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In der Stadt­apotheke Gleisdorf kommen 15.000 Medikamente über ein automatisiertes System per Knopfdruck zum Verkaufsplatz.

Profis von außen

28.06.2017

Die Komplexität der Warenströme steigt ständig. Besonders im Bereich der Intralogistik versuchen Dienstleister, 
dem Mittelstand Arbeit abzunehmen. 
Ein paar Anregungen aus der Praxis. 

Die Komplexität in der Logistik ist enorm gestiegen. Besonders im Mittelstand stehen aber nur begrenzte Kapazitäten zur Verfügung. Deswegen entsteht im Moment ein neues Feld an externen Dienstleistungen, die Abhilfe schaffen können. Besonders im Bereich der Intralogistik tut sich zurzeit viel, weil hier die Digitalisierung zu greifen beginnt. Wie optimiere ich den Wareneingang und den Materialfluss im Haus? Wie mache ich die interne Erledigung der Aufträge effizienter? Wie sorge ich für eine bessere Übersicht in den Lagerbeständen? Antworten darauf sind so individuell wie die heimische Firmenlandschaft – doch es zeichnen sich einige Strategien ab. „die wirtschaft“ stellt drei Anregungen vor. 

Dachdecker trifft Digitalisierung

Eine einfache, aber effektive Möglichkeit liegt darin, nur einen Teil seiner Abläufe zu digitalisieren. Wie das geht, macht die in Graz ansässige Gruppe Spitzer vor. Seit 120 Jahren ist der Familienbetrieb auf Dächer und Gebäudehüllen spezialisiert, heute leiten die Brüder Georg und Paul Spitzer das Unternehmen mit 270 Mitarbeitern. Unlängst haben sie einen firmeninternen Webshop installiert. Dabei bekamen die Dachdecker und Spengler auf den Baustellen ein Tablet mit einem einfach zu bedienenden Programm, das mit der zentralen Werkstätte verbunden ist.  Wenn ein neues Kantteil benötigt wird, zeichnet der Dachdecker dessen Form mit einem Stift in das Tablet hinein. Künstlerische Begabung braucht dabei niemand, weil das intuitiv zu bedienende Programm die Formen „versteht“. Die millimetergenauen Angaben des Kantteils gehen via Internet in die Werkstätte und werden passgenau zugeschnitten – ohne unnötige Papierformulare. Am nächsten Tag haben die Handwerker das Teil auf der Baustelle. Die Einführung des Systems habe den Verschnitt massiv gesenkt und die Abläufe beschleunigt, heißt es bei der Gruppe Spitzer.

Aspirin auf Knopfdruck vom Roboter

Eine andere Möglichkeit ist, seine Intralogistik gemeinsam mit einem Partner effizienter zu machen. Praktisch für heimische Betriebe: In diesem Bereich ist mit der Firma Knapp eines der weltweit führenden Unternehmen in der Steiermark verwurzelt. Knapp hat sich auf die Automatisierung von Lagern spezialisiert. Die insgesamt 3000 Beschäftigten liefern Sortiersysteme für Warensendungen, Fördertechnik für Behälter und Paletten, Systeme für Hängefördertechnik oder sogenannte „Open Shuttles“ – kleine Kisten, die frei und völlig automatisch im Lager herumfahren. Zu den Kunden zählen in Österreich inzwischen auch 17 Apotheken – Betriebe also, in denen der punktgenaue Zugriff auf eine extrem breite Produktpalette gefragt ist. Darunter sind auch die Stadt-Apotheke in Gleisdorf und die Krankenhausapoteke am LKH Graz. In der Apotheke übernimmt ein automatisiertes System das Einlagern und die Kontrolle der Ablaufdaten von insgesamt 15.000 Arzneipackungen. In Gleisdorf bringt ein Roboter das benötigte Medikament auf Knopfdruck innerhalb von Sekunden aus den Schubladen an den Verkaufsplatz. „Wir geben die logistischen Routineaufgaben ab und gewinnen mehr Zeit für die Beratung“, meint dazu Apothekerin Ulrike Mayr. Die Installation des neuen Systems ist innerhalb von zwei Wochen während des laufenden Betriebs und ohne bauliche Veränderungen über die Bühne gegangen. 

Das gesamte System auslagern

Die dritte Möglichkeit: Man lagert seine Logistik komplett aus. In diesem Segment namens Kontraktlogistik machen gerade einige große Firmen dem Mittelstand den Hof. Eine von ihnen ist das Unternehmen Dachser. Der Konzern betreibt 174 Lagerhäuser in Europa, weitere in Nordafrika und China, und geht gerade mit individuell zugeschnittenen Leistungen bei Mittelständlern auf Kundenfang. Das Angebot reicht von der Verpackung und dem Transport von Waren aller Art über deren Einlagerung bis zur Implementierung von IT-Systemen beim Kunden. Diese Systeme schaffen ein virtuelles Abbild aller physischen logistischen Prozesse in jeder Phase der Lieferkette.

Ein anderer der ganz Großen der Branche kommt ebenfalls aus Österreich: Gebrüder Weiss betreiben mit 6500 Mitarbeitern Standorte in Europa, Nordamerika und Asien. Für heimische Mittelständler übernehmen die Vorarlberger die gesamte Palette der Intralogistik: Von der Beschaffung und Belieferung der Produktion über die Lagerhaltung und Auftragsabwicklung bis zum Vertrieb über das Internet. „Nicht immer geht es um reine Kostensenkung. Viele Firmen wollen einen Partner, der sich um Prozesse kümmert, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören“, sagt Harry ­Stiastny, der die Kontraktlogistik leitet. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Handschuhproduzent Zanier. Innerhalb von vier Wochen übersiedelte der Logistiker das gesamte Warenlager von Lienz zum konzerneigenen Standort in Hall in Tirol und implementierte eine komplette Logistiklösung. Heute übernehmen Gebrüder Weiss für Zanier die weltweite Beschaffungslogistik, Lagerung, Kommissionierung und die Zustellung in über 25 Länder. Und die Osttiroler konzentrieren sich auf das, was sie am besten können: Sportartikel von Qualität zu produzieren.

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