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Psychische Belastungen: Wenn Arbeit krank macht

21.11.2018

Faktoren aus der Arbeitssituation können positive oder negative Wirkung auf uns Menschen haben. So wie es körperliche Risikofaktoren gibt, existieren auch psychische Risikofaktoren am Arbeitsplatz, die das Befinden und die Gesundheit sowohl kurzfristig als auch langfristig beeinträchtigen können.

Bei der Arbeit stellen Faktoren wie ungünstige Arbeitszeiten, monotone Tätigkeiten, Personalmangel, fehlende Anerkennung oder auch tätliche und verbale Übergriffe von Kunden belastende Faktoren dar, die sich negativ auf die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auswirken können. Aber was sind eigentlich arbeitsbedingte psychische Belastungen? Als psychische Belastungen bezeichnet man alle Aspekte der Arbeitssituation, die emotionale und kognitive Vorgänge beeinflussen (z. B. Information, Kommunikation, Umgebungsbedingungen, ...). Nach ÖNORM EN 10075-1 bedeutet psychische Belastung „... alle Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.“ Psychische Belastungen sind also nicht im Menschen, sondern außen. Es geht somit nicht um die Einstellungen von Menschen gegenüber ihren Arbeitsbedingungen (Zufriedenheit, Motivation, ...), sondern um die Einwirkung der Arbeitsbedingungen auf den Menschen. Grundsätzlich werden Belastungen neutral gesehen; je nach Ausprägung und Intensität können sie zu positiven oder negativen Auswirkungen bei den Arbeitenden führen.

Was ist psychisch gesund, was nicht?

Beispiele für positive psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind:

  • MitarbeiterInnen mit Handlungsspielraum
    z. B. bezüglich der Tagesplanung, der Reihenfolge der Arbeitsschritte, der Auswahl der Arbeitsmittel, etc.
  • eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und MitarbeiterInnen und unter den KollegInnen (Informationsaustausch, Unterstützung, Wertschätzung)
  • vielseitige und ganzheitliche Tätigkeiten und Aufgaben
  • Entwicklungsperspektiven für MitarbeiterInnen
  • arbeitsbezogene Prozesse, die Orientierung bieten, transparent und planbar sind.

Negative psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind z. B.

  • häufige unkontrollierbare Arbeitsunterbrechungen
  • emotionaler Druck auf MitarbeiterInnen (Beschwerden von KundInnen, Freundlichkeitsdruck in Dienstleistungsberufen)
  • unklare Informationen oder Arbeitsaufträge, die immer wieder mit Mehraufwand ausgebessert werden müssen.
  • gleichförmige, reizarme, monotone Arbeitsaufgaben
  • Beeinträchtigung der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung durch ungünstige Umgebungsbedingungen (Lärm, Licht, Hitze, etc.)

Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Belastungen

Laut ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) ist die Evaluierung arbeitsbedingter Belastungen verpflichtend durchzuführen. Die Ermittlung und Beurteilung psychischer Belastungen dient dazu, gesundheitsgefährdende Belastungen durch die Arbeitsbedingungen festzustellen und passende betriebliche Maßnahmen dagegen umzusetzen. Gegenstand der Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Belastungen sind ausschließlich die Bedingungen bzw. Verhältnisse, unter denen Arbeit stattfindet. Es geht nicht um die Messung von Arbeitszufriedenheit, Burn-out, Leistung, Stress oder ähnlichem bei einzelnen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern, sondern um konkrete Einflussfaktoren aus den vier Belastungsdimensionen (lt. § 3 Abs. 2 ASchG Stand der Technik/ÖNORM EN 10075):

  1. Arbeitsaufgabe und Tätigkeiten: z. B. emotionale Belastung durch Umgang mit schwierigen Kunden, hohe Verantwortung, Daueraufmerksamkeit bei Überwachungstätigkeiten etc.
  2. Arbeitsorganisation: z. B. Arbeitstempo, Pausengestaltungen, Schichtarbeit, unklare Zuständigkeiten, häufige Unterbrechungen etc.
  3. Arbeitsumgebung: z. B. Lärm, Klimabedingungen, Beleuchtung und Belichtung, Arbeitsmittel und Arbeitsstoffe, Software etc.
  4. Organisationsklima: z. B. Führungsverhalten, Kommunikation, Zusammenhalt, Handlungsspielräume etc.

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