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Georg Jungwirth, Professor an der Grazer Fachhochschule der Wirtschaft Campus 02

Mit Eigenkapital an die Spitze

05.05.2021

Georg Jungwirth, Professor an der Grazer Fachhochschule der Wirtschaft Campus 02, ist Experte für Hidden Champions. Im Kurzinterview erklärt er, warum F&E für Hidden Champions so wichtig ist und warum manchen die Banken geradezu nachrennen.

Wie finanzieren Weltmarktführer (WMF) und Hidden Champions (HC) Innovation? Ihre Produkte sind im Schnitt deutlich teurer als die der Mitbewerber. Das geht nur, wenn man Technologieführer ist. Dafür muss man bereit sein, eine Menge Geld in die Hand zu nehmen. Hidden Champions investieren im Schnitt 9,7 Prozent des Umsatzes in F&E.

Wie sieht das in Krisenzeiten aus? Zur Corona-Pandemie haben wir noch keine Zahlen. Aber wir wissen, dass Investitionen in F&E absolute Priorität in diesen Unternehmen haben – lieber wird an allen anderen Ecken und Enden gespart. Ich weiß von HC, die sagen: Wenn wir bei F&E sparen würden, wären wir in zwei oder drei Jahren technologisch nicht mehr führend. In Krisen kommt es meist zu einer Marktbereinigung. Und WMF und HC kommen leichter durch eine Krise als die Nummer 5, 6 und 7.

Wie finanzieren WMF Expansion? WMF und HC haben meist eine gut gefüllte Kriegskassa. Mittelständische HC in Österreich haben im Schnitt ein EGT von mehr als zehn Prozent, während 44 Prozent der österreichischen Unternehmen ein negatives EGT haben. Die Eigenkapitalquote ist bei HC mit 40 Prozent – manchmal sogar Richtung 60 Prozent – sensationell hoch. So lassen sich Verluste leicht auffangen.

Wie kommt man in so eine Lage? Die meisten dieser Unternehmen sind familiengeführt und reinvestieren das Geld. Sie denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Die meisten sind weithin unabhängig von Banken, wobei sie natürlich ihre Hausbanken haben, um Spitzen abzufangen. Ein Geschäftsführer eines Hidden Champions hat mir gesagt: „Uns rennen die Banken nach. Wir bräuchten sie gar nicht.“

Wann entscheiden sich WMF und HC für einen Börsengang? Der Großteil denkt nicht daran. Aber in Familienbetrieben, wo es keinen geeigneten Nachfolger gibt, ist man offen dafür. An der Börse lässt sich gut Kassa machen und für einen guten Lebensabend sorgen.

Wie sieht es mit Mitarbeiterbeteiligungen aus? Der Nachteil von HC: Sie tun sich beim Recruiting schwerer als große Unternehmen. Umso mehr bemühen sie sich, Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen zu binden. Daher denken jetzt einige über Mitarbeiterbeteiligungen oder die Beteiligung von Schlüsselkräften nach.

Autor/in:
Alexandra Rotter
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