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Nachhaltigkeitsbericht: Wie KMU profitieren

28.11.2019

Das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) verpflichtet große Unternehmen dazu, auch über „Nichtfinanzielle Belange“ zu berichten. Ziel der Übung ist, mehr Klarheit über soziale und ökologische Auswirkungen der unternehmerischen Geschäftstätigkeit zu erlangen. Warum sich der Aufwand auch für KMU wirklich lohnt und wie Sustainability zum Steuerungsinstrument der Zukunft wird, erklärt Brigitte Frey. Sie ist Vorsitzende der Arbeitsgruppe Nichtfinanzielle Berichterstattung in der Kammer der Wirtschaftstreuhänder.

Brigitte Frey

Warum es eigentlich nicht um den Nachhaltigkeitsbericht geht: Die Berichterstattung selbst ist ein überschaubarer Aufwand und immer nur die Spitze des Eisberges. Digital unterstützte Verarbeitungen erleichtern bereits die Erstellung enorm. Viel wichtiger als das, was letztlich im Bericht steht, sind die Maßnahmen, die davor gesetzt werden. Denn die ernsthafte Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit führt zu strategischen Innovationen und reicht bis tief in die Unternehmensführung hinein. Durch das Reporting schaffen Unternehmen ein Bewusstsein für viele wesentliche Themen, die entscheidend für die Zukunft des Unternehmens sind. Sich systematisch mit Nachhaltigkeit zu befassen, sorgt also für Orientierung.

Warum sich ein langer Atem lohnt: Wer CSR-Maßnahmen im Unternehmen setzt, kann von Anfang an über seine Entwicklungen berichten, muss aber nicht. Viel wichtiger ist es, Erfahrungen zu sammeln, konkrete Verbesserungen zu erreichen und diese zu dokumentieren. Zu einem späteren Zeitpunkt zu berichten, fällt dann oft leichter. Nach einer ersten Phase der Euphorie erleben viele Unternehmen im ersten Jahr einen „Baustellen-Sommer“, im zweiten Jahr das Tal der Tränen fehlender Reporting-Prozesse und dann die ersten Erfolge substanzieller Maßnahmen und erreichter Ziele. Dann gelingen Berichte auch unkompliziert und authentisch.

Welche Stakeholder Informationen verlangen: Das Bedürfnis zu erfahren, welche Maßnahmen ein Unternehmen setzt, wird in der Belegschaft sowie bei potenziellen Mitarbeitern immer größer. Zudem fordern auch große Unternehmen in der Lieferkette entsprechende Informationen. Konsumenten fragen immer genauer nach und decken Missstände auf Social Media unbarmherzig auf. Damit die Maßnahmen den richtigen Fokus haben, steht an deren Anfang eine Wesentlichkeitsanalyse. Damit lässt sich herausfinden, wo der Betrieb wesentliche Auswirkungen auf Umwelt, Mitarbeiter, Gesellschaft, Kunden und Lieferanten hat.

Wie die Berichterstattung Risiken minimiert: Die Welt wird komplexer, und Entwicklungen wie beispielsweise die Digitalisierung krempeln ganze Branchen um. Sich systematisch mit nachhaltiger Entwicklung im Unternehmen und dem Reporting zu befassen, führt konsequenterweise zu einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell. Neben dem finanziellen Rahmen werden damit auch Aspekte wie Ressourcenfragen, Kundenbedürfnisse und auch rechtliche Entwicklungen miteinbezogen. Die Auseinandersetzung sorgt für eine vielschichtige Absicherung des Geschäfts. Fragwürdig wird es dann, wenn es vorrangig darum geht, ein intaktes Umfeld für disruptive Geschäftsmodelle erhalten zu wollen. Man denke an Energieproduzenten oder die Automobilbranche.

Wie die Berichterstattung Fachkräfte anzieht: Engagierte Mitarbeiter zu finden, ist für viele KMU zur zentralen Herausforderung geworden. Vor allem jüngere Mitarbeiter wünschen sich heute eine klare Botschaft von Unternehmen. Sie fragen immer stärker nach dem Sinn der Geschäftstätigkeit und der Art, wie Betriebe ihre Umsätze erwirtschaften. Ein Bericht kann in überzeugender Weise die entsprechenden Fakten für Recruiting und Employer Branding aufbereiten und belegen.

Warum es keinesfalls ein großes Druckwerk sein muss: Panik vor dreihundert Seiten langen Berichten ist nicht nötig. Denn bei KMU kann der Nachhaltigkeitsbericht im überschaubaren Umfang auch auf der Firmen-Webseite sehr gut aufgehoben sein. Die ganze Art der Gestaltung ist flexibel und hervorragend mit innovativen Kommunikationsmitteln vereinbar. Wichtig sind valide Prozesse hinter den Kennzahlen, da bei einem „Hoppala“ die Glaubwürdigkeit nur allzu schnell schwindet. Mit einer aufbereiteten Wesentlichkeitsanalyse stehen alle Türen offen, um im Bericht rasch und präzise auf den Punkt zu kommen. KMU erstellen übrigens häufig nicht alle Jahre einen neuen Bericht. Je nach Fortschritt der Maßnahmen reicht ein Update auch alle zwei bis drei Jahre.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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