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Over the Wohn­zimmertisch

11.06.2018

Ringana produziert seit 20 Jahren vegane Kosmetik. Ohne Chemie, ohne Konservierungsstoffe, dafür nachhaltig und sehr erfolgreich. Warum eine Zahnpasta zur Gründung geführt hat, haben uns die beiden Geschäftsführer verraten.

Ulla Wannemacher und Andreas Wilfinger wollten als sehr junge Eltern für ihren Sohn nur das Beste. Als der Jungpapa eine Packung Zahnpasta einer bekannten Marke vom Kindergarten mit nach Hause brachte, studierten sie die Inhaltsstoffe und waren angesichts des Chemiecocktails, der den Kleinkindern verabreicht wurde, entsetzt. Allerdings war es gar nicht so einfach, herauszufinden, worum genau es sich dabei eigentlich handelte: „Damals gab es noch kein Google.“ ­Wilfinger recherchierte eigenständig und schrieb auch einen Brief an Greenpeace, wo er sich Unterstützung erwartete: „Eine Antwort kam bis heute nicht.“

Heute, das ist mehr als 20 Jahre später. Wannemacher und Wilfinger haben die Sache, die ihnen so wichtig war, damals selbst in die Hand genommen. Sie fanden nicht nur heraus, was genau in der Zahnpasta war, sondern gründeten gleich das Kosmetik-Unternehmen Ringana, das sie zu beachtlicher Größe brachten. Sitz, Produktion und Logistik befinden sich im steirischen Hartberg. Sohn Michael ist mittlerweile auch aus seinen Kindergartensachen rausgewachsen und hat studiert. Jetzt arbeitet er gemeinsam mit den Eltern federführend im Unternehmen mit und war für das neue Logistikzentrum verantwortlich, das eigens für die speziellen Bedürfnisse des Unternehmens konstruiert und im Dezember 2017 eröffnet wurde.

Zahnöl und Gesichtskosmetik

Nochmals zurück zur Gründungsstory. Da die jungen Eltern für ihren Sohn auf dem Markt keine gesunde Zahnpasta finden konnten, beschlossen sie irgendwann, selbst eine zu machen. Heute ist das Zahnöl im Ringana-Sortiment das am häufigsten verkaufte Produkt des Unternehmens. Dabei war es gar nicht das erste Produkt von Ringana: Gestartet haben ­Wannemacher und Wilfinger – vor allem aus betriebswirtschaftlichen Gründen – zunächst mit Gesichtskosmetik.

Mittlerweile gehören rund 50 Produkte zum Sortiment, darunter seit 2013 sogar ein gesunder Energydrink. Täglich verlassen rund 3000 bis 6000 Pakete das neue Logistikzentrum in Hartberg. Im Gegensatz zu den meisten Kosmetikmarken setzt Ringana auf Business2Customer, verkauft also direkt an die Endkunden anstatt über Drogerien. Mehr als 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten im Werk in Hartberg, dazu kommen rund 30 selbstständige Beraterinnen, die „over the Wohnzimmertisch“, wie Wannemacher und Wilfinger es formulieren, die Produkte präsentieren, allerdings nicht verkaufen. Bestellen müssen Kunden per Telefon oder Webshop. Zum Team gehören auch zwölf Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die an neuen Rezepturen tüfteln.

Vegan, nachhaltig, hochpreisig Die Philosophie hinter Ringana ist eine nachhaltige – und eine hochpreisige: Das billigste Produkt, die Seife, kostet 8,50 €, die teuers­ten Produkte, ein Antifaltenserum und eine Körperpflege zur Straffung, kosten 60,80 € bzw. 67,60 €. Zwar handelt es sich nicht um eine Bio-Marke, aber alle Produkte sind vegan. Am Anfang kamen noch Honig und Bienenwachs hi­nein. „Aber wir haben erkannt, dass wir das nicht brauchen.“ Ulla Wanne­macher ist seit der Volksschulzeit Vegetarierin, ­Andreas Wilfinger isst nur in Ausnahmefällen Fleisch.

Eines der wichtigsten Prinzipien der österreichischen Kosmetiklinie: Es kommen keine künstlichen Haltbarmacher in Cremes, Shampoos, Seifen, Lotions und Co. Die pflanzlichen Rohstoffe werden frisch verarbeitet. Der Nachteil: Die Haltbarkeit ist im Vergleich zu konventionellen Kosmetika stark eingeschränkt: Sobald die Produkte geöffnet sind, sollten Kunden sie innerhalb von zehn bis 14 Wochen verbrauchen. „Das klingt nach viel“, sagt Andreas ­Wilfinger, „ist aber eigentlich ein Wimpernschlag in der Branche“. Die meisten Pflegeprodukte haben überhaupt kein Ablaufdatum und würden sich Wilfinger zufolge als Grabbeigaben eignen. Das Tüfteln an einer längeren Haltbarkeit trotz Verzichts auf Chemiecocktails gehörte von Beginn an zu den wichtigsten Aufgaben von Ringana.

Umkämpfter Markt

Regionalität hat, zumindest bei den Zutaten, allerdings keine Priorität. Da geht etwas anderes vor: Ringana kauft die pflanzlichen Zutaten dort ein, wo eine bestmögliche Wirkung für die Haut erzielt wird. Soll heißen: Pflanzen, die etwa ursprünglich in der Wüste wachsen, haben dort die besten Bedingungen zu gedeihen und nicht etwa in einem europäischen Gewächshaus. Wilfinger: „Pflanzen, die gestresst sind, schützen sich und entwickeln Schutzsubstanzen, die auch die Haut schützen.“

In einem stressigen Umfeld bewegen sich auch die beiden Unternehmer: Der Kosmetikmarkt ist heiß umkämpft. Doch der Umsatz steigt, und das Geschäft läuft gut – so gut sogar, dass Wannemacher und Wilfinger jüngst sieben Millionen Euro investierten, um das Werk in Hartberg um 3000 Quadratmeter auszubauen, was einer Verdopplung entspricht. Das neue Logisikzentrum gehört ebenso dazu wie ein neues Labor sowie eine Kantine, in der täglich vegetarisches Mittagessen serviert wird – und das gratis. Gebaut wurde weitgehend mit Ökobeton. Eine fast 1000 Quadratmeter große Photovoltaikanlage, die die Anlage beinahe stromautark macht, gehört dazu wie auch riesige Regenwassertanks, um etwa die Toiletten zu betreiben.

Wasser auf die Mühlen

Interessanterweise hat das Geschäft gerade im Krisenjahr 2008 richtig angezogen. Den Hauptgrund vermuten die beiden Geschäftsführer, die mittlerweile nur noch beruflich ein Paar sind, im seither steigenden Bewusstsein für schädliche Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten. Diverse Skandale, etwa rund um Mikroplastik in Zahnpasta & Co., waren „Wasser auf unsere Mühlen“.

Übrigens: Wie die meisten erfolgreichen Unternehmer haben auch Ulla Wannemacher und Andreas Wilfinger harte Zeiten durchgemacht. Zu Beginn verkauften sie an manchen Tagen kein einziges Produkt – und das, nachdem sie für die Unternehmensgründung einen vier Millionen Euro schweren Kredit aufgenommen hatten. Auch diesen zu bekommen, war ein harter Brocken, der ihnen viel Hartnäckigkeit und Geduld abverlangte.

Die nächsten Schritte? Vor allem im deutschsprachigen Raum noch wachsen und weitere Märkte erobern. Derzeit ist Österreich mit rund 40 Prozent der größte Markt, gefolgt von Deutschland und der Schweiz. Auch nach Spanien und Italien liefert das Unternehmen. Ganz neue Märkte sind Frankreich und Großbritannien sowie ab diesem Sommer auch Polen. Bei allen Aktivitäten gilt es „lässig“ zu bleiben – denn vom Design her sieht man der Marke keineswegs an, dass Nachhaltigkeit die wichtigste Rolle spielt. 

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