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Neues gemeinsam entdecken

23.11.2015

Viele KMU haben nicht die Kapazitäten, um Forschung und Entwicklung selbst zu ­betreiben. Forschungskooperationen mit dem Netzwerk ACR können dieses ­Dilemma lösen. „die wirtschaft“ hat sich zwei Erfolgsbeispiele näher angesehen.

Text: Peter Martens

Die Dinge, die Waffelmax herstellt, sind nicht groß – und auch die dahinterstehende Firma ist es nicht. Klein, aber fein, lautet das Motto der Geschäftsführer Astrid und Richard Aichholzer. Die Spezialität des Familienbetriebs aus dem südlichen Burgenland sind Desserts und süße Nachspeisen, die Gasthäuser im Handumdrehen aus einer Waffelmischung herstellen können.
Wenn eine frischgebackene Waffel mit einer süßen Creme oder Sauce auf dem Teller der Gäste duftet, ist die Arbeit getan. Doch die notwendigen Prozesse bis dahin sind komplexer, als mancher Besucher glaubt. „Der Gast will eine frische Nachspeise, die Küche ein sicheres Produkt und effiziente Vorausplanung“, sagt Astrid Aichholzer. Dazu komme in den vergangenen Jahren immer stärker der Trend zur bewussten Ernährung, zu regionalen und natürlichen Zutaten. Deshalb hat man sich bei Waffelmax auf die Suche nach einer grundlegenden Weiterentwicklung gemacht. Die Idee: eine Waffelmischung ganz ohne Zusatz von Zucker, gehärteten Fetten und Konservierungsstoffen, die nur aus regionalen Rohstoffen besteht, und auch Aromen und Backtriebmittel sollten auf ein Minimum reduziert sein – eine schwierige Aufgabe.

Frisch und kross mit System
Die Suche dauerte schließlich stolze elf Monate. Waffelmax beauftragte damit die Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung in Wien. Dort experimentierte ein Team von Lebensmittelchemikern mit dem Proteingehalt und der richtigen Verkleisterung von Mehl, dann mit der nötigen Prise von Backtriebmitteln, der Backzeit und Temperatur – denn die fertige Waffel sollte auch eine krosse Kruste haben und natürlich „appetitanregend“ duften. Am Institut kamen ein Extensogramm, ein Glutograf und ein Amylograf zum Einsatz. Am Ende hatte der burgenländische Betrieb das exakte Rezept für eine Halbfertigmischung, dem die Restaurants nur mehr Wasser, Butter und Eier hinzufügen müssen. Und offenbar war das neue Produkt erfolgreich: Wie es bei Waffelmax heißt, sind alle bestehenden Kunden auf die neue Mischung umgestiegen, neue kamen dazu. Und Waffelmax startete gemeinsam mit der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung weitere drei Entwicklungen.

Holzbohlen aus dem Lavanttal
Um ganz andere Dimensionen geht es bei der Firma Weinberger-Holz GmbH, einem Hersteller von Holzbauprodukten aus Reichenfels im Kärntner Lavanttal. Der Betrieb entstand aus einer kleinen Sägerei, hat heute 36 Beschäftigte, exportiert mehr als drei Viertel seiner Produktion und ist mit einem bestimmten Baustoff Marktführer in Europa – den sogenannten Blockhausbohlen, also den tragenden Bestandteilen eines Blockhauses. Nun ist Holz einerseits ein lebendiger Baustoff – es quillt oder schwindet, und diese sogenannte Setzung kann pro Stockwerk bis zu fünf Zentimeter ausmachen. Und andererseits geht es im modernen Holzbau immer höher hinaus. Auch Blockhäuser werden inzwischen mehrstöckig sowie mit Balkonen und großen Fenstern gebaut. Gibt es zentimetergroße Verformungen, wird der Baustoff unbrauchbar.
Die Kärntner machten sich deshalb daran, eine „setzungsfreie Blockhausbohle“ zu entwickeln. Nach den ersten Tests wurden Experten der Holzforschung Austria (HFA) miteinbezogen. Zwei Jahre dauerten die Forschungen an einem Produkt, das tatsächlich setzungsfrei ist: In drei Schichten werden Außenlamellen und eine dazu im rechten Winkel stehende Mittellamelle verleimt. „Durch die orthogonale Verklebung wird eine Verformung nahezu ausgeschlossen“, sagt Andreas Neumüller von der HFA. Nach umfangreichen Tests bekam das Produkt vom Österreichischen Institut für Bautechnik die technische Zulassung für ganz Europa. Heute wird es in Längen von bis zu 13,5 Meter hergestellt. Und Geschäftsführer Johann Alfred Weinberger verweist darauf, dass allein wegen der Nachfrage nach diesem Bauprodukt vier neue Mitarbeiter aufgenommen werden konnten.

Ein Netzwerk aus zwanzig Instituten
Die Firmen aus dem Burgenland und aus Kärnten haben etwas gemeinsam. Sie verfügen beide nicht über eine stattliche Entwicklungsabteilung mit üppigen Forschungsetats – und deshalb haben auch beide mit einem spezialisierten Auftragsforscher kooperiert, der ihnen von außen eine Neuentwicklung beisteuert. Auch die hier genannten Institute haben etwas gemeinsam, obwohl sie vollkommen in verschiedenen Gebieten arbeiten: Beide gehören zum Austrian Cooperative Research (ACR). Das ist ein Netzwerk aus mittlerweile zwanzig Instituten, die von Güssing bis Dornbirn im Auftrag von Unternehmen forschen, prüfen, informieren. Die Palette reicht von Lebensmitteln über Bauen, Umwelttechnik, neuen Verarbeitungsprozessen für Holz, Metall, Kunststoff bis zur Nanoanalytik.
Ein Alleinstellungsmerkmal aller ACR-Institute: Hier stehen Kleinbetriebe und Mittelständler im Zentrum. 75 Prozent der Projekte werden mit und für KMU abgewickelt, allerdings arbeiten die Institute auch für die Großindustrie und kooperieren zudem mit den heimischen Hochschulen. Dabei übernehmen die Institute eine doppelte Vermittlerrolle: Kenntnisse und Technologien aus Wissenschaft und Industrie an den Mittelstand weiterzugeben. Denn gerade die Innovationen seien es, die langfristig das Überleben der KMU sichern, sagt ACR-Geschäftsführer Johann Jäger.

Gemeinnütziges Konzept
Auch eine weitere Besonderheit ist den Instituten dieses Netzwerks gemeinsam: Sie arbeiten gemeinnützig. Deshalb werden sie auch vom Wirtschaftsministerium gefördert. Doch der Anteil dieser Förderungen bewegt sich im einstelligen Prozentbereich, den größten Teil der Einnahmen erwirtschaften die ACR-Mitglieder selbst. So unterschiedlich die Forschungsbereiche, so verschieden auch die Größe der einzelnen Projekte, die mehrere Jahre dauern und sechsstellige Summen kosten können. Oder auch nur wenige Tage. Einen guten Einstieg dazu bietet beispielsweise der Innovationsscheck in der Höhe von bis zu 10.000 Euro, den man bei der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) beantragen kann. Ganz nebenbei: Die Antwort darauf, wo man am besten welche Förderung beantragt, bekommt man bei den Auftragsforschern des ACR ebenfalls.

 

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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