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Noch mehr Leasing

02.02.2006

Ursprünglich vorwiegend im Kfz-Bereich genutzt, etabliert sich Leasing als Finanzierungsform immer stärker im Mobilien- und Immobilienbereich. Aber auch Segmente wie Öko- und Chemical-Leasing gewinnen immer mehr an Bedeutung. Von Andrea Deutsch
a.deutsch@wirtschaftsverlag.at

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Trotz derzeit steigender Zinsen ist der Höhenflug der Leasingfinanzierungen ungebrochen. Im Juni 2005 zählte man in Österreich insgesamt rund 452.000 Leasingverträge, mit einem Gesamtvolumen von 19,4 Milliarden Euro im Bestand. Das Leasingneugeschäft wuchs im ersten Halbjahr 2005 um 15 Prozent (3 Milliarden Euro).
Eine Verschiebung gab es im Verhältnis Privat- und Kommerzkunden weiter in Richtung Unternehmer: 53 Prozent Kommerzkunden, 46 Prozent Privatkunden, ein Prozent aus der öffentlichen Hand. Immerhin gab es bei der letzteren einen Zuwachs von 88 Prozent bei Immobilienfinanzierungen.
Europas Exportunternehmen verzeichnen volle Auftragsbücher, womit ein steigendes Leasingvolumen bei Investitionsgütern zu erwarten ist. Der globale Handel expandiert nach Experteneinschätzungen mit Raten von etwa 7 Prozent. Mit höheren Exportgewinnen und einer daraus resultierenden Expansionsfreudigkeit der Unternehmen könnte auch dem Verlierer im Leasingobjekte-Ranking, der Immobilie, ein Aufschwung verschafft werden. Zusätzlicher Nebeneffekt wäre eine Belebung der Baubranche.

Umsatzschwaches Immobilien-Leasing
Trotzdem dieses Marktsegment laut Franz Hagen, Präsident des Verband Österreichischer Leasing-Gesellschaften (VÖL), die "prognostizierte Trendumkehr geschafft hat" und einen Zuwachs von 19,5 Prozent (102,1 Millionen Euro) im Neugeschäftsvolumen 2005 errungen hat, hinkt es den boomenden anderen Leasingsparten weiter nach. Einzig im florierenden Osteuropageschäft gewinnt es durch den Neubau von Niederlassungen westeuropäischer Unternehmen. Auch in der Kommunalfinanzierung wird zögerlich aber doch auf die Investitionsschiene Immobilienleasing gesetzt. Vor allem beim Neubau, der Renovierung und Sanierung von öffentlichen Gebäuden wie Kindergärten, Schulen, Feuerwehrrüsthäuser und denkmalgeschützten Objekten zeigt sich Offenheit bei den Kommunen. Als Referenzprojekt gilt beispielsweise das Franziskanerkloster in Telfs. Mit der Variante "sale and lease back", bei der das Objekt an den Leasingfinanzierer verkauft und danach zurückgeleast wird, sind hohe Steuereinsparungen zu erzielen. Während der Laufzeit, in der Regel 15 bis 20 Jahre, erfolgt gleichzeitig die Ansparung des Guthabens für den etwa 40-prozentigen Restwert. Der Vorteil dieser Finanzierungsvariante liegt in der geringeren Verschuldung entsprechend der Maastricht-Kriterien. Helmut Mödlhammer, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes, rät allerdings zu umfassenden Überlegungen im Vorfeld, um die Belastungen durch die Folgekosten richtig einzuschätzen.

Umsatzriese Kfz-Leasing
Offenbar keine Probleme mit nachfolgenden Belastungen gibt es in der umsatzstärksten Sparte des Leasinggeschäfts, dem Kfz-Bereich. Dank eines Neugeschäftszuwachses von 11,9 Prozent 2005 hält das Segment die Führung mit einem 54-prozentigen Anteil am allgemeinen Leasinggeschäft. Im ersten Halbjahr 2005 konnten mehr als 73.000 Leasingverträge mit einem Volumen von etwa 1,6 Milliarden Euro österreichweit abgeschlossen werden. Die durchschnittliche Vertragssumme beträgt € 22.100. Ebenfalls gepunktet hat der Kfz-Bereich bei den Cross-border-Geschäften, worin eine nochmalige Steigerung von 179 Prozent im Neugeschäftsvolumen verzeichnet wurde.
Bedenklich wird die Szenerie bei der Feststellung, dass etwa auf Deutschlands Straßen 40 Prozent der Fahrzeuge geleast sind und der Rest ein Durchschnittsalter von acht Jahren aufweist, was einen enormen Nachholbedarf und Neukauf prognostiziert und gleichzeitig die Frage aufwirft, wofür die ehemals verleasten Fahrzeuge verwendet werden? Laut Richard Niedermüller, Prokurist der Porsche Bank AG, gibt es in Österreich diesbezüglich keinen Anlass zur Sorge: "Ein vernünftig kalkulierter Restwert bei der Vertragsvereinbarung und eine solide Gebrauchtwagen-Leasingschiene lassen eine derartige Fehlentwicklung nicht entstehen".
Dass sich die Leasingunternehmen für den kommenden Ansturm rüsten, zeigt sich unter anderem im Kauf der österreichischen AutoBank AG durch die deutsche ALBIS Leasing AG. Diese erwartet sich von dem Kauf einen Spezialisten für das vielversprechende Geschäftsfeld der Lagerfinanzierung von Autohäusern.

Servicespezialisten
Um aus der Masse der Kfz-Leasing-Anbieter herauszustechen, erweitern Leasingunternehmen den fahrzeugbezogenen Service unter der Bezeichnung "Fuhrparkmanagement". Da weder ein Großunternehmen, noch ein KMU heute ohne entsprechenden Fuhrpark operieren kann und dieser zumeist geleast ist, übernimmt der Leasinggeber auch die "lästigen" Betreuungsbereiche wie: An- und Abmeldungen, Versicherungsabwicklung, Treibstoffmanagement, Wartung und Verschleiß, Schadensbearbeitung und einiges mehr. Durch Mengenvorteile können günstige Konditionen und eine Kostenoptimierung weiter gegeben werden. Vorteile für den Leasingnehmer liegen in der Zeit- und Kostenersparnis durch das Outsourcing . "Leasingfinanzierung und Servicevertrag für den Fuhrpark können für KMU und Gemeinden der Ausweg aus dem Budget-Dilemma sein", so Michael Schmied, Geschäftsführer der BAWAG P.S.K.-Fuhrparkleasing. Diese leasen vorwiegend Pkw, Nutzfahrzeuge unter 3,5 Tonnen, Lkw und Busse. Ein Fuhrparkmanagement wird übrigens auch ohne Kfz-Leasing angeboten. Auch das Mobilienleasing scheint für KMU und Gemeinden immer attraktiver zu werden. Vorzugsweise buchen diese Baumaschinen, Auflieger, Büro- und Geschäftsausstattungen und IT-Artikel. Gemeinden leasen immer öfter Maschinen für ihren Bauhof und das Feuerwehr-Equipment. Der Gemeindebund Österreichs schätzt, dass bereits rund zwei Drittel aller Gemeinden eine Form des Leasings anwenden und dass etwa ein Drittel bis zur Hälfte aller Gemeindeinvestitionen über eine Leasingform abgewickelt werden.

Warum Leasing?
Dieter Kanduth von der Kommunalkredit Austria AG führt zum Thema Immobilienleasing auf Kommunalebene aus: "Unter Annahme der Liegenschaftswerte und unter Berücksichtigung aller Gebühren und Abgaben ergibt sich, trotz der höheren Zinsmarge, neben dem positiven Maastricht-Effekt, bei kommunal genutzten Immobilien ein Leasing-Vorteil von über 10 Prozent gegenüber dem Kommunalkredit. Dieser ergibt sich vor allem aus dem Umsatzsteuervorteil, da Leasinggesellschaften vorsteuerabzugsfähig sind."
Die BAWAG P.S.K.-Leasing sieht die Akzeptanz des Investitionsinstruments Leasing als Ergebnis der Tipps von Steuer- und Unternehmensberater, welche die Dringlichkeit der Optimierung von Finanzstrukturen immer stärker betonen.
Als aussagekräftige Argumente gelten: die Optimierung der Unternehmenskennzahlen vor dem Hintergrund von Basel II, sowie eine Maastricht-konforme Finanzierungsmöglichkeit, ohne den vorgegebenen Budgetrahmen zu sprengen. Ausleihungen auf dem öffentlichen Sektor werden von der Oesterreichischen Nationalbank auf einen Marktanteil von 24 Prozent geschätzt. Neue Partnerschaftsmodelle zwischen öffentlicher Hand und privater Wirtschaft können ebenfalls zu einer Budgetentlastung beitragen. Kalkulatorisch wertvoll sind allerdings die Gegebenheiten einer Gemeinde, wie Ertragslage, demografische und geografische Kriterien und andere Einflussfaktoren. "Leasing erleichtert den Gemeinden die notwendigen Investitionen", bringt Mödlhammer die Ansicht des Gemeindesbundes auf den Punkt, "idealer sind allerdings Finanzierungen aus eigener Kraft".

Alternative Leasingformen
Durch den jüngsten Erdgasengpass rückt der österreichische Bedarf an alternativen und nachwachsenden Energieformen wieder stärker ins Bewusstsein. Die EU-Kommission schätzt den Bedarf an Investitionen in Energie und Umwelt auf rund 100 Milliarden Euro. Mit dem Ökoleasing wurde auch in diesem Bereich eine gangbare Finanzierungsform entwickelt. Bau und Leasing von Windkraftwerken (Windparks), Recycling-Anlagen oder Biomassekraftwerke sind bereits im Angebot von Leasingunternehmen. Österreich übernimmt im Bereich Alternativenergie eine Art Vorbildrolle. Die jüngste Windkraftanlage in Parndorf - betrieben von der Austrian Wind Power - wird mit Windenergie den Strombedarf von fast 25.000 Haushalten im Jahr decken und 5,7 Millionen Liter Erdöl und 61.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Dem Ökoleasing nahe stehend sind alle Formen von Produkt-Sharing - etwa Car-, Bagger-, Lkw-Sharing, dessen Bedeutung künftig größer werden wird. Einen wichtigen Part in der Entwicklung ökologischer Technologien für Umwelt und Wirtschaft spielt das Chemikalien-Leasing. Bei diesem Geschäftsmodell besteht ein Interesse der Leasinggeber an einer Reduzierung des Chemikalien-Einsatzes und des Energieverbrauchs bei der Reinigung von Metallteilen. Darüber hinaus umfasst das Interesse des Leasinggebers die Zuverlässigkeit der Anlagen und die Minimierung an Service-Leistungen zum Nutzen aller Beteiligten und der Umwelt.
(1_2/06)

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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