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Natürlich erfolgreich

08.06.2018

Unternehmen können aus Ritualen Kraft schöpfen. Wie sie dabei helfen, Übergänge zu meistern und zu verdauen. Eine Anregung.

Jemand kommt, jemand geht. Ein Produkt wird eingeführt, es wird ein Flop. Wie es halt so ist in einem Unternehmen. Das Leben geht weiter. Halt! Nicht so schnell. Vielleicht sollte man all dem, was da so im unternehmerischen Alltag vorüberzieht, ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken. Oder mehr als das: ein Ritual widmen. „Rituale sind bewusst gesetzte, symbolische Handlungen. Sie ermöglichen jedem Menschen, sich auf einen Veränderungsprozess in seiner ganzen Tiefe einzulassen. Gleichzeitig entsprechen Rituale der tiefen Sehnsucht des Menschen nach einer sinnstiftenden Verankerung in einem größeren Ganzen.“ – So liest man auf der Website der RitualleiterInnen in Österreich. Rituale, hm. Können Sie sich an das letzte Ritual erinnern? Die eigene Firmung, der Sonntagsausflug, die Weihnachtsfeier in der Firma. Wann feiern wir denn noch Rituale? Gar nicht bis kaum. Das ist natürlich dem Tempo und dem aufgeklärten Geist geschuldet. Wir haben keine Zeit und keinen Sinn mehr für Rituale und Lebensrhythmen. Sie wirken störend für genormte Abläufe. Daher lernen wir in unserer Ausbildung und in den Firmen auch nicht, darauf zu achten, und halten oft für Krankheit, was nur einen Wechsel im natürlichen Energiefluss darstellt. Und dann werden wir tatsächlich alle krank, weil wir ständig gegen den Rhythmus leben. 

Sehen wir uns das Wesen eines Rituals einmal an: Es ist eine symbolische Handlung, also eine Handlung, die etwas versinnbildlicht. Ein Geschehen wird damit aus dem Rahmen des Alltäglichen herausgehoben und dadurch gewürdigt. Jemand kommt, jemand geht. Das ist keine Nebensächlichkeit. Oder umgekehrt: Wenn man es als nebensächlich behandelt, ist das auch ein Signal und sicher kein wohltuendes. 

Ein Produkt wird eingeführt. Warum nicht feiern? Ein Projekt ist schiefgelaufen. Warum nicht Trauerarbeit leisten und eine würdevolle Bestattung durchführen? Die Oma verscharren Sie ja auch nicht beiläufig im Wald und sagen den Kindern: Nichts passiert, das Leben geht weiter.

Rituale sind Markierungspunkte an Lebensübergängen und sie helfen dabei, diese Übergänge zu meistern und zu verdauen. Da das Leben auch in Firmen von Übergängen bestimmt ist, könnte das hilfreich sein. „Rituale unterstützen die emotionale Anbindung von Mitarbeitern an das Unternehmen“, heißt es in einem neuen Buch mit dem Titel „natürlich erfolgreich“. „Der Mensch wird als Körper-Seele-Geist-Wesen angesprochen und in seiner Vielfalt wertgeschätzt. Das stärkt die Gesundheit, weniger Krankenstände sind die Folge. Rituale können auch positive emotionale und mentale Assoziationen mit einem Unternehmensprodukt verstärken.“

Rituale würden „das Bewusstsein verfeinern“. Dadurch werden kreative Umsetzungen gefunden, um das neue Bewusstsein auszudrücken. Es wird direkt an aktuelle Bedürfnisse, Stärken und Herausforderungen angeknüpft und über eine sehr feine Kommunikationsebene ins größere Ganze eingespielt. „Jedes Unternehmen, jeder Mensch kann aus Ritualen sehr viel Kraft schöpfen“, weiß auch Doris Wallner-Bösmüller, Inhaberin der Druckerei Bösmüller mit 45 Mitarbeitern, „es sind ja viele Rituale vorhanden, die leider zunehmend zu ihrem geistigen Hintergrund keinen Bezug mehr haben, entkoppelt oder auch vergessen wurden. Ich sehe großes Erfolgspotenzial für Unternehmen darin, wenn sie in ihren HR-Abteilungen Ritualarbeit als Entwicklungs- und Schulungsthema miteinbringen.“

In Firmen wieder sinnvolle Rituale einführen – das wäre eine ökonomische (R)evolution. Und es wäre womöglich „natürlich erfolgreich“.

Autor/in:
Harald Koisser

schreibt philosophische Bücher und 
ist Herausgeber des Mutmacher-Magazins „wirks“. 
www.wirks.at, www.koisser.at

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