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Pandemie-Vorbereitung: Gerät die Globalisierung ins Stocken?

12.04.2006

Die nächste Grippe-Pandemie - ein weltweiter Ausbruch eines neuen, rabiaten Influenza-Stamms - ist statistisch gesehen längst fällig. Für die Wirtschaft bliebe sie nicht folgenlos. Risikomanagement ist jedoch schwierig, weil niemand genau weiß, wie man sich in einer so vernetzten Welt gegen den Dominoeffekt eines globalen Problems wappnen kann. Von Maike Seidenberger und Eva Stanzl
m.seidenberger@wirtschaftsverlag.at
e.stanzl@wirtschaftsverlag.at

Vogelgrippe, SARS, Chikungunya.... - wir reisen rund um den Globus, Infektionskrankheiten reisen mit. Drei Monate dauert es heute, schätzen Experten der US-Centers of Disease Control and Prevention in Atlanta, bis ein von Mensch zu Mensch übertragbarer Krankheitserreger jeden Winkel der Erde erreicht hat. Vor hundert Jahren waren es noch acht Monate. Die nächste Grippe-Pandemie (ein weltweiter Ausbruch eines neuen, rabiaten Influenza-Stamms - ausgerufen wird sie von der Weltgesundheitsorganisation WHO) ist statistisch gesehen längst fällig. Für die Wirtschaft bliebe sie nicht folgenlos. Erste Versuche, mögliche Auswirkungen und Schäden zu beziffern, gibt es bereits: Die australischen Wirtschaftswissenschaftler Warwick McKibbin und Alexandra Sidorenko haben sie in vier globalen Szenarien durchgerechnet. Zugrunde gelegt wurden dabei auch Erfahrungen aus den drei großen Grippe-Pandemien des 20. Jahrhunderts und der SARS-Krise von 2003. Im günstigsten Fall (eine "leichte" Pandemie wie 1957/58 oder 1968/69) erwarten sie 1,4 Millionen Tote und einen volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von 330 Milliarden US-Dollar (etwa 0,8 Prozent des globalen BIP); schlimmstenfalls wäre mit mehr als 140 Millionen Toten und 4,4 Billionen Dollar Schaden (oder rund 12,6 Prozent des Welt-BIP) zu rechnen. Dabei würde es nicht alle Länder gleich schwer treffen, sondern die Ärmsten am härtesten - einige Entwicklungsländer hätten, glauben die Australier, neben den menschlichen Verlusten eine Halbierung ihrer Wirtschaftsleistung zu gewärtigen.
In Deutschland hat der Gesundheitsökonom Boris Auzgursky eine Modellrechnung über mögliche Auswirkungen eine Influenza-Pandemie angestellt, berichtete die Frankfurter Allgemeine: Bei 300.000 Kranken und rund 100.000 Toten in Deutschland entstünde etwa ein direkter volkswirtschaftlicher Schaden von mindestens 25 bis 75 Milliarden Euro oder rund 2 Prozent des BIP - was eine Rezession bedeuten würde. Rückkoppelungseffekte durch Produktionsstillstände wegen unterbrochener Lieferketten oder in Gefolge von Reisebeschränkungen sind da noch nicht eingerechnet.

Schwarzes Szenario
Was also, wenn das Vogelgrippe-Virus H5N1 - oder ein anderes - mutiert und von Mensch zu Mensch übertragbar wird? In diesem Fall geht die WHO davon aus, dass bis zu 25 Prozent der arbeitenden Bevölkerung erkranken und - zumindest eine Zeit lang - ausfallen könnten. Die enge Verflechtung von Unternehmen mit ihren Lieferanten würde Kontinente umspannende Supply Chains im Fall von Transportbeschränkungen rasch zerreißen, Verkehr und Tourismus hätten massive Einbußen zu verkraften. Kaum ein Wirtschaftszweig bliebe unberührt, kein Unternehmen, egal wie groß oder klein, könnte sich den Folgen entziehen - sei es durch Versorgungsschwierigkeiten bei Teilen oder zugekauften Leistungen, sei es durch eigene Betriebsunterbrechungen, weil Arbeitnehmer und Geschäftspartner erkranken. Die Versorgung der Kranken würden das gesamte Gesundheitssystem von der Pharmaindustrie bis zu den Arztpraxen bis an den äußersten Rand seiner Leistungsfähigkeit treiben. Kranke müssten zu Hause in Quarantäne bleiben. Wie allerdings die Grundversorgung und Infrastruktur in so einer Zeit aufrecht erhalten werden kann, scheint derzeit niemandem richtig klar zu sein. Denn schon jetzt gilt: Wenn einen Tag der Lkw mit der Milch im Schnee steckt, bleibt im Supermarkt das Regal leer.

Pandemie-Plan seit Herbst
In Österreich wurde die medizinisch-ordnungspolitische Seite auf Druck von WHO und EU angegangen - im September 2005 verabschiedete die Regierung einen Influenza-Pandemieplan, der im wesentlichen regelt, wer den Krisenstäben bei Bund und Ländern angehört, wie mit erkrankten Personen umgegangen wird, wer die knappen (soweit vorhandenen) Medikamente und Impfstoffe zuerst bekommt (in dieser Reihenfolge: Gesundheitspersonal, Polizei und Heer, Beschäftigte von Versorgern und besonders gefährdete chronisch Kranke) und wie der Bevölkerung kommuniziert wird, was wann zu tun ist.
Die Durchimpfungsrate gegen Influenza in Österreich ist gering: Nur 17 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahre sind gegen die gängigen Grippe-Viren geschützt (bei Personen unter 40 15 Prozent, dafür ist immerhin ein Drittel der Über-60-Jährigen geimpft). Der Pandemie-Plan geht von einer Erkrankungsrate von gut 30 Prozent der Bevölkerung aus, was ohne Therapie (etwa das Anti-Viren-Mittel Tamiflu) zu 36.000 zusätzliche Spitalseinweisungen und einem Bedarf von rund 8.900 zusätzlichen Akutbetten in Krankenhäusern führen könnte. Über die erwarteten Sterblichkeitsraten schweigt sich die im Internet veröffentlichte Version allerdings aus (zu dem was die öffentlich zugängliche Version des Pandemie-Plans noch verschweigt - etwa Grenzsperren -, siehe auch das Interview mit Sanofi-Aventis Österreich-Chef Hubert Dreßler).
Der Gemeindebund habe nicht die Kapazitäten für Vorgaben bei einer eventuellen Krise, gibt Pressesprecher Daniel Kosak zu Protokoll, zuständig seien überdies Gesundheitsministerium und Länder, man wolle keine behördlichen Aufgaben übernehmen.

Ökonomische Folgen für Österreich im Dunkeln
Mit der volkswirtschaftlichen Seite einer möglichen Pandemie hat man sich bislang weder im Wirtschaftsministerium noch bei den Wirtschaftsforschungsinstituten Wifo und IHS auseinandergesetzt. Man kann aber davon ausgehen, dass sie wegen des starken Exportanteils des Bruttoinlandsprodukts und der entsprechenden internationalen Verflochtenheit der Wirtschaft beträchtlich wären.
"Enorme Auswirkungen hat schon die normale, alljährliche Influenza, wenn man sich die Kosten der Krankenstände vergegenwärtigt: Wenn von 300.000 Grippeerkrankten 100.000 Arbeitnehmer sind, kostet das enorm", sagt Michael Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin der Uni Wien. Die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie sei nicht abschätzbar: "Es ist ein bisschen wie die Feuerwehr. Niemand will einen Großbrand, aber man muss vorbereitet sein, falls es einen gibt: Neuraminidase-Hemmer einlagern, Masken bereit haben, Impfstoffproduktionskapazitäten bereitstellen." Schlimmstenfalls wären vor allem Hotellerie und Gastronomie extrem betroffen, sagt Kunze: "Es könnte zum Ausfall einer ganzen Saison kommen." Und warnt: "Sars war ein Gschnas gegenüber dem was eine unheilige Allianz des Vogelgrippe-Virus mit dem Influenza-Virus bedeuten kann." Sars habe etwa den Fremdenverkehr im kanadischen Toronto für zwei Jahren fast zum Erliegen gebracht. In Relation zu einer Vogelgrippe-Pandemie stünde das "im Verhältnis 1:10.000". Mit weit reichenden Folgen: "Die Vogelgrippe bremst die Globalisierung. Bei einer Pandemie wird die Lebenserwartung vorübergehend sinken. Gleichzeitig gibt es ein Problem der Risikokommunikation: Wenn heute jemand in Singapur an Vogelgrippe erkrankt und stirbt, weiß es morgen die ganze Welt", beschreibt Kunze eine mögliche Massenpanik.

Huhn schlägt Eis
In vielen Unternehmen zerbricht man sich darüber noch nicht den Kopf. "Wir haben keine Überlegungen angestellt, sondern sind froh, dass die Vogelgrippe endlich ein Thema ist, mit dem sich Frächter nicht öffentlich auseinandersetzen müssen. Das ist Sache der Gesundheitsbehörde", sagt Rudolf Bauer, Geschäftsführer des Fachverbandes des Güterbeförderungswesens. Karl Zacharnik, Geschäftsführer von DHL Exel Supply Chain, Österreichs größtem Lebensmittellogistiker, sieht das etwas anders: In einen Katastrophenplan zur Lebensmittel-Versorgung "sollte man auf jeden Fall auch die Lkw-Fahrer einbeziehen". Sein Unternehmen habe allerdings noch keinen Krisenplan erstellt: "Wir reagieren nur: Der Handel bestellt bei uns, und die Produzenten stellen bereit, was wir liefern." Diese sollten nun Tiefkühlkostbestände aufstocken: "Sie sollte der Retter in der Not sein - wie schon bei der Umweltkatastrophe von Tschernobyl, wo wir fast nicht nachkamen mit dem Liefern von gefrorenen Produkten, weil alles aus der Erde verseucht war." Eine Pandemie sei unvergleichbar: "Wir haben nicht berechnet, was das für unser Geschäft bedeutet, weil das nicht geht", sagt Zacharnik. Panik vor einer flächendeckenden Ausbreitung einer Tierseuche hält er zwar für "übertrieben", aber: "Was die Vogelgrippe bereits angerichtet hat, sind Umsatzeinbrüche in der Geflügelindustrie. Die Hühner, die jetzt nicht verkauft werden, werden eingefroren." Tiefkühllagerplatz wird knapp. Denn zeitgleich - jetzt - werden die Kühltruhen mit Speiseeis gefüllt und sollten spätestens zu Ostern voll sein. Derzeit aber verdrängt das Huhn das Eis.
Friedrich Macher, Generaldirektor von Kühne & Nagel Österreich, hat sich bereits mehr als Gedanken über eine mögliche Pandemie gemacht: "Wir haben 2005 erstmals eine umfassende Risikoevaluierung durchgeführt - von der Überprüfung unserer Versicherungen bis hin zum Krisenmanagement. Wir halten eine Pandemie aber noch nicht für so realistisch, dass wir dafür schon Budgetabschläge kalkulieren." Konkretes Ergebnis: Die Spedition lagert Schutzhandschuhe und Masken ein und übernahm vergangenen Herbst für Mitarbeiter, die sich selbst Tamiflu kauften, die Hälfte der Kosten.

Produktion außer Takt
Schwer betroffen wäre die exportorientierte österreichische Sachgüterproduktion. Man ist sich der Risken durch Unterbrechungen der Supply Chain zwar bewusst - doch verändert werden sie darum noch nicht. Automobilzulieferer Magna etwa unterhält eine Abteilung für Gesundheit und Sicherheit mit fünf Mitarbeitern in der Europa-Zentrale Oberwaltersdorf, die derzeit einen einschlägigen Notfall-Plan erarbeitet. Im Unterschied zu manchen Dienstleitungsbetrieben könne man eine Krise nicht mit Heimarbeit kompensieren, hebt Magna-Sprecher Daniel Witzani hervor. Stillstand in einem Montagewerk, etwa für Rückspiegel, sei allerdings etwas anderes "als im Spritzguss, wo mit flüssigen Werkstoffen gearbeitet wird, die eine bestimmte Temperatur haben müssen." Bruchstelle ist die Logistik: "Wir liefern taktgenau an die Autohersteller. Das bedeutet: An dem Tag, an dem das Auto gebaut wird, müssen die einzelnen Komponenten auf die Sekunde dorthin, wo sie montiert werden." Kann Magna auf eine andere seiner weltweit 250 Niederlassungen ausweichen? Kaum: "Das ist sicher nicht ganz einfach, denn wir brauchen in unseren Produktionsstätten nicht nur qualifiziertes Personal, sondern auch entsprechende Maschinen. Mit den Werkzeugen, mit denen VW-Golf-Kotflügel zusammengebaut werden, können nicht einfach BMW-Kotflügel gemacht werden." Falls überhaupt noch jemand Autos kaufe, wenn eine hochinfektiöse Krankheit grassiere, brauche man überdies eine - sektorspezifische - Mindestzahl Mitarbeiter, um eine Notproduktion aufrecht zu erhalten: "In der Endkontrolle brauche ich weniger Leute als in der Motorenmontage." Tamiflu hat Magna nicht eingelagert. "Wir erachten das momentan nicht für nötig - zumal man nicht einmal weißt, ob es überhaupt wirksam ist, und ob man eine oder fünf Packungen pro Person einlagern muss", so Witzani.

Nicht nur Verlierer
Nicht alle Unternehmen wären automatisch Verlierer - Hersteller pharmazeutischer und medizintechnischer Produkte (wie Medikamente, Masken, Schutzkleidung) verzeichnen bereits jetzt enorme Nachfragesteigerungen. Allerdings wären bei einer Pandemie auch sie von allfälligen Transporteinschränkungen und Behinderungen im Warenfluss von und zu ihren Produktionsstätten betroffen.
Der deutsche Medizintechnik-Produzent Dräger produziert beispielsweise Schutzmasken, die auch in Österreich vertrieben werden. Dazu Dräger Safety Austria-Geschäftsführer Johann Karmel: "In den vergangenen Monaten ist die Nachfrage für diesen Anwendungsfall signifikant gestiegen." Um wie viel genau, will er nicht sagen. Allerdings sieht er heute schon den "Bedarfsfall" gegeben, weil "ohne sinnvollen Versorgungs- beziehungsweise Bevorratungsplan eine zeitgerechte Belieferung aus produktionstechnischen Gründen nicht realistisch ist". In Wien unterhält das Unternehmen ein Lager, von dem aus kleinere Losgrößen an den Fachhandel geliefert werden; Großaufträge werden direkt über die Produktionswerke in Schweden, Südafrika und China abgewickelt. Die Einwegmasken werden nach ihrer Filterwirkung klassifiziert. Im europäischen Normsystem werden drei Stufen unterschieden: FFP1, FFP2 und FFP3. Eine FFP1-Maske muss mindestens 80 Prozent der festen und flüssigen Partikel aus der Umgebungsluft filtern, eine FFP2 mindestens 94 und eine FFP3 (die auch im Pandemie-Plan für den Umgang mit Infizierten empfohlen wird) 99 Prozent. Eine Maske biete, so Karmel, für rund acht Stunden Schutz und kostet drei bis sechs Euro. In Originalverpackung ist sie fünf Jahre lang haltbar.

Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner schützen
Was Unternehmen genau tun können/sollten, um sich für einen Notfall zu wappnen, wird aus dem Gesundheitsministerium sehr knapp beantwortet:
"Mögliche konkrete Vorsorgemaßnahmen sind: Definition des Schlüsselpersonals, Versorgung dieser Gruppe mit Neuraminidase-Hemmer-Prophylaxe, Lagerung von Mund-Nasenschutzmasken (FFP1), Schulung in basalen Hygienemaßnahmen. Eine saisonale Grippeimpfung ist in jedem Fall empfehlenswert."
Größere Unternehmen, die international stark vernetzt sind, verfügen in der Regel über ein Risikomanagement, das auch den Krisenfall einer Pandemie umfasst. Christine Hafner, Reisestellenleiterin von ABB Österreich, betont dessen Wichtigkeit schon aus Erfahrung: "Wir haben ein sehr ausgefeiltes Krisenmanagement mit Checklisten für verschiedene Fälle, etwa dafür, was zu tun ist, wenn ein Mitarbeiter auf einer Baustelle im Ausland erkrankt und zurückgeholt werden muss. Ich habe einen auf dem Schreibtisch und zu Hause. Unser interner Krisenstab ist im Notfall binnen einer halben Stunde zusammengetrommelt." Klar - der Konzern macht vorwiegend Projektgeschäft, entsendet routinemäßig viele Beschäftigte auf Baustellen rund um den Globus. Allerdings betont Hafner auch: "Vogelgrippe ist im Moment kein Thema - es wird auch bei uns im Intranet zwar informiert, aber keine Panik gemacht." Die Informationen bestehen aus Verhaltensregeln für Mitarbeiter, die in betroffene Gegenden reisen (direkten Kontakt mit Geflügel meiden uns so weiter), einer Grippe-Symptom-Liste und einem Link zur WHO. Grundsätzlich werden Mitarbeiter vor Auslandsentsendungen auch von der Betriebsärztin untersucht und mit einem an die Region angepassten Medikamenten-Set ausgestattet. Dazu gibt es alljährlich eine Grippe-Impfaktion. Hafner rät jedenfalls exportorientieren Unternehmen zur rechtzeitigen Erstellung von Krisenplänen und deren laufender Aktualisierung - "im Notfall muss man ganz schnell reagieren - und es ist keine gemähte Wiese, wenn ich zum Beispiel einen erkrankten Mitarbeiter aus seinem Entsendungsland heraus bekommen will."
Manche besonders exponierte Unternehmen etwa der Reisebranche geben sich aber eher zugeknöpft, was konkrete Maßnahmen angeht. Flughafen Wien-Sprecher Hans Mayer dazu: "Wir haben natürlich eine medizinisches Zentrum und entsprechende Pläne, aber wir möchten darüber nicht sprechen, um Verunsicherung zu vermeiden."
AUA-Sprecherin Patricia Strampfer unterstreicht vorbeugende Maßnahmen der Airline: "Seit SARS haben unsere Maschinen generell Schutzmaterial, wie Masken unterschiedlicher Klassifizierung für Crew und Passagiere, Handschuhe und Desinfektionsmittel an Bord." Zum Einsatz gekommen ist diese Ausrüstung allerdings noch nie. Ab wann die Besatzung Masken an die Reisenden ausgeben würde, kann Strampfer nicht generell sagen. Theoretisch müsste jeder Kapitän einer Linienmaschine im Ernstfall mit der Zentrale Rücksprache über einen Einsatz halten. Ein aktives Risikomanagement, das sich auch mit Pandemie-Szenarien befasst, hat die AUA jedenfalls seit drei Jahren implementiert. "Wir beobachten die Entwicklung sorgfältig und halten mit den entsprechenden Behörden laufend Kontakt", so Strampfer.

Infrastruktur aufrecht erhalten
Die Österreichischen Bundesbahnen sind bei Krisen Profis. Tunnelbrände, Schneechaos, Terroranschläge - für alles gibt es Checklisten, wie vorzugehen ist. "Das sind Szenarien, die öfters vorkommen. Maßgebliche Entscheidungsträger können ganz schnell zusammengerufen werden und tun, was nötig ist. Aber bei der Vogelgrippe hat es keinen Sinn, verschiedene Szenarien zu erarbeiten, weil man nicht weiß, in welche Richtung das gehen wird", sagt ÖBB-Sprecher Jörg Wollmann. "Jüngst stellte man sich die Frage: Was ist mit den Tauben auf den Bahnhöfen? Nur: Es ist nicht unsere Aufgabe, einen Grippeepidemie-Krisenplan aufzustellen", so Wollmann. Vorgesorgt wird aber schon: Für ÖBB-Mitarbeiter soll in den nächsten Monaten das Medikament Tamiflu geliefert werden, Anti-Viren-Masken für Schalterbeamte und Ticketkontrolleure allerdings nicht. Man wolle im Fall einer Pandemie den Fahrplan - Fracht wie Personenverkehr - "so lange wie möglich" aufrecht erhalten - sofern das Gesundheitsministerium nichts Gegenteiliges vorschreibe: "Wenn in einem Tal die Vogelgrippe von Mensch zu Mensch übertragbar wird, könnte es heißen: Verkehr nur so eingeschränkt wie möglich, und daran werden wir uns halten." Wie viele der insgesamt 46.000 Bahnbediensteten ein Notbetrieb verlange, sei noch nicht berechnet, aber auch eine Frage der Einteilung: Lokführer und Sicherheitspersonal, das die Züge vor der Abfahrt kontrolliert, seien unabkömmlich, Fahrzeugkontrolleure hingegen nicht.
"Keine Krisenpläne in der Schublade" hat Gabriele Ströck. Auf eine mögliche Grippe-Pandemie sieht sich die Geschäftsführerin der gleichnamigen Wiener Großbäckerei "genau so wenig vorbereitet wie alle anderen auch." Im Pandemieplan des Gesundheitsministeriums habe sie gelesen, dass im Ernstfall Nahversorger bei der Vergabe von Medikamenten oder Impfstoffen bevorzugt würden. Wie das funktionieren soll, kann sie sich kaum vorstellen: Schon im letzten Herbst "hatten wir Probleme, unsere 600 Verkäufer und Verkäuferinnen gegen die normale Grippe zu impfen, weil wir zwei bis drei Monate auf den Impfstoff warten mussten." Angestellten vorbeugend mit Viren-Schutzmasken auszustatten, hat Ströck dennoch nicht vor. "Wenn die Vogelgrippe pandemische Ausmaße annimmt, dann werden uns wohl auch die Kunden fehlen", sagt Ströck.
(4/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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