Direkt zum Inhalt
David Ungar-Klein fordert eine strategische, koordinierte und langfristige Infrastrukturplanung im europäischen Kontext

„Österreich soll Silicon Austria werden“

11.11.2016

Die elfte Ausgabe des österreichischen Infrastrukturreports ist Anfang November erschienen. David Ungar-Klein, der hinter der Initiative Future Business Austria (FBA) steckt, schließt aus den Ergebnissen der Befragung, dass ein Gesamtkonzept für Österreichs Infrastruktur dringend nötig wäre. Besonders bei der Digitalisierung und damit der IT-Infrastruktur ortet er Handlungsbedarf. Zudem wünschen sich die befragten Manager die Schaffung eines IT-Zentrums nach dem Vorbild des Silicon Valley, ein „Silicon Austria“.

Interview: Alexandra Rotter

Sie geben seit elf Jahren den Infrastrukturreport heraus. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Infrastruktur wurde lange Zeit auf die Straße und die Schiene reduziert. Aber wir müssen uns fragen, welche Infrastruktur wir benötigen, um die Wettbewerbsfähigkeit für den Standort Österrreich zu sichern. Straße und Schiene reichen dafür nicht aus. Vor allem in den letzten zwei Jahren hat sich herauskristallisiert, dass die Digitalisierung extrem wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes ist. Und die Grundlage für Digitalisierung ist IT – ohne entsprechende IT-Infrastruktur geht es nicht.

Wird in diesem Bereich aus Ihrer Sicht genug getan?

Nein, die Digitalisierung ist kein Faktor, den man in den Mittelpunkt stellt.

Wo hakt es?

Am Verständnis der Politik für das Thema. Für sie ist Digitalisierung nur ein Schlagwort. Aber man muss in Digitalisierung investieren, um eine höhere Wettbewerbsfähigkeit am Standort zu schaffen. Und dafür gibt es keinen Plan. Wir haben zwar gute Initiativen wie die Breitband-Milliarde, aber das sind nur Aktionen und noch kein integriertes Gesamtkonzept. Und die fehlenden Konzepte führen dazu, dass wir im Standort-Ranking zurückfallen.

Das klingt fast, als würde Österreich in Bezug auf Infrastruktur-Maßnahmen im Grunde nichts wirklich richtig machen.

Nein, Österreich ist in vielen Bereichen sehr gut. Zum Beispiel hat sich die Bahn gut entwickelt, und man hat erkannt, dass wir hier top sind. Auch auf der Straße und bei der Energie sind wir sehr gut. Aber insgesamt passiert zu wenig.

Wo genau herrscht Bedarf?

Zugegeben: Es ist ein Jammern auf hohem Niveau – wir stehen im internationalen Vergleich sicher nicht am schlechtesten da. Aber es gibt noch Potenzial und wir müssen uns für die Zukunft vorbereiten. Nehmen wir das Beispiel Schweiz: Das ist das einzige Land, das eine Strategie für Infrastruktur und Innovation definiert hat.

Welche Maßnahmen empfehlen Sie?

Um Wettbewerbsfähigkeit zu generieren, sind an erster Stelle Bildung und gut ausgebildete Fachkräfte, zweitens eine gute Infrastruktur und drittens Innovationen, Forschung & Entwicklung am wichtigsten – noch vor dem Thema Steuern. Das hat der aktuelle Infrastrukturreport ergeben, für den unter anderem 240 Manager – Vorstände und Geschäftsführer – großer Unternehmen in Österreich mit jeweils mehr als 100 Mitarbeitern befragt wurden. Dan Schechtman, Chemie-Nobelpreis-Träger ist zum Beispiel einer jener, die sagen, dass der Entrpreneurial Spirit, der Unternehmergeist, schon im Kindergarten beginnen muss. Diese Haltung brauchen wir.

In Ihrem Infrastrukturbericht zufolge wünschen sich die befragten Manager sogar ein „Silicon Austria“.

Ja, Österreichs Führungskräfte räumen der Digitalisierung und damit besonders den Themen IKT und IT höchste standortpolitische Prioritäten ein. Insgesamt 58 Prozent befürworten das Ziel, dass Österreich ein IT-Zentrum, ein „Silicon Austria“, werden soll. Die IT ist mittlerweile zum wesentlichen Wettbewerbsfaktor für Unternehmen und damit zur betrieblichen Schlüsselinfrastruktur geworden.

Sie haben auch einen Forderungskatalog für die Bundesregierung zusammengestellt.

Ja, unter dem Titel FBA-Regierungsagenda 2017 haben wir die Forderungen der Opinion Leader aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammengefasst. Dazu gehört unter anderem, dass Österreich eine strategische koordinierte und langfristige Infrastrukturplanung im europäischen Kontext braucht, außerdem ein ausreichendes Monitoring und eine Koordinierung der Infrastruktur zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Es soll auch ein Standortanwalt eingerichtet werden für Genehmigungsverfahren, um objektiv und unabhängig wirtschaftliche und gesellschaftliche Argumente für Infrastrukturprojekte aufzuzeigen.

Wie viel Geld muss wohin fließen?

Zuerst muss man überlegen, was wir in 20 Jahren brauchen werden, welchen Fokus wir dann haben werden. Wo werden die Menschen wohnen? Wie entwickeln wir uns demografisch? Es gibt bis jetzt viele Bekenntnisse und Einzelpapiere, aber keine übergeordnete Strategie.

Zum Report:http://create-connections.com/fba-infrastrukturreport/

Werbung

Weiterführende Themen

Stories
29.03.2018

Rund um die Elektromobilität kommen nicht nur viele technische Fragen auf. Auch Alltagstauglichkeit und ökologische Gesichtspunkte spielen für Unternehmen eine Rolle. Wir haben bei vier Experten ...

Interviews
12.10.2017

Zuerst werden durch die Digitale Transformation Jobs verloren gehen, erst dann werden neue Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze entstehen, meint Fraunhofer-Austria-Research-Chef Wilfried Sihn. Doch ...

Stories
12.10.2017

Eine Vision wird Wirklichkeit: Der Unternehmer Leopold Wieselthaler verwandelt die ehemaligen Semperitwerke in Traiskirchen in einen neuen Stadtteil. Sein Erfolgsrezept klingt simpel – doch es ...

(v. l.) Stephan Strzyzowski, Christian Rupp, Gerhard Pelikan, Alfred Harl.
Stories
08.09.2017

Wie schnell Unternehmer digitalisieren, entscheidet heute maßgeblich über ihren Erfolg. Doch dafür benötigen sie die entsprechende Infrastruktur. Woran es in Österreich hapert, und warum wir einen ...

Feuchtbiotop im campus21 – Businesspark Wien Süd
Aktuelles Heft
31.05.2013

Nach leichten Startschwierigkeiten haben sich auch in Österreich zahlreiche Businessparks durchgesetzt. Die Vorteile für Unternehmer: günstige Mieten, gute Infrastruktur und die Möglichkeit, ...

Werbung