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Politische Untätigkeit größtes Unternehmerrisiko

11.01.2012

Der Zusammenbruch des Euro, ein weiterer Abschwung der Wirtschaft und kontinuierlich sinkende Gewinne sind die größten Sorgen der befragten britischen CFOs, die über ein Viertel der Londoner Marktkapitalisierung repräsentieren: Die befragten Unternehmen stehen für 440 Mrd. Pfund des in London notierten Kapitals, ein Vielfaches des Marktkapitals aller österreichischen Börse-Unternehmen zusammen. Angelsächsische Investoren stellen die größten Kapitalgeber für die österreichischen börsennotierten Unternehmen dar.

Die Deloitte UK CFO Survey misst als einzige Umfrage das Verhalten der größten Verwender von Kapital in Bezug auf Bewertungen, Finanzierungen und Risiken und gibt Einblick in die finanzwirtschaftlichen Strategien, mit denen Finanzvorstände ihre Unternehmen lenken wollen. Die aktuelle Untersuchung steht ganz im Zeichen der Euro-Krise.


Staatsschuldenkrise verantwortlich für drohenden Euro-Kollaps
Der Untergang des Euros schwebt für mehr als ein Drittel der befragten CFOs wie ein Damokles-Schwert über uns. „Erstmals schätzen CFOs das Risiko politischer Untätigkeit oder politischer Fehlentscheidungen als das größte des Jahres ein - und nicht ‚klassische' marktwirtschaftliche Risiken. Die größte Angst der CFOs ist, dass dadurch eine erneute Kreditklemme ausgelöst wird. Das Risiko, nicht mehr rechtzeitig oder ausreichend liquide Mittel lukrieren zu können, macht Unternehmen zunehmend Stress", gibt Univ.-Prof. Dr. Josef Schuch, Partner bei Deloitte Österreich, zu bedenken. 37 Prozent der Finanzvorstände rechnen sogar damit, dass eines oder mehrere Euroländer demnächst die Eurozone wieder verlassen werden.


Ein Drittel fürchtet Rezession
Neben ihrer Sorge um den Euro fürchten 31 Prozent der befragten CFOs eine Rezession oder zumindest eine anhaltende Stagnation der Wirtschaft auf niedrigem Niveau für mehr als ein Jahr. Ein nicht unbedeutender Faktor ist dabei die zunehmende Unsicherheit. Schuch erklärt: „Ein Befragter hat es auf den Punkt gebracht: ‚Jeder wartet, dass etwas Schlimmes passiert'. Noch war das nicht der Fall, aber laut dem Gouverneur der Bank of England erleben wir eine der größten Krisen seit den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts."


Devise für 2012: Cash and Costs
Während die Strategien für 2011 noch Expansion und Investition lauteten, erwartet das Gros der CFOs für 2012 weiter sinkende Gewinne. Über 40 Prozent der Befragten führen daher an, heuer den Sparkurs einzuschlagen. Fast ebenso große Bedeutung hat dabei die Erhöhung des Cash Flow. „Cash and Costs" lauten daher die Prioritäten für 2012. Während für 87 Prozent der Finanzvorstände die Zeit, zusätzliche Risiken einzugehen, zu Ende ist, hoffen vor allem UK-Unternehmen mit internationaler Repräsentanz auf ihr Glück in Übersee. Going-Global wird ein internationaler Trend für 2012, wobei vor allem noch wachsende Wirtschaftsregionen wie Asien, Lateinamerika, Nordamerika, Afrika und Osteuropa am Radarschirm der Investitionsfreudigen aufscheinen.


Appell an die Politik: Feuerkraft nützen, solange sie noch da ist!
Trotz der allgemein getrübten Aussicht erkennen fast die Hälfte der befragten CFOs neue Möglichkeiten und Chancen. So wollen 30 Prozent den schwächelnden Wettbewerb dazu nutzen, den eigenen Marktanteil weiter auszubauen. Andere planen, jetzt günstig einzukaufen oder reagieren mit Produktinnovationen und neuen Angeboten. „Europa und die USA haben immer noch Firepower. Die Message der Wirtschaftskapitäne ist aber klar: Im privaten Sektor haben wir jetzt unsere Hausaufgaben gemacht und unsere Bilanzen sind wieder stark. Aber die Staaten haben ihre Bilanzen aus den Fugen laufen lassen. Und dadurch ist die Politik zum Problem der Wirtschaft und Arbeitnehmer geworden - und nicht umgekehrt. Nur ein Miteinander von Privat und Staat kann das lösen. Jetzt ist die Politik dran", so Schuch abschließend.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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