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Nicht nur eine Firma

17.03.2003

„Corporate Social Responsibility“ ist nicht nur etwas für börsenotierte Kapitalgesellschaften auf der Suche nach dem letzten Imagekick. Klein- und Mittelbetriebe zeigen immer wieder, dass sie ihre Rolle nicht ausschließlich darin sehen, eine Gewinn abwerfende betriebswirtschaftliche Einheit zu sein. Zum Beispiel ein Paschinger Umzugsunternehmen, das aus Prinzip Behinderte nicht nur beschäftigt.

Von Maike Seidenberger m.seidenberger@wirtschaftsverlag.at
Foto Bachmaier Umzüge

Josef Bachmaier, Seniorchef des gleichnamigen Paschinger Speditionsbetriebs, sieht die Sache nüchtern: „Wir haben eine hohe Fluktuation. Ich suchte zuverlässige Arbeiter zum Ausbilden.“ Vor ein paar Jahren fand er einen Ausweg aus einem betrieblichen Problem und vier Behinderte einen Arbeitsplatz. Vermittelt wurde die Lösung von We Work, der Personalvermittlungstochter der Linzer Caritas, die Jobs für Behinderte bei oberösterreichischen Unternehmen akquiriert und bei der Arbeitsplatz-Integration hilft.
Einstieg war ein Praktikum, wie es auch nicht behinderte Arbeitssuchende, die das AMS schickt, absolvieren. „Aber die sind oft schon nach einem halben Jahr wieder weg.“ Nicht so die behinderten Arbeitnehmer: Einer ist seit vier Jahren im Betrieb. „Sie sind voll motiviert, dankbar, dass sie arbeiten können, bei allen Schulungen mit vollem Elan dabei.“ Das für voll Nehmen ist Bachmaier wichtig. „Sie verdienen dasselbe wie die nicht Behinderten, arbeiten sich selbst hinauf.“ Einer machte bei Bachmaier den Führerschein, ein anderer ist mittlerweile Partieführer, wird im Voest-Gelände eingesetzt, „arbeitet dort selbstständig und hat sich sehr bewährt“.
Selbstverständlich werden manche Abläufe angepasst, ohne großes Getöse. „Ein Mitarbeiter hat Probleme mit der rechten Hand, er kann Kartons tragen, aber nicht aufheben. Also bekommt er sie gereicht. Er kann Bilder nicht von der Wand nehmen, ist aber fürs exakte Verpacken zuständig.“ Um ihm das Tragen von Möbeln zu ermöglichen, wurden spezielle Tragegurte angeschafft. In der Mittagspause helfen die nicht behinderten Kollegen beim Schneiden von Fleisch. Kein Problem, weil alle gemeinsam Essen gehen.
Auf spezielle Bedürfnisse geht der Familienbetrieb (Bachmaiers Frau und drei Kinder arbeiten mit) selbstverständlich ein. Ein behinderter Mitarbeiter wollte gern bei Auslandstransporten mitfahren. Dabei stellte sich heraus, dass er keine Geographiekenntnisse hatte. Also gab es im Betrieb Geographie-Unterricht: Anhand der Europa-Karte lernte er die Namen von Ländern, wo sie sich befinden, wichtige Städte, wo er durch die Transporte schon hingekommen war. Geübt werden zwischendurch immer wieder auch Rechtschreibung und der Umgang mit Kunden.
Die Firma ist mehr als ein Arbeitsplatz, was Bachmaier gut findet: „Man muss bei behinderten Mensch, wie übrigens auch bei nicht behinderten, herausfinden: Was kann der, wo möchte er sich profilieren? Das lässt man ihn dann machen.“ Gedankt wird ihm das in dem 17-Personen-Betrieb mit einer Loyalität, die im Speditionsgewerbe wahrscheinlich eher unüblich ist: „Einer der Mitarbeiter ruft während seines Urlaubs jeden Tag an und fragt, ob er nicht gebraucht wird.“

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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