nichts gelernt haben. Es hat sich nichts verändert, außer, dass heute mehr über die Dinge gesprochen wird. Terror ist bestimmt die falsche Antwort auf Probleme. Lösungen müssten aus der betreffenden Region kommen, aber ich fürchte, dass dies nicht der Fall sein wird.

Mit 70 Jahren verfügen Sie über viel Lebenserfahrung. Glauben Sie, dass sich die Rahmenbedingungen für berufstätige Frauen verbessert haben? Was sollte ihrer Meinung nach in Zukunft geschehen, dass Frauen Beruf und Familie besser unter einen Hut bringen können?

Schwarzkopf: Es war und ist schwierig, erfolgreich im Beruf zu sein und eine Familie zu betreuen. Da hat sich nicht viel verändert, obwohl man heutzutage versucht, es den Frauen leichter zu machen. Es kostet trotzdem viel Energie und Organisationstalent, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Leider bleiben in manchen Fällen die Kinder auf der Strecke, weil sie zuwenig Zuwendung bekommen. Beruflich erfolgreiche Frauen sind meist besser als Männer. Das klingt vielleicht übertrieben emanzipiert, aber das bin ich nicht und war ich auch nie. Ich empfinde es auch als beleidigend, wenn man mir eine bestimmte Position anbietet, weil ich eine Frau bin. Wenn man mich wegen meiner Leistung irgendwo haben möchte, so ist das in Ordnung, wenn man aber nur den Quotenanteil erhöhen möchte, ist das eine Beleidigung.

Gibt es einen typisch weiblichen Führungsstil?

Schwarzkopf: Ja, natürlich. Richtige Frauen führen mit Intuition, Gefühl und Fingerspitzengefühl. Wenn Frauen versuchen, männliche Eigenschaften zu kopieren, dann ist das sicher falsch. Ich meine damit, eine Frau muss sich durch ihre Art Respekt verschaffen und durch ihre Leistung, aber sie kann nicht sein wie ein Mann.

Wie hat man sich das Leben einer Dame in Ihrer Position
vorzustellen?

Schwarzkopf: Ich stehe gegen sechs Uhr auf. Die Morgenstunden gehören meinen beiden Hunden und den zwei Katzen. Wenn keine anderen Termine anstehen, bin ich täglich im Büro.

Plansee wurde 1921 von Ihrem Schwiegervater Paul Schwarzkopf gegründet und hat eine rasante Entwicklung erfahren. War es früher einfacher, eine Firma zu gründen?

Schwarzkopf: Die Rahmenbedingungen sind heute schon schwieriger. Vor 80 Jahren konnte man kreativ sein und seine Ideen auch verwirklichen, also etwas hinstellen und daraus etwas machen. Heute gibt es unzählige Auflagen, die zu erfüllen sind, und den Tatendrang vieler Jungunternehmer hemmen.

Haben Sie noch Expansionspläne. Wie soll die Zukunft des Unternehmens aussehen?

Schwarzkopf: Natürlich gibt es noch Pläne, die muss man immer haben. Am Standort Reutte können wir nicht mehr wachsen, da der Platz begrenzt ist. Über konkrete Expansionspläne an anderen Standorten möchte ich aber nicht sprechen.

Sie haben nie den Weg in die Öffentlichkeit gesucht, obwohl Sie als Unternehmerin im Stillen viel Gutes getan haben und Ihre Stiftung noch immer schwächer gestellte Jugendliche unterstützt. Entspricht das ihrem Naturell?

Schwarzkopf: Ich bin eher medienscheu. Fest steht, dass man im Leben nicht nur Erwartungen haben darf, sondern auch etwas geben muss. Vor kurzem wurde die Dr. Paul Schwarzkopf-Stiftung zugunsten Studierender aus dem Bezirk aufgestockt.

Bleibt noch Zeit für Hobbys?

Schwarzkopf: Ich höre sehr gerne klassische Musik. Das Unternehmen selbst ist auch Stätte künstlerischer und kultureller Ansprüche und es werden jährlich Konzertreihen organisiert.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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