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Mit kleinen Schritten zum großen Ergebnis

29.07.2015

Die RZB-Gruppe sichert rund 9.500 Arbeitsplätze in Österreich. Das Steuer- und Abgabenaufkommen liegt bei knapp 550 Mio. Euro pro Jahr. Wenn sich so ein Player für eine nachhaltige Handlungsweise entscheidet, kommt einiges in Bewegung. Andrea Weber leitet das Nachhaltigkeitsmanagement der RZB-Gruppe. Im Interview erklärt sie, wo die Reise hingeht und was sich KMU abschauen können. 

Die RZB-Gruppe hat eine eigene Abteilung geschaffen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst. Sie leiten diese Abteilung seit 2012. Warum hat man sich für diesen Weg entschieden?
Mit der Etablierung der Abteilung Nachhaltigkeitsmanagement Anfang 2012 wurden bewusst Kompetenzen gebündelt, um die Themen Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung noch stärker in die Geschäftsstrategie der RZB-Gruppe einzubinden. Unser Ziel ist es, Mehrwert für alle verbundenen Organisationen zu generieren. So bereiten wir auch aktuelle Themen – wie die zukünftige Umsetzung der EU-Richtlinie zur Offenlegung nicht-finanzieller Informationen – für die gesamte Gruppe auf.

Welche Erwartungen stellt die Gruppe an Sie und Ihre Abteilung?
Die Erwartungshaltung ist, dass das Nachhaltigkeitsmanagement als Competence Center bei nationalen und internationalen Entwicklungen zum Thema immer am letzten Wissenstand ist. Damit sollen mögliche Auswirkungen auf die Gruppe entsprechend berücksichtigt werden. Darüber hinaus ist es maßgeblich zu erkennen, welche Maßnahmen gruppenweit erforderlich sind, um Nachhaltigkeit kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dazu arbeiten wir permanent mit allen relevanten internen und externen Stakeholdern zusammen.

Viele Banken sind im Zuge der Krise ziemlich in Verruf geraten. Wie sieht denn heute das Selbstverständnis zum Thema Nachhaltigkeit bei der RZB-Gruppe aus?
Bereits seit knapp 130 Jahren verbindet Raiffeisen wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlich verantwortlichem Handeln. Nachhaltigkeit ist somit für die RZB-Gruppe ein Grundprinzip und Maßstab für unternehmerischen Erfolg. Denn, wir verstehen unter Nachhaltigkeit verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln für langfristigen ökonomischen Erfolg. Dies unter Berücksichtigung wesentlicher gesellschaftlicher und ökologischer Aspekte. In den drei Nachhaltigkeits-Verantwortungsbereichen der RZB-Gruppe, konkret in den Rollen als „Verantwortungsvoller Banker“, „Fairer Partner“ und „Engagierter Bürger“, die eng mit unserer Geschäftstätigkeit verbunden sind, sehen wir uns als Gestalter einer nachhaltigen Unternehmens- und Gesellschaftsentwicklung. So bringen wir unsere Werte und Kompetenzen bestmöglich zum Einsatz.

Wie schwierig/leicht ist es in der Praxis, Ihre Pläne in den Unternehmensalltag eines so großen Konzerns zu integrieren?
Wichtig ist zunächst, die notwendigen Strukturen im Unternehmen für die Umsetzung von Projekten und Maßnahmen zu schaffen. Dies ist uns in der RZB-Gruppe durch zahlreiche organisatorische Verankerungen wie den Nachhaltigkeitsrat, der Sustainability Working Group und den Sustainability Officers gelungen. Eine wichtige Basis für unsere Arbeit sind die Vorgaben der Global Reporting Initiative, welche wir seit Jahren als Berichtsrahmen nutzen sowie die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsratings. Auch die Outputs unserer umfangreichen Stakeholdereinbindung helfen uns, relevante Themen zu identifizieren und priorisieren. Für die konkrete Umsetzung ausgewählter Projekte braucht es dann die Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen aus den zuständigen Fachabteilungen oder Netzwerkbanken. Dies erfordert einen intensiven Abstimmungsprozess, der entsprechend Zeit in Anspruch nimmt. Manchmal können wiederum nur kleine Schritte gesetzt werden. Aber wie man in unserem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht sehen kann, entwickeln wir uns jedes Jahr weiter und setzen uns neue herausfordernde Ziele.

Als Bankengruppe hat man bestimmt jede Menge Anspruchsgruppen, die beachtet werden sollen. Wie managen Sie die Kommunikation mit den Stakeholdern, dass alle Gehör finden?
Unsere Geschäftstätigkeit berührt die Interessen vieler Anspruchsgruppen und Menschen in unterschiedlichen Ländern. Die Einbindung der Stakeholder ist deshalb einer der Schwerpunkte der Nachhaltigkeitsstrategie. Natürlich ist es nicht immer einfach, dass alle Stakeholder-Gruppen gleichermaßen Gehör finden. Daher nutzen wir bewusst unterschiedliche Kanäle, um auf die verschiedenen Erwartungshaltungen einzugehen. Wir verwenden eine breite Palette an Dialogformaten wie Internet und Intranet, Veranstaltungen, Fokusgruppen, Befragungen, Expertengespräche, Trainings und Printmedien. Ebenso beteiligen wir uns an lokalen, nationalen und internationalen Nachhaltigkeitsdialogen und   -initiativen. Unser wichtigstes Kommunikationsformat ist das jährliche Stakeholder Council, zu dem Vertreter interner und externer Anspruchsgruppen geladen sind.


Viele KMU befassen sich mittlerweile intensiv mit Nachhaltigkeit, haben aber keine Ressourcen für eine eigene Abteilung. Haben Sie einen Tipp für die engagierten Mittelständer?

Das Berücksichtigen von nachhaltigen Aspekten wird meines Erachtens – gerade für KMUs – immer wichtiger. Auch im Zusammenhang mit der Erschließung neuer Zielgruppen, die zunehmend größeren Wert auf nachhaltiges Handeln legen. Daraus können KMUs auch langfristige wirtschaftliche Vorteile generieren, und so zu wesentlichen Treibern einer nachhaltigen Entwicklung werden. Ich empfehle KMUs, sich Unterstützung durch Experten von Organisationen wie RespACT oder der WKO zu holen. Darüber hinaus finde ich es wichtig, Netzwerke, Plattformen und entsprechende Kooperationen zu nützen, um Synergien zu bündeln. Dies auch, da sich in Europa derzeit ein Trend in Richtung einer nachhaltigen Lieferkette abzeichnet. Wenn Nachhaltigkeit in allen Dimensionen gelebt wird, dann sollte keine eigene Abteilung erforderlich sein. Es braucht lediglich jemanden, der die Maßnahmen koordiniert.


Sie haben gerade den Nachhaltigkeitsbericht 2014 fertiggestellt. Worauf sind Sie besonders stolz?

Besonders freut mich, dass es mit meinem engagierten Team gelungen ist, unseren bisher umfangreichsten Nachhaltigkeitsbericht – erstmalig nach den G4-Leitlinien des Berichtsrahmens der Global Reporting Initiative – zu erstellen. Dabei wurden wir tatkräftig von vielen Kolleginnen und Kollegen aus dem Head Office und den Verbundunternehmen in Österreich sowie den Netzwerkbanken in Zentral- und Osteuropa unterstützt. Bei der Berichtserstellung lag unser Fokus auf dem Wesentlichkeitsprozess. Dazu haben wir unsere  Stakeholder auf verschiedene Weise eingebunden. Letztlich bin ich auch auf das Kapitel „Wertschöpfung“ sehr stolz. Darin berichten wir über die volkswirtschaftliche Leistung und den fiskalischen Beitrag der RZB-Gruppe. Ziel der Analyse war es, den ökonomischen Fußabdruck, den die Betriebsleistung der RZB-Gruppe in Österreich hinterlässt, in all seinen Dimensionen transparent zu machen und zu quantifizieren. Und wir haben im Zusammenhang mit der Publikation des Nachhaltigkeitsberichts auch erstmalig einen Videoclip produziert, um mittels Statements und Animationen aufzuzeigen, wie Nachhaltigkeit in der RZB-Gruppe gelebt wird.

Kontakt

www.rzb.at

raiffeisen-klimaschutz@rzb.at

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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