Direkt zum Inhalt

Mit dem Webshop auf Expansionskurs

09.06.2020

Der Markenexperte Frido Berger hat gemeinsam mit dem Wiener Softwareunternehmer Jesser Horitani von Iwaves Medientechnik für die aktuelle Version der E-Commerce-Software Shopware eine Einstiegslösung für Unternehmen entwickelt. Warum das Timing dafür perfekt ist, KMU eine persönliche Story transportieren sollten und wie sie Aufmerksamkeit für Ihre Shops schaffen können, erklären die beiden im Kurzinterview.

"Gerade kleine Betriebe sollten in der Lage sein, noch näher am Kunden zu sein", meint Markenexperte Frido Berger.
"Expansion bedeutet auch Internationalisierung", sagt Jesser Horitani, Geschäftsführer von Iwaves Medientechnik.
Corona hat viele Betriebe dazu gezwungen, neue Vertriebswege zu eröffnen. Können sich auch Kleine dauerhaft neben Giganten wie Amazon durchsetzen?
 
Berger: Digitale Lösungen sind plötzlich der neue Standard und eine notwendige Ergänzung zu den vorhandenen Touch-Points im Kundenkontakt und helfen jedem Unternehmen, die verlorenen gegangene Nähe so zu kompensieren! Gerade kleine Betriebe sollten so in der Lage sein, noch näher am Kunden zu sein.
 
Horitani: Für uns stellt sich nicht die Frage, wie man sich gegen Amazon durchsetzen kann, sondern wie man Amazon und andere Marktplätze nutzen kann. Unsere stärksten Kunden – egal welcher Skalierung - listen Ihre Produkte zusätzlich zum eigenen Shop als productfeed auf Facebook, spielen sie auf Instagram aus und platzieren sie auf Amazon oder anderen Markplätzen. Die Frage lautet daher: Kann ich meine Produkte nur regional oder national verkaufen, oder auch in andere Länder – Expansion bedeutet schließlich auch Internationalisierung.
 
Manche Produkte bieten sich zum Kauf im Web an, bei Lebensmitteln waren die Menschen lange recht zögerlich. Wie entwickelt sich das Verhalten der Konsumenten?
 
Berger: Krisen beschleunigen naturgemäß eine Einstellungsveränderung bei uns allen. Plötzlich sind Online-Kontakte und Lieferungen sicherer als ein Besuch im Geschäft. Das gilt für E-Commerce genauso wie für das bargeldlose Zahlen! Im Home-Office sind auch die Zeitfenster für eine Lieferung von bspw. Lebensmittel leichter durchsetzbar, als dies in der Vergangenheit klarerweise der Fall sein konnte.
 
Horitani: Mit der höchsten Konzentration an Supermärkten, gab es in Österreich bisher für die allermeisten Kunden keinen Grund, Lebensmittel Online zu kaufen – ein Grund wurde nun durch Corona aufgezeigt – und gleichzeitig der Nutzen von Lebensmittelzustellung offenbart. Wiewohl auch zu sehen war und ist, dass hier auch bei den großen Anbietern noch großer Optimierungsbedarf besteht – hier gilt es die Lager- und Logistik Prozesse auf den Endkunden abzustimmen – aber die kleinen Ketten und Läden auch hier nur schwer mithalten können. Es sei denn ihr Angebot besticht durch regionale Produkte, Nachhaltigkeit und persönliche Präsenz. Eines unserer spannendsten Projekte der letzten Zeit ist daher ein Biobauernhof aus Niederösterreich, der seine und die Produkte der umliegenden Betriebe Online vertreiben möchte und z.B. Streuobstwiesen-Anteile als Zahlungsmittel akzeptieren will – eine neue Art von Crowdfinancing. Der User bekommt dann sein Obst aus
seinem Anteil der Streuobstwiese. Das gefällt uns.
 
Wann klappt der Vertrieb über das Internet? Wann scheitert er besonders oft?
 
Berger: Je klarer ein Produkt spezifiziert und damit klar in seinen Eigenschaften beschreib- & vergleichbar ist, um so eher kann ein solches Produkt online bezogen werden. Wenn die Haptik, Look, Gefühl , Frische usw., usw. ins Spiel kommen, sind klassische Vertriebswege dem Online-Angebot sicherlich überlegen. Man sollte aber das Web immer als einen weiteren Touch-, Kommunikationspoint sehen, um sicher zu gehen, dass die Kunden – je nach persönlicher Präferenz und Vorwissen – die Produkte dort vorfinden, wo sie diese intuitiv suchen. Hier gilt es - ja nach Unternehmen, Produkt – eine individuelle, vernetzte E-Commerce-Lösung zu entwickeln. Wenn Unternehmen digitale bzw. E-Commerce-Lösungen primär dazu verwenden, um Kosten zu senken und die Prozesse nicht klar am Kunden ausrichten, können diese Angebote sehr schnell zu einer Entfremdung zwischen Unternehmen und Kunden führen. Die anonymen Buchungsplattformen wie bspw. OPODO, die sich plötzlich als gesichts- und kontaktlose bzw. nicht erreichbare Konstruktionen herausstellen, sind ein klassisches Bsp. dafür, dass diese in der vorliegenden Krise das Kundenvertrauen verspielt haben!
 
Horitani: Wir sehen bei unseren unterschiedlichsten Projekten, dass der Vertrieb dort am besten funktioniert, wo zusätzlich zu den Produkten auch ein gewisses Know-How, oder eben eine persönliche Story mitgeliefert wird. Wenn dann die Zustellung, das Packaging und die Kundenkommunikation auch klappt – dann performed auch der Shop. Wenn Endkunden heute nach maximal 5-7 Tagen Ihr Ware nicht bekommen, ist die Chance für Folgebestellungen schon sehr gering. Das haben die Kunde sehr schnell bei Amazon gelernt – und das ist auch einer der häufigsten Kaufentscheidungen.
 
Einen Webshop zu öffnen ist eine Sache, dass ihn Kunden nützen, eine andere. Welche Rolle spielt die Bewerbung der digitalen Vertriebskanäle?
 
Berger: Ohne der entsprechenden Kommunikation bzw. smarten Anbindung kann ein Webshop nicht gefunden werden und daher nicht funktionieren. Multi Channel Implementierung und einfache Anbindung an alle Marktplätze, wie Google Shopping, Amazon und Social Selling Points, wie Instagram und Facebook sind daher der neue Standard und auch entsprechend zu bespielen. Aber auch in diesem Fall geht die Qualität & Selektion der Maßnahmen vor einer
simplen performance-driven Investition in alle angeführte, digitale Kanäle.
 
Horitani: Content Marketing ist immer noch die günstigste Art, Traffic zu generieren – und aus dem Traffic generiert man Conversions. Hat man nur das Produkt, aber keine Story, oder kein Know-How, daß man z.B. über einen gut aufgebauten Blog kommuniziert, entscheidet fast immer der Preis. Ein gut geführter Blog, der dem semantischen Algorithmus von Google entgegenkommt und auf Säulen aufgebaut, regelmäßig relevanten Content dazu passende Produkte liefert, ist oft mehr Wert als so manche Adwords Kampagne.
 
Von der Idee bis zum go-live: Wie viel Zeit müssen Unternehmer einkalkulieren? 
 
Horitani: Die grundsätzliche Realisierung hängt naturgemäß von der Komplexität des Angebotes und der eventuell notwendigen Vernetzung mit anderen Unternehmensbereichen ab. Eine grundsätzliche Realisierung ist aber bei smarten „Themes“ in wenigen Wochen realisierbar. Wobei aber smarte „Plug-Ins“ eine laufende Betreuung und Aktualisierung des Shops erfordern.
 
 
 
Shopware ist derzeit die wohl innovativste E-Commerce Lösung am Markt. Die neue Version 6, die im Dezember 2019 auf den Markt kam, wurde von Grund auf neu konzipiert und auf die aktuellsten Anforderungen agiler Software-Entwicklung und die Anforderungen an eine moderne E-Commerce Applikation abgestimmt. Frido Bergervon Neusicht Think Tank hat mit gemeinsam Iwaves Medientechnik, für die aktuelle Version von Shopware, das erste österreichische Theme: „Neusicht - das wandelbare Theme für Shopware 6“ entwickelt. Es ist seit Mitte Mai im offiziellen Store von Shopware in Deutsch und Englisch erhältlich und es wird durch einen mehrsprachigen Help-Desk supported.
 
 
 
Werbung

Weiterführende Themen

Stories
17.09.2020

Wie wirkt sich Covid-19 auf exportierende Betriebe aus? Prof. Jonas Puck von der WU Wien hat 810 ...

Puck Jonas
Interviews
17.09.2020

Wie wirkt sich ein exogener Schock auf exportierende Unternehmen aus? Prof. Jonas Puck ist genau dieser Frage nachgegangen. Wir haben ihn um eine ...

Stories
14.09.2020

Die Angst geht um. Vor dem Virus, vor einem Systemcrash, vor der Pleite. Mit welchen Ansätzen man sich der Furcht kon­struktiv stellen kann, erklären Experten und Unternehmen.

"Reshoring wird ­planwirtschaftlich sicher nicht ­funktionieren", meint Michael Otter, Leiter der Aussenwirtschaft Austria.
Interviews
31.08.2020

Die Pandemie hat deutlich gezeigt, wie fragil manche Lieferketten aufgestellt sind. Aus Sicht von Michael Otter, Leiter der ...

Interviews
31.08.2020

Allein schon die Diskussion über neue Steuern schwächt die aufkeimende Konjunktur, meint Georg Knill. Warum der Staat die Verantwortung jetzt wieder an ...

Werbung